Nettetal: Alles aus einer Nadel
VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 22.02.2010Nettetal (RPO). Mit 23 Jahren hat Steffi Alten ihr Handarbeitsgeschäft an der Marktstraße in Lobberich eröffnet. Das ist 50 Jahre her. Noch immer ist die 73-Jährige für ihre Kunden aus ganz Nettetal und der Umgebung da und hilft beim Stricken.
Als Steffi Alten 1960 ihr Handarbeitsgeschäft eröffnete, gab es genau fünf Farben Strumpfwolle: Schwarz, Braun, Anthrazit, Dunkelblau und Naturfarben. "In den 70ern wurde es langsam bunter", sagt die Inhaberin des urigen Ladens an der Marktstraße 11 in Lobberich. Heute gibt es 200 Farben Strumpfwolle, in sich gemusterte, mehrfarbige, mit Bommeln und Milchanteil, Soja-, Bambus- oder Maisfasern. "Die natürliche Linie ist ein neuer Trend", sagt sie und streicht über ein cremefarbenes Wollknäuel. "Diese Wolle ist besonders elastisch und weich. Früher haben Pullover gekratzt und Gestricktes aus Schafswolle durfte man nicht in die Waschmaschine stecken", sagt sie und lacht.
Nicht nur das war anders in den frühen Jahren ihres Geschäftslebens in der jungen Stadt Nettetal. Damals konnte auch fast jede Frau stricken und die Kinder lernten Handarbeiten in der Schule. Heute beherrschen nur noch wenige die vielfältigen Techniken. Aber: Stricken wird wieder beliebter. "Auch jüngere Frauen interessieren sich wieder dafür." Die Auswahl in ihrem Laden an Nadeln, Wolle, Knöpfen, Garnen, Decken und Handbüchern ist riesig. Und: "Ich helfe, wenn jemand nicht weiterkommt." Das zeichnet in ihren Augen ein inhabergeführtes Geschäft aus. "Ich bin für die Kunden und ihre Fragen da." Ihre erste und älteste Kundin kam noch mit 103 Jahren und kaufte hier ihre Strumpfwolle.
Die Nettetal-Serie
Weißt du noch? Anlässlich des 40. Geburtstags der Stadt Nettetal spürt die Rheinische Post in einer Artikelserie den Akteuren dieses Neubeginns nach. Wir stellen Inhaber geführte Geschäfte vor, die es schon 1970 gab und die 2010 noch immer das Geschäftsleben in Nettetal prägen.
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Bunte Wolle bis zur Decke
In ihrem Geschäft, in dem die Regale voller bunter Wollknäuel bis zur Decke reichen, können sich Frauen inspirieren lassen. Sobald ein neuer Schnitt oder eine neue Wolle auf den Markt kommt, fertigen Alten und ihre beiden Mitarbeiterinnen Pullover, Jacken, Schals und Mützen in dem neuen Stil an. "Bei uns ist alles Handarbeit", sagt die gebürtige Kempenerin. Dann setzen sich die drei in den kleinen Raum hinter dem Laden und stricken fleißig. Die fertiggestrickten Pullover, aber auch bestickte Osterdecken verkauft sie in ihrem Laden.
Als Fünfjährige hat sie von ihrer Großmutter Stricken gelernt, danach hat sie sich die anderen Techniken selbst beigebracht: Topflappen häkeln, Teppiche knüpfen und Bilder sticken. "Ich mache alles, was man mit einer Nadel machen kann", sagt Alten, die jeden Tag etwas Selbstgemachtes trägt. In ihrem Haus hinter dem Laden hängen Tapisserien – jedes Wohnzimmerkissen und jeder Stuhl wurden von ihr gemacht.
Hobby zum Beruf gemacht
In dem Haus an der Marktstraße 11 befand sich auch schon 1928 ein Handarbeitsgeschäft. Sie selbst bezog am 1. September 1960 zunächst ein Ladenlokal in unmittelbarer Nachbarschaft, in Nummer 31. 1974 wechselte sie dann in das neue Geschäft an der Marktstraße 11. Als sie sich 1960 selbstständig machte, sich entschied, ihr Hobby zum Beruf zu machen, war ihr Sohn gerademal ein halbes Jahr alt. Das Unternehmen glückte, "auch wenn ich am Anfang nie gedacht hätte, dass ich das Geschäft so lange halten würde". Inzwischen ist sie 73 Jahre alt und will den Laden noch lange führen. Sie würde sich wünschen, dass sich in Lobberich neue Fachgeschäfte etablieren würden. Sie selbst vermisst zum Beispiel ein gutes Wäschegeschäft. Alten: "Wir wollen junge Familien anlocken, also sollte es auch alle Angebote vor der Haustür geben."
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