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Nettetal: Baustelle Baubetriebshof

VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 29.09.2009

Nettetal (RPO). Die 57 Mitarbeiter der städtischen Einrichtungen haben ein hohes Maß an Leidensfähigkeit. Sie arbeiten in und mit Provisorien, die keineswegs wirtschaftlich sein können. Seit Jahren wird hier nur notdürftig repariert.

Würden Sie hier täglich die Toilette aufsuchen wollen? Foto: RPO
Würden Sie hier täglich die Toilette aufsuchen wollen? Foto: RPO

Wenn Jochen Wigger oder einer seiner Kollegen sich duschen möchten, müssen sie dazu nach Hause fahren und sich dort reinigen. "Wir haben hier keine Dusche", sagt der stellvertretende Leiter des Nettetaler Baubetriebshofs. Die Urinale haben keine Wasserspülung und sehen aus wie die Kulisse eines Films in den 1950er-Jahren (wenn man gutwillig ist). Mehr als 50 Mitarbeiter des Bauhofs warten sehnlichst auf ordentliche Arbeitsbedingungen und hygienisch zumutbare sanitäre Einrichtungen.

Seit Jahren bereits wird in der Stadt diskutiert, ob der Baubetriebshof ein neues Domizil bekommen sollte. Viele Pläne wurden geschmiedet und wieder verworfen. Kooperationen und Fusionen mit anderen Einrichtungen wurden beraten. Man hatte bereits Standorte in Breyell, Kaldenkirchen und auch in Lobberich (am heutigen Standort) für Neubauten erwogen. Doch nichts passierte.

Info

Fakten und Zahlen

Baubetriebshof Er ist Teil des Nettebetriebs und hat 57 Mitarbeiter, die im "grauen" und "grünen" Bereich (auch Friedhofswesen) tätig sind. Dazu kommen Tiefbau und der Hochbau sowie der Abwasserbetrieb.

Zukunft Struktur und Anforderungsprofil sind zu definieren, ehe ein Neubau errichtet wird.

Umständlich und ineffizient

Jetzt gibt es neue Hoffnungen für die Mitarbeiter. Der Wirtschaftsplan des Nettebetriebs hat die Planungskosten aufgeführt. Die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche ist zuversichtlich, dass in absehbarer Zeit eine Entscheidung für den künftigen Standort fällt und dann bald gebaut werden kann. "Es geht dabei nicht um die Unterbringung der Mitarbeiter, ihrer Werkstätten und des Geräts. Der heutige Zustand ist wirtschaftlich nicht vertretbar. Jeden Morgen und Abend müssen Fahrzeuge beispielsweise aufwändig rangiert werden, es gibt unendlich viele umständliche und unbefriedigende Abläufe."

Selbstironie im Bauhof. Foto: RPO

Das ist nett ausgedrückt. Der über hundert Jahre alte Industriebau, der den Baubetriebshof beherbergt, eignet sich bestenfalls zum schnellen Abriss. Provisorien gibt es, wohin man schaut. Werkräume ähneln schmuddeligen kleinen Kabuffs. Es grenzt an ein kleines Wunder, dass die Mitarbeiter klaglos diese Bedingungen hinnehmen. Da dienen selbst alte Schultische der Spielplatzkolonne als Unterlage für Arbeiten an Holzgeräten. Überall sind Verschläge geschaffen worden und selbst kleinste Räume für irgendeinen Zweck ausgefüllt.

Die Umkleideräume für 56 Mitarbeiter reichen vorne und hinten nicht. Einige müssen sich Spinde teilen. Im Aufenthaltsraum gibt es eine Spüle, von einer kleinen Küche träumt die Belegschaft nur. Die Beengtheit setzt sich in Lager- und Unterstellbereichen fort. Manches mutet abenteuerlich, anderes wagemutig an. Dennoch, vielleicht auch deswegen, herrschen Sauberkeit und Disziplin. Weil jedes freie Fleckchen konsequent genutzt wird, sind Gerät und Material penibel sortiert. "Man behilft sich irgendwie", sagt Jochen Wigger. Das stimmt wohl. Es lassen sich 50 Tonnen Streusalz für den Winterdienst einlagern, eine Notration in Säcken ist auf Paletten gestapelt. Schüttgüter und Steine liegen lose, mit Mühe verhindert die Belegschaft, dass das Umfeld verwahrlost. Der Solebehälter fürs Salzstreuen, ist unbrauchbar. Die Kollegen vom Landesbetrieb in Breyell helfen aus.

Nur hohes Improvisationsvermögen hat bisher verhindert, dass die aufgetragene Arbeit nicht mehr gemacht werden kann. KOMMENTAR/FRAGE DES TAGES

Foto
Ein Schilderregal im Baubetriebshof. Der stellvertretende Leiter Jochen Wigger mag über solche Ausrüstung nicht klagen: "Was wir brauchen ist da", sagt er. Kommentare zum Zustand der Arbeitsbereiche gibt er nicht ab. Foto: RPO
Quelle: RP

 
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