Nettetal: Aller guten Dinge sind vier
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 08.08.2009Nettetal (RPO). Eine Lobbericher Anwaltskanzlei erwirkt Urteile gegen Berufskläger, die deutsche Aktiengesellschaften unter Druck setzen, und bewirkt einen Wandel in der Rechtsprechung. Die Anwälte sind auf Wirtschaftsrecht spezialisiert.
Es ist längst ruhig geworden auf der Baustelle vor dem Lobbericher Rathaus; die Geschäfte an der Marktstraße haben geschlossen. Doch im ersten Geschoss des sich bis zum Eingang des Ingenhovenpark hinziehenden Eckhauses Marktstraße 28 wird noch nachgedacht. Dr. Peter Nenninger (47) tüftelt auch abends nach 20 Uhr an juristischen Feinheiten eines Falles.
Kürzlich gewann die Kanzlei KNP Dr. Nenninger Penatzer Krins eine Klage gegen zwei Männer, die als Top-Berufskläger gegen deutsche Aktiengesellschaften gelten. Meist werden solche Klagen wegen der enormen Kosten von den beklagten Firmen durch teure Vergleiche aus der Welt geschafft. Doch hier "sind wir wieder einmal zum Gegenangriff übergegangen", resümiert Nenninger. Eine Klage gegen den Profi-Kläger Klaus Zapf (Berlin) war 2007/08 erfolgreich beim Landgericht und beim Oberlandesgericht Frankfurt durchgefochten worden. Darauf berief sich nun das Landgericht Hamburg.
KNP-Sozietät
Mitarbeiter Neben den drei Partnern arbeiten in der Sozietär sieben Rechtsanwälte, zwei weitere kommen hinzu. Zwei junge Leute werden zu Rechtsanwaltsfachangestellten ausgebildet, drei haben soeben ihre Lehre begonnen.
Fallzahl Das bundesweit tätige KNP-Team bearbeitet im Jahr rund 300 Fälle, viele sind recht große Verfahren, etwa Anlegerschutz im "innconna"-Fall.
Bibliothek Mit besonderem Stolz zeigt Dr. Nenninger die Bibliothek der Kanzlei "mit allen erreichbaren Kommentaren zu unseren Fachgebieten".
Der gebürtige Bamberger ist eher durch Zufall nach Lobberich gekommen. Nach Studien von Jura, Betriebswirtschaft und Japanologie in Bayreuth, Kobe und Tokio war er Rechtsanwalt im Düsseldorfer Büro von Lovells (Frankfurt am Main), ehe er 1991 Assessor und Notar in Heinsberg wurde. Damals entwarf er die Verträge für den Bau des Nettetaler Rathauses, eines der ersten "Public-Private-Partnership"-Projekte. Vier Rechtsgutachten wurden angefertigt, 98 Prozent seiner Vorschläge akzeptiert. "Glanz und Elend des Standorts Deutschlands bei Neuerungen haben sich darin gefunden", erinnert er sich.
Weil ihm die Notariatsarbeit zu sehr Routine wurde, sattelte er 2000 um. Er wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Rechtsanwälten am Bundesgerichtshof und baute ab 2001 die eigene Kanzlei KPN mit den Partnern Detlef Penatzer und Heribert Krins auf. In eine Großstadt wollte er nicht, Lobberich war da im 38-Autominuten-Radius von Heinsberg noch ideal.
Anfangs war es nicht leicht, für die auf Bankrecht, Immobiliarsachrecht, Gesellschaftsrecht und Haftpflichtrecht für beratende Berufe spezialisierte Kanzlei Mitarbeiter nach Nettetal zu holen. Inzwischen pendeln sie ein – aus Krefeld, Düsseldorf oder Köln. Weitere Büros gibt es in Düsseldorf und Hörselberg (Thüringen).
Pendler ist auch Nenninger geblieben, seit sich seine Frau in ein 1920er-Jahre-Haus in Heinsberg verliebt hat. Die Japanerin, für die Düsseldorf einst "die kleinste Stadt war, in der ich bisher gelebt habe", fühlt sich auf dem Lande sehr wohl. Sie hat Germanistik und japanisches Recht studiert.
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