Nettetal: Autokäufer halten sich zurück
VON ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 04.07.2008Nettetal (RPO). Die Automobilhändler haben mit sinkenden Absatzzahlen zu kämpfen. Die steigenden Benzinkosten und die Unsicherheit beim Thema Kfz-Steuer verunsichern die Kundschaft. Gefragt sind kleinere Autos und Aktionsangebote.
3,2 Millionen Autos
Juni Im vergangenen Monat wurden laut Verband der Automobilindustrie (VDA) in Deutschland 304 000 Autos neu zugelassen. Das ist ein Prozent mehr als im Vorjahr.
Halbjahr Im gesamten ersten Halbjahr 2008 wurden 1,63 Millionen Autos neu zugelassen (+ 4 %).
Prognose Der VDA rechnet für 2008 mit 3,2 Millionen verkauften Autos. Im vergangenen Jahr waren es 3,15 Millionen Fahrzeuge gewesen.
Axel Clemens dürfte den Oktober herbeisehnen. Dann kommt der neue VW Golf heraus. Das mit Abstand erfolgreichste Modell von Volkswagen wird dann auch im Lobbericher Autohaus Hölter, das Clemens leitet, die Kunden verstärkt anlocken.
Ein seltenes Bild anno 2008. Das ist es zumindest, wenn man den Automobilexperten des Landes Glauben schenken darf. Die prognostizieren der Branche ein extrem schlechtes Jahr. Hohe Benzinpreise, eine Inflationsrate bei rund drei Prozent und nicht zuletzt die Unsicherheit der Kunden bei der Frage nach der Kfz-Besteuerung ab 2010 hielten die Verbraucher von der Anschaffung eines Neuwagens ab. Die Absatzzahlen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) verheißen noch Optimismus (siehe Info), mancher Händler vor Ort aber blickt düster in die Zukunft.
„Hundsmiserable Laune“
„Die Kauflaune ist hundsmiserabel“, sagt Peter Trienes, Geschäftsführer des gleichnamigen Mazda-Autohauses in Breyell. Die Absatzzahlen lägen noch unter denen des Vorjahres, als die Mehrwertsteuer-Erhöhung die Kauflust bremste. Auch nebenan bei Mercedes Steffens spürt man die Kaufzurückhaltung. „Man merkt, dass die Leute weniger Geld haben“, sagt ein Verkäufer. „Und selbst die, die welches hätten, warten lieber noch ab.“
Etwas differenzierter betrachtet der Obermeister der Kfz-Innung des Kreises Viersen die derzeitige Situation. „Die Kunden setzen verstärkt auf Tageszulassungen oder andere Angebotsfahrzeuge“, sagt Richard Tendyck, der ein Volvo- und Nissan-Autohaus in Lobberich betreibt. Eine Kaufzurückhaltung beim Privatkunden hat aber auch er beobachtet. „Viele Leute sind einfach verunsichert“, sagt er angesichts der Diskussion um die künftige Regelung zur Kfz-Steuer. „Da muss die Politik möglichst schnell reagieren.“
Bis dahin studieren die Kunden die Modellpaletten der Autobauer ganz genau. „Die großen Modelle verkaufen sich nicht mehr so gut. Viele steigen auf kleinere und sparsamere Modelle um“, hat Peter Inderbiethen Senior vom gleichnamigen Peugeot- und Citron-Autohaus in Schaag beobachtet. Gebrauchtwagen werden zudem verstärkt nachgefragt. Derweil avancieren die Diesel-Fahrzeuge mehr und mehr zu Ladenhütern.
Das kann auch VW-Händler Axel Clemens bestätigen. „Früher waren 80 Prozent der verkauften Golf-Fahrzeuge Diesel“, erinnert er sich. „Das dreht sich allmählich um.“ Die generelle Kaufzurückhaltung, von der die Kollegen berichten, kann er nicht uneingeschränkt bestätigen. „Wir sind zufrieden. Mit VW liegen wir sechs Prozent im Plus, mit Audi knapp auf dem Vorjahresniveau.“
Stefan Berten, Geschäftsführer des BMW-Autohauses, berichtet ebenfalls von steigenden Umsätzen. „Die Renditen aber gehen zurück.“ Auch bei ihm seien inzwischen die kleineren Modelle, etwa der 1er, stärker gefragt. Zumindest, bis November der neue 7er kommt.
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