Nettetal: „Jugendamt gut für die Stadtentwicklung“
VON PHILIPP PETERS - zuletzt aktualisiert: 03.06.2008Nettetal (RPO). Die Frage, ob Nettetal ein eigenes Jugendamt erhalten sollte, erregt weiter die Gemüter. Bei einer Informationsveranstaltung der SPD äußerten sich mit Landesrat Michael Mertens vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) und dem Ersten Beigeordneten der Stadt Kamp-Lintfort, Dr. Christoph Müllmann, jetzt zwei Fachleute zum Thema – und verschafften der Partei Rückenwind.
Mertens, der seit 20 Jahren im Sozialbereich tätig ist, erklärte, dass nach der Gemeindeordnung ein eigenes Jugendamt schon in Gemeinden ab 20 000 Einwohnern möglich sei. Kamp-Lintfort etwa sei mit rund 40 000 Einwohnern vergleichbar mit Nettetal, wo bereits seit 1993 über ein eigenes Jugendamt diskutiert wird, stellte Mertens fest. In Städten der Größe Nettetals sei ein Jugendamt inzwischen üblich, „und die Zahl der Ämter im Rheinland wächst“. Mertens war auch von Bürgermeister Christian Wagner zur Konzeptentwicklung Nettetals befragt worden.
Ein Jugendamt benötige laut Mertens mindestens 15 Mitarbeiter: „Für Nettetal sind wir auf 21 gekommen.“ Diese Zahl habe auch Kamp-Lintfort, stellte Müllmann fest. Er erläuterte, welche Aufgaben die Stadt selber zu übernehmen habe, und dass es in bestimmten Kernbereichen Kooperationen mit Nachbarstädten gibt. In Kamp-Lintfort gilt das etwa für die Drogenberatung. „Ein eigenes Jugendamt ist aber auch für die Entwicklung einer Stadt interessant. Es kann in den Bereichen Planung, Schulen, Kultur oder Sport Vorschläge einbringen“, so Müllmann.
Bei einem eigenen Jugendamt bestehe aber immer auch die Gefahr, dass der Kreis am Ende der Verlierer sei. Zögen sich einzelne Städte zurück, müssten weniger Städte höhere Kosten tragen. Es stehe fest, dass der Jugendhilfeausschuss, der mit einem eigenen Jugendamt gebildet werden muss, auf Ebene der Stadt besser besetzt werden könne. „Eigentlich müssen Sie nur den Mut haben“, sagte Mertens am Ende.
Die CDU möchte das Thema um zwei Jahre verschieben – die SPD wird nun im Vorstand und in der Fraktion weiter beraten, um im Rat über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Enttäuscht zeigte sich die Partei über das mangelnde Interesse der Öffentlichkeit. „Kinder und Jugendliche scheinen wenige zu interessieren“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD, Hans Kettler, angesichts des schwachen Besuchs. KOMMENTAR
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