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Nettetal: Andere attraktiv machen Schluchzende Eltern

VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 28.02.2009

Nettetal (RPO). Bildung wird in Nettetal verlost

Schuldezernent Armin Schönfelder setzt darauf, dass die Landesregierung die Hauptschule in den kommenden Jahren deutlich attraktiver macht. Dies werde den Schulausschuss schon bald beschäftigen, sagte er gestern.

Der Erste Beigeordnete berief sich darauf, dass im Vorfeld des neuen Schulentwicklungsplans die Gesamtschule nur von 28 Prozent der befragten Eltern als "Wunschschule" genannt worden sei. Diese Quote entspreche dem tatsächlichen Aufnahmevermögen. Sehr zurückhaltend beurteilt Schönfelder auch den Wunsch der Gesamtschule, die Oberstufe zu erweitern. Das sei ohne Anbau nicht möglich, außerdem sehe er "in der aktuellen politischen Landschaft" dafür keine Chance.

Sollte dem Elternwillen nachgegeben werden, müsse man auf die Folgen schauen. "Was bedeutet das für Haupt- und Realschule? Ich fürchte, die Hauptschule geht ein, wenn man diese Tür endgültig öffnet", erklärte er. Allerdings könne er sich auch nicht der Tatsache entziehen, dass die Anmeldezahlen für die Gesamtschule weiterhin unverändert hoch seien. Gerade darum bemühe sich die Stadt auch, die anderen weiterführenden Schulen attraktiver zu gestalten.

Nettetal (lp) Roland Schiefelbein sieht sich in diesen Tagen wieder mit viel Emotionen konfrontiert. Schluchzende Eltern und Kinder stehen in seinem Büro, weil sie nicht fassen können, abgewiesen zu sein. "Ich kann das voll und ganz nachvollziehen. Mir tun die Menschen sehr leid", sagt er.

Schieflbein bleibt keine Wahl. Er darf nur begrenzt Schüler aufnehmen. Es trifft mittlerweile auch Bewerber für die Oberstufe. 60 Schüler darf in den beiden Zügen aufnehmen. In diesem Jahr bewarben sich 90 Schüler anderer Schulen, um hier das Abitur zu machen. Die meisten musste Schiefelbein wegschicken.

Der Schulleiter hält sich streng an die gesetzlich festgelegten Aufnahmekriterien: Zeugnisnoten, Schulformzuweisung der abgebenden Schule, mitgeliefertes Gutachten und das persönliche Gespräch. Er könnte eigene Kriterien hinzufügen, verzichtet aber darauf, weil sie vermutlich vor Gericht nicht standhielten. Schiefelbein muss "Leistungsheterogenität" herstellen: Jeweils ein Drittel Schüler muss Leistungen mitbringen, die für Gymnasium, Real- oder Hauptschule reichen. Die Plätze an seiner Schule werden danach ausgelost. "Das ist sehr bitter", sagt Schiefelbein.

Wie lange noch will die Stadt den Willen von Eltern bei der Wahl einer Schulform missachten? Innerhalb von zehn Jahren hat Nettetal etwa 1000 Kindern und annähernd 2000 Eltern den Weg in die Gesamtschule verbaut. Die Dramen, die sich in weit über tausend Familien abgespielt haben, müssten den dafür Verantwortlichen in der Stadt seit Jahren schlaflose Nächte bereiten. Es ist erstaunlich, wie ruhig Eltern dies bisher hingenommen haben und wie geschickt es der Stadt bisher gelang, das Thema unter den Teppich zu kehren.

Es geht nicht darum, Schulformen gegeneinander auszuspielen. Es geht schlicht darum zu begreifen, dass Eltern selbst bestimmte Kriterien für die Zukunft ihrer Kinder entwickeln. Die fünf Frauen, die sich gegenüber der RP geäußert haben, wollen für ihre Kinder Misserfolge vermeiden. Sie wollen, dass ihre Kinder Abschlusszeugnisse erhalten, mit denen sie sich nicht hinten anstellen müssen. Sie möchten, dass Schulstrukturen sich gesellschaftlichen Realitäten anpassen.

Einige Mütter erwägen zu prüfen, ob sie ihr Kind in Venlo an einer Schule anmelden können. Das wäre eine schallende Ohrfeige für Politik und Verwaltung in Nettetal. Hier muss man sich endlich der Frage stellen, ob man eine zweite Gesamtschule gründet. Eltern von Kindern, die jetzt die dritten Schuljahre besuchen oder jünger sind, sollten klar wissen, dass über das Bildungsschicksal ihrer Kinder in dieser Stadt weiterhin gelost wird. Ein gruseliger Gedanke.

Quelle: RP

 
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