Nettetal: Beste Ernte seit 30 Jahren
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 21.11.2009Nettetal (RPO). An den Feldern lagern derzeit riesige Rübenberge. Ende des Monats werden sie abgeholt und weiterverarbeitet. Die hiesigen Landwirte freuen sich zwar über einen Rekordertrag in diesem Jahr, mehr Geld erwarten sie dennoch nicht.
Die Zuckerrübe
Geschichte Die Zuckerrübe entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch Züchtung aus der Runkelrübe. Die Pflanzen mit dem höchsten Zuckergehalt wurden selektiert.
Boden Rüben brauchen einen tiefgrundigen, frischen Boden mit hohem Nährstoffgehalt. Am besten eignen sich Lehm- und Lössböden, ungeeignet sind trockene Sandböden, zähe Tonböden und alle flachgrundigen, nassen Bodenarten.
So etwas hat Heinz Zanders noch nie erlebt. Der Lobbericher Landwirt bewirtschaftet rund sechs Hektar mit Zuckerrüben. "Seit ich das mache, also seit mehr als 30 Jahren, habe ich noch nie so eine gute Ernte erlebt", sagt der 57-Jährige.
Er meint damit sowohl Qualität als auch Quantität seiner Zuckerrückenernte. Rund 30 Prozent mehr hat er geerntet. Das sind rund 90 Tonnen pro Hektar. Die meisten seiner rund 50 Kollegen in Nettetal machen ähnliche Erträge. Schon der Fahrer der Ernte-Maschine habe beim Roden bemerkt, wie viele Pflanzen sich im Boden befinden. "Der musste deutlich langsamer fahren, um alle rauszuholen", sagt Zanders.
In der nächsten Woche bringen die Landwirte die riesigen Rübenberge, wie sie derzeit an den Feldern zu sehen sind, nach Appeldorn bei Kalkar, wo sich eine der drei Zuckerfabriken im Rheinland befindet. Das passiert stets nach einem ausgeklügelten Lieferplan, oftmals rund um die Uhr. "Nur so können die Fabriken kontinuierlich Rüben verarbeiten", sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft, Heinz-Josef Tölkes.
Besonders süß
Aber bei der Rübe macht's nicht nur die Masse: "In diesem Jahr sind die Rüben sehr süß", sagt Tölkes. Normalerweise liegt der Zuckeranteil bei 16 Prozent. Diesmal sind es 18 und mehr. Grund für die Rekordernte sind die für Rüben optimalen Wetterbedingungen. "Es hat alles gepasst. Es war ein strammer Winter, der Boden war hoch durchgefroren", erzählt Tölkes.
Danach sei die Saat gut aufgegangen und durch das milde Wetter im Frühjahr seien die Rüben "gewachsen wie der Teufel". Dabei sah es im September kurz doch nicht nach einer guten Ernte aus: "Der Boden war so dicht, dass die Wurzeln abgerissen sind", erklärt Tölkes. Das Problem haben die Landwirte nun nicht mehr. Die Rüben sind aus dem Boden geholt, der erste Frost kann kommen.
Dann ist aus den Nettetaler Rüben schon Zucker aller Art geworden: Würfel- und Puderzucker oder etwa Kandis. Ein kleiner Teil wird zu Bioethanol und damit unter anderem zu Sprit verarbeitet.
Trotz der Rekordernte rechnen die Landwirte aber nicht mit höheren Gewinnen: "Ist der Zuckeranteil höher, darf ich nur weniger liefern", erklärt Zanders. Dahinter steht, ähnlich wie bei der Milch, eine Quotenregelung der EU. Knapp 30 Euro gibt's pro Tonne.
Drei Prozent des Wertes können die Landwirte als "Trockenschnitzel" zurückbekommen. Das sind die Reste ohne Zucker, die kleingeschnitten – geschnitzelt – werden und als Viehfutter zurück zu den Landwirten gehen. Auch für die Endverbraucher werde der Zuckerpreis trotz der Super-Ernte nicht sinken, ist Zanders sicher.
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