Traum und Wirklichkeit
VON O. E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 27.11.2007Die SPD möchte 2009 eine Deutsche Meisterschaft der Leichtathleten im Grenzlandstadion. Doch das ist in marodem Zustand. Die großen Hoffnungen ins einstige Rheydter Vorzeige-Projekt haben sich nie erfüllt.
Grenzlandstadion
Eröffnung 3. Juli 1960 als Fußballstadion mit 400-Meter-Laufbahn für (angeblich) 50 000 Zuschauer
Umbau 1981 zum Leichtathletik-Stadion mit Fußballfeld und Platz für 12 960 Zuschauer (nach heutigem Stand nur noch maximal 5000)
Nutzung Leichtathletik, Fußball, Schulsport, Breitensport (ohne Vereinsbindung)
Es sollte 1960 das Vorzeige-Projekt der Stadt Rheydt sein: das Grenzlandstadion. Die damals noch selbständigen Rheydter träumten sogar davon, Borussia nach ihrem Bundesliga-Aufstieg 1965 vom Bökelberg in die Nachbarstadt zu locken. Doch daraus wurde nichts. Auch, weil das Stadion dann doch nur 30 000 statt der zunächst angenommenen 50 000 Zuschauer fasste. Es blieb bis heute nicht die einzige Enttäuschung. Denn viel mehr an großen Veranstaltungen als ein paar Gastspiele Borussias Anfang der 60er Jahre, ein Turnfest, eine westdeutsche Leichtathletik-Meisterschaft oder ein DJK-Bundessportfest gab es nicht, erinnert sich der frühere Rheydter und spätere Mönchengladbacher Oberstadtdirektor Helmut Freuen: „Dabei war es zur damaligen Zeit schon etwas.“
1981 wurde das Stadion umgebaut: zu einer Sportstätte, die neben Fußball vor allem für Leichtathletik gedacht ist: mit 400-Meter-Kunststofflaufbahn, 2260 überdachten Sitz- und 10 700 Stehplätzen. Eine Stätte, in der bedeutende Meisterschaften stattfinden könnten. Dachte man damals stolz in Mönchengladbach. 26 Jahre später ist kein Leichtathlet mehr stolz auf dieses Stadion, das nur noch für bis zu 5000 Zuschauer zugelassen ist und immer noch kein wirklich großes Ereignis erlebt hat.
Und nach derzeitigem Stand auch nicht erleben wird, obwohl die Stadtrats-SPD davon ganz aktuell träumt. „Ich würde hier keine größere Veranstaltung mehr aufziehen. Wir würden uns und die Stadt blamieren“, sagt Johannes Gathen, Geschäftsführer des LAZ (Leichtathletik-Zentrum) Mönchengladbach. Dieter Wolf, Leichtathletik-Fachwart des Stadtsportbundes, sagt: „Mehr als Stadtmeisterschaften kann man hier eigentlich nicht mehr machen.“ Dabei würden die Vereine gerne noch einmal eine Deutsche Meisterschaft bieten. Zwar nicht die ganz große für Männer und Frauen, die ohnehin in ganz andere Stadien vergeben wird. Aber wenigstens eine Jugend-DM wie zuletzt 2002. Doch auch daran ist derzeit nicht zu denken beim Zustand des Stadions.
Stein des Anstoßes im wortwörtlichen Sinne ist vor allem die marode Laufbahn. Eine Stolperfalle für die Läufer, vielfach und immer erfolgloser geflickt. Folgen auch der Tatsache, dass 1981 aus Kostengründen der Untergrund teilweise aus Bauschutt hergestellt wurde. Da hilft nur noch eine Komplett-Sanierung der Laufbahn – die rund 750 000 Euro kosten würde – (zu?) viel Geld für die chronisch klamme Stadt.
Die hatte nun sogar die Sanierung des Grenzlandstadion in ihren Haushaltsentwürfen für 2008 und 2009 erst gar nicht mehr berücksichtigt. Was Bert Gerkens, den Präsidenten des Stadtsportbundes, hellhörig werden ließ. Er schrieb mit Fachwart Wolf einen Brief an die Stadt, um sicherzustellen, dass das Stadion in den Sportentwicklungsplan aufgenommen wird. Die Stadtratsfraktion der SPD hat inzwischen das Stadion besichtigt. Und für die heutige Sitzung des Sportausschusses einen Antrag gestellt: Die Verwaltung soll ermitteln, was die Sanierung kostet. Und nicht nur der Laufbahn, sondern auch der Sitz-und Stehplätze – und ob es Zuschüsse durch Land und Sportverbände geben kann.
Der Antrag läuft unter der viel verheißenden Überschrift „Ausrichtung von Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im Jahr 2009 in Mönchengladbach“. Das aber ist kaum realistisch. „Für eine DM 2009 müssten wir uns schon Anfang 2008 bewerben. Aber das geht nur, wenn sicher ist, dass das Grenzlandstadion 2009 meisterschaftsreif sein wird“, sagt Dieter Wolf,. Und das ist kaum zu schaffen.
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