Nettetal: Bilder im Buchenwald
VON KATHARINA SCHMÜLLING - zuletzt aktualisiert: 30.09.2010Nettetal (RPO). Der Nabu will den Höhenzug zwischen Süchteln und Hinsbeck aus landeskulturellen Gründen unter Naturschutz stellen. Der Grund sind die außergewöhnlichen Kopfbuchen. Zu ihnen gibt es jetzt in Hinsbeck eine Ausstellung.
Wer den Mühlenheuweg Richtung Dornbusch entlang kommt und seine Umgebung mit offenen Augen wahrnimmt, der kann sie gar nicht verpassen: Sie sehen geheimnisvoll aus, manch einer erkennt in ihrer verästelten oder gar verschnörkelten Form sogar eine Figur, ein Gesicht – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Gemeint ist die Kopfbuche, eine Rotbuche, die zur Kopfbuche zurückgeschnitten wurde. Günter Wessels vom Nabu Viersen spricht von "historischer Niederwaldbewirtschaftung". "Seit Jahrhunderten besteht diese besondere Tradition", sagt er, und meint die Beschneidung des Kopfes der prächtigen Bäume. "Sie dürfen nicht komplett geschnitten werden, denn dann gehen die 200 bis 300 Jahre alten Bäume kaputt." Die oft geheimnisvollen Bilder im Buchenwald entstehen übrigens dadurch, dass die Schnittstellen immer wieder überwachsen.
Tagung
Thema Mittelalterliche Baumkultur am Niederrhein
Termin Samstag, 30. Oktober, bis Montag (Feiertag), 1. November
Inhalte Es gibt Vorträge und Ausflüge.
Vorträge widmen sich unter anderem den Themen "So war das früher im Buchenwald beim Dornbusch" oder "Käfer der Kopfbäume".
Die Tagung ist gleichzeitig eine Exkursion der Deutschen Dendologischen Gesellschaft (DDG).
Der Nabu Viersen will die Kopfbuchen unbedingt erhalten. "Darum müssen wir uns jetzt kümmern, denn in den nachfolgenden Generationen kann es schon zu spät sein", sagt Wessels. Deshalb wil der Nabu die Süchtelner Höhen auf dem Höhenzug zwischen Viersen und Hinsbeck aus landeskulturellen Gründen unter Naturschutz stellen. Der Nabu um Günter Wessels hat sich deshalb verschiedene Projekte ausgedacht, um auf sein Anliegen aufmerksam zu machen.
Hannelore Sontowski ist Nabu-Mitglied, aber sie ist auch Künstlerin und lernt an der Kunstakademie in Mönchengladbach. Sie konnte eine kleine Gruppe von Schülern im Alter von zehn bis 78 Jahren der Kunstakademie gewinnen, sich malerisch mit dem Thema "Kopfbuche" auseinander zu setzen. "Dazu habe ich Fotos von Kopfbuchen gemacht und sie mit in die Akademie genommen", sagt sie. Entstanden sind 16 Gemälde auf Leinwand in Öl, die ab sofort und noch bis zum 7. November während der normalen Öffnungszeiten des Infozentrums der Biologischen Station Krickenbecker Seen zu sehen sind. Sontowski selbst hat auch gemalt. In einer ihrer Kopfbuchen ist zum Beispiel auf den zweiten Blick viel mehr zu erkennen, als die Verästelungen des Baumes: Zum Beispiel ein Gesicht oder der Rücken einer Frau. "Die Kopfbuchen haben mich inspiriert", sagt die Naturschützerin.
Auch Rena Thiel hat sich künstlerisch mit den Kopfbuchen auseinander gesetzt. Ihr Bild hat kräftige Farben. "Es ist so faszinierend all die Verwachsungen zu sehen", sagt sie. Neben den Gemälden sind in der Biologischen Station auch Schautafeln zu sehen. Sie erklären die seit dem Mittelalter bekannte Tradition der Kopfbuchen und zeigen, wo sie in der Region noch in der Natur zu bewundern sind.
Bis zum 7. November ist die Ausstellung mittwochs bis sonntags 11 bis 18 Uhr zu sehen.
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