Fußball: Schriefers hielt durch Torhüter des Tages Hardt verpasste nur um Haaresbreite Torschützenkönig
VON O. E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 07.01.2008mit dem Holzhammer
Drei der vier Halbfinalisten waren noch nie Stadtmeister. Nach dem Spiel zwischen 1. FC und Odenkirchen stand fest, dass es einen Premieren-Sieger geben würde. Rekordmeister FC unterlag nach dem1:0 durch Fatih Yurtadasseven und Treffern von Faouzi Hammouche und Ulrich Harrison noch 1:2. Die Entscheidung fiel 80 Sekunden vor dem Ende. Der einzige Landesligist war im Endspiel.
Mann des zweiten Halbfinales war Wickraths Damian Schriefers. Trotz einer heftigen Platzwunde am Kopf spielte er mit Verband und brachte seine Mannschaft gegen Viktoria innerhalb einer Minute mit 2:0 in Führung. Die Rheydter hatten zwar in den folgenden zehn Minuten ihre Chancen, kamen aber nur zum Anschlusstor durch Markus Merehel. Nach diesem Treffer in der neunten Minute passierte bis zum Ende nichts mehr. So war das Finale zwischen Odenkirchen und Wickrath eine Partie, die der Bezirksligist Wickrath in der Gruppe zwei Stunden zuvor mit 2:1 für sich entschieden hatte.
In jedem Jahr wählt die Turnierleitung den besten Torwart der Stadtmeisterschaft. Diesmal fiel die Wahl auf Tim von der Bank (Foto: Diwi) von Viktoria Rheydt, der maßgeblich zum vierten Platz seines Teams beitrug. Mit dem war der 23-Jährige sehr zufrieden: „Wir sind sehr glücklich, dass wir überhaupt bis ins Halbfinale gekommen sind. Das ist schon ein Riesenerfolg.“ Seinen eigenen Erfolg gab es noch als Bonbon oben drauf: „Das ist natürliche eine große Ehre. Ich hatte nicht damit gerechnet, doch die Mannschaftsleistung zählt natürlich mehr.“ Sein sportliches Ziel für 2008: „Ich möchte mit Viktoria so viel Punkte wie möglich sammeln und dafür sorgen, dass wir die Bezirksliga halten.“ Für von der Bank ist dies die erste Medaille dieser Art im Seniorenbereich.
Gruppenspiele Beide Finalisten kamen aus Gruppe B, sie waren als hohe Favoriten gehandelt worden – was hätte schief gehen sollen? Eine ganze Menge. Der SC Hardt verpasste nämlich das Halbfinale nur um Haaresbreite. Im ersten Spiel gegen Odenkirchen schlug sich der Bezirksligist passabel, kassierte erst 35 Sekunden vor dem Ende das 1:2 durch Mohamed Chaibi. Im spannendsten Spiel dieser Gruppe waren die Hardter nach der 2:0-Führung der Wickrather (durch Tobias Vohmann und Christian Molls) praktisch ausgeschieden. Dann schlug die Stunde von Andreas Scharmukschnis: Mit einem lupenreinen Hattrick drehte er die Partie, verwandelte dabei einen Neunmeter 44 Sekunden vor Schluss. Wenige Sekunden später prallten Wickraths Damian Schriefers und Hardts Peter Daners mit den Köpfen zusammen. Beide erlitten Platzwunden, die im Krankenhaus genäht werden mussten. Nach dem Spiel kam Hektik auf, in der Christian Molls die Rote Karte sah. Doch statt Hardt zog Wickrath auf den letzten Drücker ins Halbfinale ein: Thomas Mertens traf per Neunmeter zum 2:1 gegen Odenkirchen – nur wegen der schlechteren Tordifferenz musste Hardt die Koffer packen. „Das ist bitter, ich bin aber absolut zufrieden“, sagte Hardts Trainer Markus Lehnen.
Da die beiden allgemein als Favoriten gehandelten Odenkirchener und Wickrather in der anderen Gruppe antraten, war in Gruppe A der Weg frei für den 1. FC. Zum Auftakt kam es zu einer Paarung, die es in der Vorrunde schon einmal gab. Hatte Viktoria Rheydt da den 1. FC noch besiegt, kam es nun durch Tore von Gökhan Atalas (Viktoria) und Ali Salgin zu einem 1:1. Der FC gewann die beiden folgenden Partien und schaffte den Sprung ins Halbfinale. Das Duell der beiden A-Ligisten in der Gruppe gewann Blau-Weiß Meer gegen DJK Hehn 4:2, so dass die Hehner recht früh aus dem Rennen waren. Im zweiten Spiel sah Hehns Schlussmann Torsten Müller noch Rot. Die letzte Partie zwischen Meer und Viktoria musste also die Entscheidung über den zweiten Halbfinalisten bringen. Hier führte Meer lange durch Saimir Coraj 1:0, ehe David Güttgemanns und Soner Ispanak das Spiel noch drehten. Viktoria kam als Gruppenzweiter weiter. „Wer in der Halle führt, kann eigentlich locker aufspielen. Wenn man dann die Tore nicht macht, hat man es auch nicht verdient“, resümierte Meers Trainer Frank Rütten. Zufrieden war natürlich Viktorias Doni Karaca („Die Jungs haben Großes geleistet. Wer hätte mit uns im Halbfinale gerechnet?“), als er Frank Rüttens Glückwunsch entgegennahm.
Auch wenn es hin und wieder mal nicht ganz so prickelnd war: Die Hallenfußball-Stadtmeisterschaft hat auch nach 25 Jahren ihren Reiz dank Rasanz, Zweikämpfen und viele Toren. Das gefällt Zuschauern und Aktiven. Diese Tage bieten den kleinen Vereinen eine Bühne und die Chance zur Überraschung.
Doch dem größten Amateursport-Event Mönchengladbachs droht Gefahr. Denn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will vielleicht schon 2009 den Hallenfußball rigoros durch „Futsal“ ersetzen. Das wird zwar auch mit den Füßen gespielt. Doch mit einer Art „Softball“, ohne Banden-Begrenzungen und auf nur zwei mal drei Meter kleine Handball-Tore.
Banden und größere Tore wurden in Gladbach bei der Stadtmeisterschaft erst 2002 bzw. 2003 eingeführt – und brachten attraktivere Spiele. Futsal reduziert durch restriktive Regeln zwar das Foulspiel. Doch gerade diese 25. Stadtmeisterschaft zeigte, dass Hallenfußball mit Fairness und Disziplin der Akteure, entsprechendem Einwirken der Trainer und souveränen Schiedsrichtern packende Zweikämpfe auch ohne Entgleisungen bieten kann.
Ob Futsal den Reiz des Hallenfußballs vermittelt, muss sich zeigen. Das Problem ist die Holzhammer-Methode, mit der der DFB Futsal allen Vereinen aufzwingen will, statt zunächst in Parallel-Wettbewerben zu testen, ob Futsal hierzulande ankommt: bei Aktiven, Publikum – und auch Sponsoren.
Nach dem Finale hatte die Turnierleitung gleich vier Torschützenkönige auf ihrer Liste: Ali Salgin vom 1.FC , Mohamed Chaibi von Odenkirchen, Andreas Scharmukschnis von Hardt und Markus Hilgers von Wickrath trafen alle je viermal. So musste das Los entscheiden, wer die Torjägermedaille bekam. Das Glück traf Ali Salgin (Foto: DIWI), der mit seinem Team Dritter wurde. Der 25-jährige bekam die Medaille schon zum zweiten Mal. Seine Freude blieb jedoch aufgrund der Platzierung seines Teams eingeschränkt: „Ich wäre lieber Stadtmeister geworden, denn das war ich noch nie, und das wäre wirklich eine tolle Sache für mich gewesen.“ Für das kommende Jahr hat sich der Stürmer viel vorgenommen: „Ich möchte mit dem 1.FC wieder in die Landesliga aufsteigen.“
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