Nettetal: „Wenn alles gut geht, schaffen wir auch noch die 50“
VON FRANK SCHLIFFKE - zuletzt aktualisiert: 13.08.2008Nettetal (RPO). Axel Clemens blättert in zwei Personalakten. Dann sagt der 39-jährige Geschäftsführer des Autohauses Josef Hölter: „1. August 1968, da war ich noch nicht mal geboren.“ An diesem Tag, um 8 Uhr morgens, wie in den Akten steht, begann das Berufsleben für Helmut Opstals und Hans-Willy Nellessen. Inzwischen sind die beiden 54-jährigen Männer seit 40 Jahren für das Unternehmen tätig, „und wenn alles gut geht, schaffen wir auch die 50.“
Ein dünnes Blatt im Format DIN A5 umfasst der Lehrvertrag, wie er damals geschlossen wurde. Dazu das Protokoll einer ärztlichen Untersuchung jeweils am Anfang und am Ende der Lehrzeit. „Die Personalakten sind ziemlich dünn“, sagt Clemens. Mehr als die Hälfte des Umfangs entfällt auf die Ausbildung mit Berichten und schließlich dem Abschlusszeugnis. Helmut Opstals begann die Lehre im Werkstattbüro, wo er als Bürokaufmann auch die ersten fünf Jahre nach dem Ende der Ausbildung verbrachte. Zur Bundeswehr musste er nicht, „denn da war ich noch Niederländer“.
Zwar habe er schon immer in Deutschland gewohnt, die Nationalität aber hat er von seinem Vater geerbt. Einbürgern ließ er sich erst vor knapp 13 Jahren, „vorher war das viel zu teuer“. Seither kümmert er sich um die Neuwagendisposition, sorgt dafür, dass sowohl die Ausstellungsräume gefüllt sind als auch die Kunden ihre bestellten Autos wunschgemäß bekommen.
Rund 30000 neue Autos, rechnet Clemens schnell aus, hat Opstals bislang bestellt, „und ungefähr die gleiche Menge an Gebrauchten“. Als einschneidendstes Erlebnis nennt der Lobbericher die Zeit nach der Wende mit dem Untergang der DDR: „Plötzlich waren alle Autos weg, wir hatten keine zehn Gebrauchtwagen mehr auf dem Hof.“
Wenn an den Autos dann ein Schaden auftritt, kommt Hans-Willy Nellessen ins Spiel. Nach dreieinhalb Lehrjahren und der Bundeswehrzeit begann er im Teiledienst: „Der Altmeister wollte mich dort haben, weil ich eine leserliche Handschrift hatte.“ Im Teiledienst ist er geblieben, arbeitete zwischenzeitlich in den Betrieben in Dülken und Viersen und jetzt wieder in Lobberich an der Ausgabetheke.
Oldtimer-Spezialist
Im Haus ist der gebürtige Hinsbecker der „Oldtimer-Spezialist“. Sein erstes Auto war ein Käfer. „Damals gab es von VW vier verschiedene Autos und etwa 20000 Teile. Heute sind es über 40 Modelle mit einer Million Teile.“ Das lasse sich nur noch mit Hilfe des Computers bewältigen. Wie sein Kollege Opstals wird auch der Lobbericher Nellessen bald mit dem Auto zur Arbeit pendeln: Hölter verlegt seinen VW-Betrieb demnächst von Lobberich aus endgültig nach Dülken. Und die Mitarbeiter ziehen mit. Clemens: „85 Prozent unserer Beschäftigten haben wir im eigenen Haus ausgebildet.“
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