Nettetal: Aus fünf mach' eins: Nettetal
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 16.12.2009Nettetal (RPO). Nach heftigem Tauziehen beschloss der NRW-Landtag am 16. Dezember 1969 das Gesetz zur Neuordnung des Kreises Kempen-Krefeld und schuf damit die Grundlage zur Bildung der Stadt Nettetal.
Neuordnung
Anstoß Den ersten Vorschlag machte Oberkreisdirektor Rudolf H. Müller zum Nikolaustag 1966. Drei Jahre später wurde das Gesetz beschlossen.
Ergebnis Viersen, bis dahin kreisfreie Stadt, kam in den Kreis, vergrößert um Dülken, Süchteln und Boisheim; Schwalmtal (Amern und Waldniel); Brüggen (mit Bracht); Grefrath (mit Oedt); Kempen (mit Hüls, St. Hubert, Schmalbroich); Tönisvorst (St. Tönis und Vorst); Willich (mit Anrath, Neersen und Schiefbahn). Osterath und das Amt Lank wurden ausgegliedert.
Kreisreform 1975 kam Niederkrüchten (mit Elmpt) in den Kreis Viersen, Hüls zu Krefeld.
Die dritte Kerze am Adventskranz scheint den Landespolitikern vor 40 Jahren die Erleuchtung gebracht zu haben. Nach Wochen des Hin und Her beschloss der Landtag am Düsseldorfer Schwanenspiegel doch noch rechtzeitig das Gesetz zur Neuordnung des Kreises Kempen-Krefeld, so dass es pünktlich zum 1. Januar 1970 in Kraft treten konnte. Aus ehemals 32 Gemeinden wurden neun.
Eine davon war Nettetal, gebildet aus Breyell, Hinsbeck, Kaldenkirchen, Leuth und Lobberich.
Danach hatte es kurz vorher nicht ausgesehen. Die CDU-Fraktion wollte Hüls nicht mehr nach Kempen eingliedern, sondern Krefeld zuschlagen. Doch da machten SPD und FDP, die die Regierung bildeten, nicht mit. Andererseits liebäugelte die FDP mit einer Zuordnung von Büderich zu Düsseldorf. Doch auch hier blieb es beim Votum für Meerbusch, gebildet aus dem Amt Lank, Osterath und Büderich – zugeordnet dem Kreis Grevenbroich.
Die Einsicht befördert hat wohl auch ein "eindringlicher Brief" des Landrats Lambert Maassen (Kaldenkirchen) an Ministerpräsident Heinz Kühn, in dem er vor einer Abwertung der bisher geleisteten Arbeit warnte und auf verfassungsrechtliche Komplikationen aufmerksam machte.
Ärger in Lobberich
Unzufrieden war man auch in Lobberich. Bürgermeister Hein Nicus gefiel der Vorschlag des Ausschusses für Verwaltungsneuordnung nicht, die neue Stadt im Grenzland "Nettetal" zu nennen und nicht, wie gewünscht, "Seenstadt". Sah Nicus diese Haltung nicht im Einklang mit den "demokratischen Gepflogenheiten", so fuhr der FDP-Ratsherr Karl van Kessel starkes Geschütz auf: "Ich habe angenommen, dass die Zeiten der Diktatur endgültig erledigt sind."
Nur CDU-Ratsherr Karl Reulen, der später zum ersten Bürgermeister Nettetals gewählt wurde, hielt "Seenstadt" für "nichtssagend". Aus den Debattenbeiträgen konnte man aber auch heraushören: "Hätten wir mit Lobberich operiert, wären wir durchgekommen."
Nach dem Beschluss aus Düsseldorf konnten die Stadt- und Gemeinderäte in den letzten Tagen vor Weihnachten noch ihre letzten Sitzungen abhalten. "Mit Stolz können wir alle an der historischen Wende des kommenden Geschehens auf ein Gemeinwesen zurückblicken, das sich zu einer echten Stadt entwickelt hat", stellte Hein Nicus fest und ließ anschließend Lobbericher Investitionswünsche absegnen, für die man nur 1,4 Mio. Mark Eigenkapital nötig habe.
Auch Kaldenkirchen hatte eine Zehn-Punkte-Wunschliste an die neue Stadt vom Kauf des alten Hauptzollamtes bis zur Erweiterung der Stadtwerke. Leuths Rat schlug vor, dass die demnächst zu bauende Turnhalle den Namen "Nettetal-Halle" erhalten solle.
Am 1. Januar 1970 war die ohnehin schon verlängerte Amtszeit der Stadt- und Gemeinderäte beendet, nun regierten die Beauftragten für Rat und Verwaltung, kurz "Kommissare". In Nettetal waren dies Hans-Herbert Rösges, Breyells letzter Bürgermeister, und Hans-Willi Güßgen, Lobberichs letzter Stadtdirektor. Gebildet wurde ein Beirat aus 14 Ratsherren, der aber nur beraten konnte. Neu gewählt wurde am 15. März.
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