Nettetal: Beichte auf evangelisch
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 21.01.2009Nettetal (RPO). Katholiken tun's. Prostestanten eher selten: Beichten. Das ändert sich in der evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck: Pfarrer Dr. Engelke bietet ab Monatsende Gelegenheit zum Bekenntnis. Absolution inklusive.
Es ist Angebot fürs Seelenheil und eine Premiere: Gelegenheit zur Beichte bietet Pfarrer Dr. Matthias Engelke den Gemeindegliedern der evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck ab 30. Januar jeweils freitags ab 17 Uhr. "Es gibt ein Bedürfnis in der Gemeinde", ist Pfarrer Engelke überzeugt. Denn Beichten sei keine rein katholische Angelegenheit. "In der lippischen Landeskirche wird es oft praktiziert", so Dr. Engelke. Auch in der evangelisch-reformierte Kirche ist das Bekenntnis mit Absolution bekannt, wenn auch selten praktiziert. "Für Katholiken ist es selbstverständlich, für Protestanten nicht so üblich", sagt Pfarrer Engelke.
Beichte
Definition Beichte, lateinisch confessio, ist das Eingestehen einer schuldhaften Verfehlung.
Möglichkeiten In der evangelischen Kirche wird neben der Beichte unter vier Augen auch die "allgemeine Beichte" während eines Gottesdienstes angeboten.
Platz nehmen, zur Ruhe kommen
Aber nicht alles, was unüblich ist, muss es auch bleiben. Was den Katholiken der Beichtstuhl ist, ist den evangelischen Christen in Pfarrer Engelkes Gemeinde der Stuhlkreis. Dafür wurde in der evangelischen Kirche in Lobberich an der Steegerstraße bereits umgeräumt: Im hinteren Teil stehen Stühle im Kreis. In der Mitte steht ein Tisch, darauf eine Kerze. Gebetstexte liegen zur Einstimmung bereit. An diesem Ort sollen die an der Beichte Interessierten zusammenkommen. "Platz nehmen, um zur Ruhe zu kommen", lautet Pfarrer Engelkes Einladung. "Wenn gewünscht, können Einzelne im geschützten Bereich mit mir ein Gespräch führen", erklärt er. Hierfür steht die Sakristei zur Verfügung. Der Gottesmann bietet mit dem Beichtgespräch Zuspruch und Vergebung an. Eine Buße erlegt er den Beichtenden – anders als seine katholischen Amtskollegen – nicht auf.
Buße bedeutet Umkehr
"Die evangelische Auffassung definiert Buße als Umkehr", erläutert Dr. Engelke. "Sie ist eine Frage der Lebenshaltung." Die Beichte sei ein Beitrag zur Psychohygiene. Außerdem habe sie einen Hoffnung spendenden Aspekt. Pfarrer Engelke formuliert die mit ihr verbundene Botschaft so: "Ich darf neu anfangen, indem ich jemandem etwas anvertraue, und es erfährt niemand." Theoretisch kann jeder evangelische Christ auch jedem anderen Mitchristen etwas beichten. Allerdings sind dann weder Vertraulichkeit noch das Zeugnisverweigerungsrecht vor Gericht gewährleistet. Wie groß die Resonanz seiner Gemeinde auf dieses für evangelische Christen ungewöhnliche Angebot sein wird, vermag der Pfarrer nicht vorherzusagen. Er möchte dem Novum in seiner Gemeinde Zeit lassen, sich zu verankern. Jeden Freitag, wenn Gelegenheit zur Beichte auf evangelisch ist, wird der Pfarrer mit einem Aufsteller draußen vor der Kirche daran erinnern. "Mal schauen, wie das Angebot angenommen wird."
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