Zwischen Flaute und Boom
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 05.09.2008Der ruhmreiche Rollhockey-Club in Neuwerk hat nur noch acht Jugendliche und sucht dringend Nachwuchs sowie einen Trainer. Im Gegensatz dazu kann sich die Rollkunstlauf-Abteilung nicht über Zuwachs beklagen.
Training
Rollhockey Die B-Jugend trainiert mittwochs von 17 bis 19 und freitags von 18 bis 20 Uhr in der Halle Nespeler Straße. Interessierte Kinder (auch Mädchen!) können auch mit Inlinern am Training teilnehmen. Auskunft gibt Betreuer Jörg Mevissen unter 0163 6656026. Rollkunstlauf Training ist immer montags von 17.30 bis 19 Uhr in der selben Halle.
Rollschuhsport Lilly Towet übt die Pistole. So heißt die Figur, bei der die Rollkunstläuferin in der Hocke ein Bein nach vorne bringen muss. Trotz einigen Wacklern gelingt es ihr, auf den Rollschuhen zu bleiben. „Auf Rollen zu fahren ist toll“, sagt Lilly. Sie ist erst fünf Jahre alt und damit das jüngste Mitglied der Rollkunstlauf-Abteilung im Gladbacher Roll- und Schlittschuh Club. „Mittlerweile haben wir 40 Kinder und Jugendliche. Wir sind selbst erstaunt, was wir da erreicht haben“, sagt Bettina Palm-Bauer. Die Jugendwartin des GRSC verfolgt das Training und arbeitet zusätzlich an einem Kostüm für das Weihnachtsmärchen, das die Abteilung alle zwei Jahre aufführt. „Dadurch bekommen wir jedes Mal einige Kinder dazu. Der Rest läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda.“
Erstaunte Konkurrenten
Doch nicht nur die Anzahl der aktiven Jugendlichen im Rollkunstlauf stimmt sie zufrieden, sondern auch die jüngsten Erfolge. Ihre Tochter Louisa Bauer (12) hatte im Juni bei den Landesmeisterschaften im Solotanz die erste Medaille seit über 50 Jahren für den GRSC gewonnen. „Insbesondere in den letzten drei Jahren ist die Entwicklung sehr positiv. Viele Konkurrenten wussten schon gar nicht mehr, dass es in Gladbach noch Rollkunstlauf gibt“, sagt Petra Gutowski, die seit 1999 den Nachwuchs trainiert.
Von solchen Erfolgen kann Jörg Mevissen nur träumen. „Da wird man schon neidisch“, bekennt der Betreuer und Trainer der Rollhockey-B-Jugend. Es ist die einzige Nachwuchsmannschaft des Vereins, dessen Aushängeschild stets die Rollhockey-Abteilung war. „Es sieht böse aus, wir haben nur noch acht Kinder. Es wäre ein Schande für dieses eingeschworene Team, wenn wir es nicht halten könnten“, sagt Mevissen, der zugleich mehr Hilfe vom Verein erwartet: „Wir brauchen vor allem einen Trainer. Ich mache das nur übergangsweise den Jungs zuliebe.“
Doch ein Fachmann ist schwer zu finden, da niemand aus der ruhmreichen GRSC-Riege, die früher in der Ersten Bundesliga spielte und zuletzt den Deutschen Meistertitel bei den Alten Herren gewann, Zeit für diesen Job hat. „Wir wollen an die Schulen herantreten und den Kindern unseren Sport schmackhaft machen“, sagt GRSC-Vorsitzender Reiner Penders. Argumente, Rollhockey attraktiv zu präsentieren, haben die Rollschuh-Cracks. „Mein Sohn Jason hat vor zweieinhalb Jahren angefangen. Seitdem hat er sich in der Schule im Fach Sport um zwei Noten verbessert“, rühmt Mevissen die hohen Anforderungen an die Koordination.
Jason (12) selbst beschreibt Rollhockey als „sehr schnellen Sport“ und möchte später auch in der Ersten Mannschaft stehen, die derzeit in der Zweiten Bundesliga spielt. Deren Trainer Uli Bolten schaut ebenfalls beim Jugendtraining vorbei. „Das hier ist unsere Zukunft, um die sich gekümmert werden muss“, betont er.
„Die Kinder bei der Stange halten“
Diese Probleme hat die Rollkunstabteilung nicht. Doch Bettina Palm-Bauer ist für die gesamte Jugend verantwortlich. „Früher war der Rollkunstlauf das Anhängsel des Vereins, jetzt haben wir im Rollhockey eine Flaute. Mit dem Engagement der Eltern müssen wir die Kinder bei der Stange halten“, sagt sie, während Lilly Towet glücklich von ihren Eltern abgeholt wird. Es sind ihr heute wieder einige Pistolen gelungen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





