Nettetal: Am Auslöser der Geschichte
VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 30.01.2010Nettetal (RPO). Das Archiv von Hans Goertz ist ein Fundus persönlicher Momente und geschichtlicher Ereignisse der Stadt. Goertz hat seit 1958 alle Negative aufbewahrt. 1970 fotografierte er den ersten Stadtprinzen, Schulkinder und Schützenfeste.
Eine lange Reihe geduldig wartender Kinder schlängelt sich um das Haus von Familie Goertz. Die Mädchen tragen weiße Kleider, die Jungen ihren ersten Anzug. Direkt nach der Messe kommen die Kommunionkinder am Palmsonntag 1970 ins Fotostudio, um ein Erinnerungsbild machen zu lassen. Bis zu zwei Stunden warten sie, bis sie an der Reihe sind. "In den 70ern haben wir zwischen 200 und 250 Kommunionkinder an zwei bis drei Tagen fotografiert", erinnert sich Hans Goertz. Seine Ehefrau Liesel führte das Auftragsbuch, empfing die Kinder und schrieb die Namen fein säuberlich in ein Buch.
Vom Vater übernommen
1976 übernahm Hans Goertz das Fotohaus von seinem Vater Johannes, der das Geschäft 1930 zusammen mit seinem Bruder Hubert gründete. Kaum ein Beruf habe sich seitdem so sehr verändert wie der des Fotografen, ist sich Goertz sicher. Digital statt analog, Bildbearbeitung am PC statt Retuschieren der Negative, Druckstationen statt Labore. "Ich bin immer beweglich geblieben", sagt der 63-Jährige – sein Rezept für ein erfolgreiches Geschäft. Seit 2000 arbeitet er mit der digitalen Technik – jedoch habe er die analoge Fotografie nicht aufgegeben. Für Passbilder nutzt er das digitale Verfahren, für besondere Aufnahmen, wie Familienbilder oder Hochzeitsfotos greift er gerne auf seine ältere Ausrüstung zurück.
Die Nettetal-Serie
Weiß du noch? Anlässlich des 40. Geburtstags der Stadt Nettetal spürt die Rheinische Post in einer Artikelserie den Akteuren dieses Neubeginns nach. Wir stellen Inhaber geführte Geschäfte vor, die es schon 1970 gab und die 2010 noch immer das Geschäftsleben in Nettetal prägen.
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Hans Goertz hat fast alles dokumentiert, was in der Stadt im Laufe der Jahrzehnte passiert ist. Er ist nicht nur Inhaber eines Fotofachgeschäfts, er war lange Jahre auch Zeitungsfotograf und somit Chronist. Er hat bei Schützenfesten, beim Karneval, bei Einweihungen und Ehrungen fotografiert. Und in seinem Fotostudio hat er Beziehungen festgehalten, wichtige persönliche Momente: gerade geborene Babys, geliebte Tiere, frisch verliebte Paare, große Familien. Seit 1958 hat er kein einziges Negativ weggeworfen, alle Filmstreifen befinden sich im Archiv, ebenso wie Auftragsbücher und Schwarz-Weiß-Fotos.
1970 – das Gründungsjahr der Stadt Nettetal – verbindet der damals 24-Jährige mit den Vorbereitungen auf die Meisterprüfung, die er 1971 in Hamburg ablegte. Er war gerade vom Bund zurückgekehrt, wo er ebenfalls als Fotograf arbeitete und viele Luftaufnahmen machte. Im elterlichen Geschäft sammelte er seine ersten fotografischen Erfahrungen, die Fotografie wurde zum Hobby, dann zum Beruf.
Mit den Stadtrechten verbindet Goertz die Umbenennung vieler Straßen. Die Bahnstraße, an der sich das Geschäft befand, wurde im Zuge der Neugliederung umbenannt in Josefstraße, weil es bereits in Kaldenkirchen eine Bahnhofstraße gab. 1970 hat Goertz auch als das Jahr in Erinnerung, als der letzte Lehrling die Ausbildung abschloss. 1970 machte er die Aufnahme des ersten Stadtprinzen und 1970 löste die Color-Fotografie die Schwarz-Weiß Fotografie ab.
Das Familiengeschäft läuft noch immer sehr gut – auch wenn Bilder, wie die lange Schlange von Schulkindern an ihrem ersten Schultag oder Kommunionkinder am Tag ihrer Kommunion, einer anderen Zeit anzugehören scheinen. "Die Anfragen haben sich verändert", sagt Goertz. Das Tagesgeschäft werde heute bestimmt von Kunden, die Passfotos oder Bewerbungsbilder benötigen. Doch immer noch wüssten viele Qualität zu schätzen, und ließen besondere Anlässe von einem professionellen Fotografen festhalten – diese Momente wiederum freuen Hans Goertz besonders.
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