Nettetal: Architekt für einen Tag
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 09.09.2009Nettetal (RPO). Ins Berufsleben schnupperten gestern fast 700 Schüler beim "Tag der offenen Tür in Nettetaler Betrieben", organisiert von der Wirtschaftsförderung. So etwa im Architekturbüro und beim Herrenmodenausstatter.
Im Empfang des Lobbericher Architekturbüros Güldenberg, Holthausen, Houben und Ketels ist es voll geworden. Neun Schüler der Nettetaler Real- und Gesamtschule sind gerade einmarschiert und schauen sich neugierig um. Auf Tischen liegen jede Menge großflächige Pläne und inmitten dieser Papiermassen stehen zwei Modelle. Doch das alles rückt erst einmal in den Hintergrund, denn Architektin Sabine Houben stellt sich und das Büro kurz vor, um danach erst einmal auf die Ausbildung bzw. das Studium zur Architektur einzugehen. "Schließlich muss man wissen, wie lang es in der Regel dauert und was einen erwartet", lacht sie. Dann rückt das erste Modell in den Vordergrund, unschwer als das des Hauses zu erkennen, in dem das Büro selber untergebracht ist.
Das Projekt
Idee Die Zahl der teilnehmenden Schüler schoss kurzfristig auf fast 700 hoch. Grund: auch das Berufskolleg machte mit. 65 Firmen machten gestern mit. 31 Branchen waren vertreten.
Der Tag Die Schüler waren von 9 bis 14 Uhr unterwegs. Vorab legten sie fest, welche Firmen sie besichtigen wollten.
Orientierung ist gefragt
"Wo seid ihr gerade hereingekommen?", möchte Houben von den Neuntklässlern wissen. 18 Augen nehmen das Modell genauer ins Visier. "Eindeutig hier", sagt Hannah und tippt auf eine der Hausseiten. Die 14-Jährige liegt richtig und damit ist Houben schon mittendrin in den Erklärungen, warum Modelle für einen Architekten äußerst wichtig sind und dass es Architekten gibt, die sich rein mit dem Bau von Modellen beschäftigen. Das war den Schülern bis dato unbekannt.
Schritt für Schritt erklärt die Fachfrau mit Hilfe der ausliegenden Pläne die Abläufe, die ein jedes Gebäude durchläuft, bevor es irgendwann einmal fix und fertig an Ort und Stelle steht. Besonders interessant wird es am Beispiel der Mensa des Werner Jaeger Gymnasiums, die vom Lobbericher Architekturbüro gebaut wird.
"Das ist spannend. Was alles dazu gehört, wie viele Pläne benötigt werden, das hätte ich mir nicht so gedacht", meint Kevin (15), der die Realschule besucht. Dem können sich Hannah (14) und Caroline (15), beides Neuntklässlerinnen der Gesamtschule, nur anschließen. "Hier erfährt man wirklich realistisches über den Beruf. Zwar sehr komprimiert, aber auch sehr informativ. Ich finde es überhaupt gut, dass es diesen Tag gibt und wir die Chance haben, zwei Berufe hautnah zu erleben", urteilt Hannah. Neben dem Architekturbereich schaut sich die 14-Jährige an diesem Tag auch in einem Restaurant um. Die ein Jahr ältere Iris zieht es dagegen als zweiten Berufsschnupperbesuch ins Krankenhaus.
Die Pläne richtig lesen
Mittlerweile ist Architektin Houben bei den Erklärungen zu den so genannten Ausführungsplänen angekommen. "Diese zeigen den Handwerkern, wo Türen und Fenster hineinkommen, wie dick Mauern sein müssen, kurzum alles was er wissen muss, um entsprechend unserer Vorgaben zu arbeiten", erklärt die Fachfrau.
Aber nicht nur Theorie ist angesagt. Ein Baustellenbesuch gehört ebenfalls zur Architekturerfahrung dazu. Es geht zur Färberstraße, wo sich 20 Seniorenwohnungen im Rohbau befinden. Das, was auf dem Papier vorab zu sehen war, nimmt hier bereits Realität an.
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