Nettetal: Bester Auszubildender geehrt
VON CHRISTINA WAGEMANNS - zuletzt aktualisiert: 23.12.2010Nettetal (RPO). Der Gießereimechaniker Tobias Gisbertz wurde jetzt von der Industrie- und Handelskammer als einer von 229 herausragenden Azubis der rund 80 000 in NRW ausgezeichnet. Er gehört zu den drei besten Metallgießern im Land.
Mit Bedacht setzt Tobias Gisbertz die einzelnen Komponenten in die Gießmaschine ein und drückt auf den Startknopf. Über 600 Grad heißes Aluminium schießt per Druck in die Hohlräume und härtet innerhalb von wenigen Sekunden aus. Fertig ist ein Bauteil eines Kühlers. Doch darf es keine Blasen oder winzige Löcher aufweisen. "Gießen ist eine Kunst", sagt Tobias Gisbertz mit leuchtenden Augen. "Bereits die kleinste Beeinflussung macht das Komponente unbrauchbar – da reicht ein Wetterumschwung."
Der 19-jährige Lobbericher beendete im Mai seine Ausbildung zum Gießereimechaniker im Nettetaler Pierburg-Werk. Jetzt wurde er von der Industrie- und Handelskammer für seine sehr gute Leistung ausgezeichnet. Somit gehört er zu den 229 besten Auszubildenden von insgesamt rund 80 000 in Nordrhein-Westfalen. Darunter befinden sich gerade einmal drei Gießereimechaniker.
Die Firma
Mitarbeiter Rund 400 Mitarbeiter arbeiten im Nettetaler Werk.
Azubis Zurzeit werden 21 Auszubildende in Lobberich ausgebildet.
Ausbildung Im ersten halben Jahr lernen die Azubis Grundlagen wie bohren, feilen, sägen. Dann geht es an die "Front", damit sich die nächste Generation so früh wie möglich in den Alltag integrieren kann.
Es liegt im in den Genen
"Das ist ein schönes Gefühl", sagt der 19-Jährige, der seine Ausbildung um ein halbes auf drei Jahre verkürzen konnte, stolz. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Prüfung so gut klappt. Ich war am Anfang sehr nervös und hektisch." Aber er erreichte 92 Prozent in der Theorie, goss im praktischen Teil souverän die vorgegebene Komponente für einen Kühler, verschraubte Rohre zu einem geschlossenen System und konnte an mangelhaften Produktionen die Fehler sofort benennen. Gesamtnote: Sehr gut.
Die Arbeit scheint ihm im Blut zu liegen – oder besser gesagt in den Genen. Denn bereits sein Großvater Günther Gisbertz arbeitete in der Metallverarbeitungsbranche als Werkzeugmechaniker – ebenfalls bei Pierburg (damals noch Rokal). Und mit seinem Vater Ralf, einem gelernten Kfz-Mechaniker schraubte der Lobbericher bereits als Kind an Autos herum oder half bei Gartenausbaumaßnahmen. "Handwerkliches hat mir immer schon Spaß gemacht", berichtet der Metallgießer.
Deshalb bewarb sich Gisbertz 2006 beim Automobilzulieferer und absolvierte ein Praktikum als Werkzeugmacher. Dies gefiel ihm so gut, dass er sich für eine Ausbildungsstelle bewarb. "Wir hatten damals keinen Platz als Werkzeugmacher frei, boten ihm aber an, ihn als Gießereimechaniker auszubilden", erinnert sich Ausbildungsleiter Rainer Lutz. Ein glücklicher Schachzug, über den der 19-Jährige nun sehr froh ist. "Es ist immer wieder faszinierend, dass man aus einer formlosen Masse, einem Nichts, so viele Dinge herstellen kann", erläutert er seine Begeisterung an seinem Beruf.
Pierburg übernahm Tobias Gisbertz im Mai, zurzeit arbeitet er im Bereich der Instandsetzung. Darüber hinaus besucht er für vier Jahre die Technische Abendschule in Mönchengladbach, um sich als staatlich geprüfter Techniker weiterbilden zu lassen.
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