Kreis Viersen: 2010 war zu warm und zu nass
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 17.12.2010Kreis Viersen (RPO). Der Niersverband reagiert mit neuen Konzeptionen auf die Folgen des bereits jetzt nachweisbaren Klimawandels. In nächster Zeit werden Anlagen mit Millionenaufwand erneuert und erweitert. Die Gebühren bleiben stabil.
Anhaltende Trockenheit im Juni, heftige Stürme im Juli, extrem viel Regen mit folgendem Hochwasser im August und November sowie in der Jahresbilanz zwei Grad zu viel Wärme – der Klimawandel ist am Niederrhein Realität. Die vergangenen zwölf Jahre waren nach Angaben von Prof. Dietmar Schitthelm bis auf zwei zu nass und zu warm. Der Vorstand des Niersverbandes kündigte gestern gegenüber der Verbandsversammlung in Viersen an, dass er darauf konzeptionell reagieren wird.
Einmal jährlich treffen sich die Mitglieder der Verbandsversammlung, der im Wesentlichen Vertreter der Kreise, Städte und Gemeinden im Einzugsgebiet sowie der Wirtschaft, Landwirtschaftskammer und der Naturschutzverbände angehören. Der Verbandsrat und der Vorstand legen ihre Jahresberichte vor und informieren über künftige Vorhaben. Der Vorsitzende des Verbandsrates, Rolf A. Königs, kündigte gestern an, der Niersverband werde im 13. Jahr in Folge seine Gebühren nicht anheben.
Daten und Fakten
Fischbestand Die Niers hat als Lebensraum für Fische gewonnen. Auf einem konkreten Abschnitt wurden 1994 drei Arten und weniger als 100 Tiere gezählt. 2002 waren es neun Arten und etwa 400 Tiere. 2010 waren es 12 Arten und mehr als 800 Exemplare.
Zahlen Der Niersverband hat 290 Mitarbeiter, der Fluss ist 104 km lang (bis Grenze NL), das Einzugsgebiet ist 1348 km2 groß, darin leben 750 000 Menschen.
"Spannendes Jahr"
Das ist vor dem Hintergrund des "spannenden Jahres 2010", das Prof. Schitthelm und seine 260 Mitarbeiter durchlebten, bemerkenswert. Ungewöhnliche Wetterlagen forderten hohe Aufwendungen an Personal und Sachkosten. Ein Baustein zur Verbesserung der Hochwassersituation ist der im vergangenen Jahr verabschiedete Masterplan Niersgebiet. 9 Mio. Euro pumpt der Verband jährlich bis 2027 in Grundlagenerforschung und daraus resultierenden Maßnahmen. Insgesamt zwölf Projekte am gesamten Flusslauf weist der vorgelegte Bericht jetzt schon aus.
Um den von der EU geforderten "guten Zustand" der Niers zu erreichen, steckt der Verband Millionen in die Abwasserreinigung und Regenbehandlung. An der Dülkener Nette investiert der Verband nach Angaben von Abwasser-Chef Ulrich otto in den kommenden Jahren 18,9 Mio. Euro in den Bau eines Regenrückhaltebeckens und eines Retentionsbodenfilters, der vor allem den Eintrag von Phosphor in die Nette verhindern soll. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Wasserrahmenrichtlinie. Weitere 7 Mio. Euro steckt er in die Betriebsstelle Süchteln. Die Pumpleistung der Anlage wird deutlich erhöht, im benachbarten Fritzbruch wird ein verzweigtes Gewässersystem als Alternative zu Rückhaltesystemen angelegt. In die Erweiterung der Kläranlage Kevelaer fließen 15 Mio. Euro.
Der Niersverband gibt aber nicht nur Geld aus. Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) im Klärwerk Mönchengladbach-Neuwerk senkt die Energiekosten um eine Million Euro. Der Verband hat einen Strombedarf von 55 Gigawatt/Stunde/Jahr, der nun mit 5 Mio. Euro zu Buche schlägt. BHKW sind in Brüggen, Dülken, Geldern, Kevelaer und Goch geplant. FRAGE DES TAGES
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