Basketball: "Schade, dass es so zu Ende geht"
VON TILL GREVEN - zuletzt aktualisiert: 06.10.2011Basketball (RP). Die Lions Mönchengladbach haben ihre beiden Senioren-Mannschaften vom Spielbetrieb zurückgezogen. Es ist ein trauriger Schlusspunkt hinter eine Basketball-Geschichte, die lange eine Erfolgsstory war.
Heute vor einer Woche war das offizielle Ende der Lions Mönchengladbach besiegelt: Per E-Mail meldete Manager Sebastian Egelhoff beim Westdeutschen Basketball-Verband sowohl die Regionalliga- als auch die Bezirksligamannschaft vom Spielbetrieb ab. Beide Teams werden als erste Absteiger in ihren Ligen geführt.
Damit ist das letzte Kapitel der 20-jährigen Lions-Geschichte geschrieben, denn dass dies ein vorübergehender Rückzug sein wird, glaubt im Umfeld der Löwen niemand. "Es ist sehr, sehr schade, dass es so zu Ende geht", sagt Axel Gruhn.
Große Namen zu Gast gehabt
Der letztjährige Spielertrainer der Lions ist seit elf Jahren im Verein, hat die Glanzzeiten in der Zweiten Bundesliga genau so miterlebt wie den schleichenden Niedergang in den vergangenen Jahren. Von 2004 bis 2007 spielten die Löwen in Deutschlands zweithöchster Spielklasse, waren hinter Borussia der sportliche Zuschauermagnet in Gladbach. Heutige Erstligisten wie die Eisbären Bremerhaven, BG Göttingen oder Phoenix Hagen gaben damals ihre Visitenkarte in der Halle am Sportpark West ab.
Mit der Teilung der Zweiten Liga in ProA und der klassentieferen ProB vor vier Jahren begann dann der sportliche Abstieg der Lions. Manager Sebastian Egelhoff sah seinerzeit keinen Sinn darin, in der bundesweiten ProB an den Start zu gehen und zog das Team in die Erste Regionalliga zurück.
"Es gab sicher gute Gründe dafür, diesen Schritt zu gehen, aber rückblickend betrachtet war das wohl der Anfang vom Ende", glaubt Gruhn. Weil die Entwicklung des Umfelds nicht Schritt gehalten hatte mit dem sportlichen Erfolg der Lions, kam es alsbald zu ersten Problemen. "Ich habe seinerzeit mit dem damaligen Trainer Carsten Pohl und einem unserer Sponsoren appelliert, dass der Verein professionellere Strukturen braucht, um dauerhaft gut aufgestellt zu sein. Sebastian ist darauf aber nicht weiter eingegangen", erinnert sich Gruhn.
Die Lions waren Sebastian Egelhoffs Baby. Er hat es rasant nach oben gebracht, darüber aber vergessen, sich ein Team für das Organisatorische aufzubauen. "Er hält gern alle Fäden in der Hand", beschreibt es Axel Gruhn diplomatisch. Andere sagen: Mit seiner allzu selbstbewussten und teils beratungsresistenten Art habe er viele vergrault. Zum Beispiel den damaligen Trainer Carsten Pohl, der sich mit Egelhoff unter anderem über Honorar-Streitigkeiten entzweite. Aber auch viele ehrenamtliche Helfer, die sich vom Verein – und der Verein war Egelhoff – schlichtweg alleingelassen fühlten.
Das führte dann zu teils grotesken Situationen, wie etwa dass der Manager selbst am Anschreibetisch aushelfen musste, die Videokamera bediente oder an der Tageskasse den Eintritt kassierte. Der wurde zuletzt freilich immer weniger: Zum Spiel gegen den damaligen Tabellenletzten TuS Königsdorf an einem Freitagabend Anfang Februar kamen sieben Zuschauer.
Eine Entwicklung, die laut Gruhn nicht hätte sein müssen: "Beim benachbarten TV Willich, der letzte Saison in die 1. Regionalliga aufgestiegen ist, spielen mit David Skibba, Simon Bennett, Amin Polzin, Fabian Kamphausen und Kai Bonzelett inzwischen fünf junge Mönchengladbacher. Zusammen mit unserem letztjährigen Kapitän Peter Krausen und ein, zwei Amerikanern wäre das eine Bomben-Truppe", ist Gruhn überzeugt.
Warum es die heute in Mönchengladbach nicht gibt, bleibt ungeklärt: Sebastian Egelhoff war für eine Stellungnahme erneut nicht zu erreichen.
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