Nettetal: Bach statt Heavy Metal
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 05.09.2009Nettetal (RPO). Das neue Nettetaler Tanz- und Literaturcafé "Nettalica" startete im Rathaus mit klassischer Musik und einem Vortrag über alte und neue Straßennamen.
Zu langsamer Streichermusik von Johann Sebastian Bach sich bewegen, vier Schritte vor, einen zurück – da sind die Herrschaften über 50 doch etwas schüchtern, so dass Sabine Lichters sich mit sanftem Nachdruck vier Mittänzerinnen holen muss. Allerdings ist die Bewegungsfläche auch etwas klein geraten, denn rund 80 Personen füllen die Cafeteria des Rathauses in Lobberich.
"Wir sind überwältigt", bekennt denn auch Heidi Lappen, Sprecherin des "Nettalica"-Teams. Mit einem derart großen Zuspruch zur Premiere hatte niemand gerechnet. Dieser erfreut auch Bürgermeister Christian Wagner, weil das "mobile Café für alle über 50" aus dem neuen "Forum 50plus – aktiv" hervorgegangen ist, mit dem die Stadt ehrenamtliches Engagement wecken will. Die Devise "Ich möchte etwas für andere tun" ist seiner Ansicht nach auf fruchtbaren Boden gefallen, da sich noch weitere Gruppen gebildet haben, die die Begegnungsstätte Breyell unterstützen oder als Wander- und Stadtführer tätig werden wollen. Wagner ist "positiv überrascht über die gute Resonanz" und sieht die Seniorenpolitik der Stadt bestätigt, die sich nicht nur um die Hochaltrigen kümmere, sondern zunehmend den Personenkreis ab 50 und 60 Jahren mit einschließe.
Wieso Schwanenhaus?
Vor fünf Jahren hat der Lobbericher Buchhändler Fabian Matussek schon einmal über Straßen und ihre Namen in Nettetal gesprochen. Da daraus immer noch kein Buch geworden ist, liest er nun noch einmal aus dem Manuskript vor und verspricht: "Irgendwann wird es kommen." Das wäre durchaus sinnvoll, denn auf manchen Namen kann sich auch ein älterer Nettetaler heute oft keinen Reim machen. Woher kommt der Name Schwanenhaus für den Grenzübergang der einstigen B 7 nach Venlo? Was hat der Namen Bieth zu sagen? Von zahlreichen Straßen zeigt Matussek alte und neue Bilder. Unter denen vom alten Marktplatz Lobberich, der derzeit umgestaltet wird, ist auch ein Gemälde von August Erkens, das seine Tochter Renate Notz, eine der "Nettalica"-Initiatorinnen, zur Verfügung stellte.
Während mit der Theodor-Haan-Straße, benannt nach dem umtriebigen Breyeller Bau-Pastor Ignaz Theodor Haan (1835 bis 1915), im "Brückenhaus-Viertel" niemand etwas anfangen kann, sind die Namen Paul Terstappen (Breyeller Archivar und Dichter) und Dr. Martin (Gründer der Sequoia-Farm im Kaldenkirchener Grenzwald) doch mehreren Zuhörern bekannt. Dann aber muss Fabian Matussek ausführlich den Bootenkamp, den Jüütenbongert, den Schindackersweg und auch den Straßennamen An der Kleinbahn erklären.
Nichts Fetziges auf Lager
Dann wird an den Tischen bei Plätzchen, einer Tasse Kaffee oder einem Glas Mineralwasser noch geklängert, allerdings löst sich die Gesellschaft nach gut anderthalb Stunden allmählich auf. Getanzt wird nicht mehr, denn "etwas Fetzigeres", wie gefragt worden war, haben die Organisatoren zum Bedauern der Runde nicht auf Lager. Vielleicht kommt die US-Rockgruppe "Metallica" mit ihrem Heavy Metal demnächst zum Zuge.
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