Nettetal: Blumen gegen Smog
zuletzt aktualisiert: 11.09.2009Nettetal (RPO). Artenvielfalt in der Natur verbessert das Klima in den Städten. Naturschutz fördert den Tourismus. Heinz Tüffers, Vorsitzender des Nabu-Ortsverbandes Nettetal, erklärt, wie Mensch und Stadt vom Einsatz vergleichsweise geringer Mittel profitieren.
Er sät Blumenwiesen und sorgt dafür, dass Nettetal noch schöner wird. Als passionierter Umweltschützer treibt Heinz Tüffers nicht nur die Ästhetik fürs Auge um. Er will die Natur im Gleichgewicht sehen, und wenn nötig sorgt er dafür, dass sie ihre Balance wiederfindet. Damit werden nicht nur Lebensräume für Pflanzen und Tiere gesichert, sondern auch das Überleben des Menschen. Heinz Tüffers erklärte Angelika Ritzka, warum die Zukunft grün sein muss.
Herr Tüffers, wird in Nettetal genug für Natur- und Umweltschutz getan?
Tüffers Jein. Die Stadt bemüht sich, besonders in Neubaugebieten viele Hecken und Begrünungen anzulegen. Das ist lobenswert. Es gibt im Stadtbild aber große Lücken: vorwiegend an älteren Straßenzüge stehen keine Bäume mehr. Das kann fatale Folgen haben.
Zur Person
Fakten Der 72-Jährige Lobbericher ist seit 1976 im Naturschutz und Mitbegründer des Nabu-Naturschutzhofs.
Engagement Heinz Tüffers hat sich bereits als Kind für Natur und Tiere interessiert. Der Autodidakt hat sich sein umfassendes Wissen über die Natur angelesen.
Steckenpferd das Anlegen von Blumenwiesen.
Welcher Art sind diese?
Tüffers Fehlendes Grün in Städten fördert die Klimaerwärmung und die Bildung von Feinstaub. Das wiederum führt dazu, dass der Smog in den Städten immer größer wird.
Das gilt aber nur für Großstädte?
Tüffers Nein, auch Städte wie Nettetal sind davon betroffen. Die Politik muss bei der Planung mehr darauf achten, dass Straßen, Häuser und Gärten begrünt werden. Zudem hilft es, in einem Ort Blumenwiesen anzulegen. Das ist nicht nur wichtig für die Vogelwelt. Ein schöner Nebeneffekt: Auch der Mensch freut sich über den Anblick.
Welche Entwicklungen in der Landwirtschaft beklagen Sie?
Tüffers Die Politik der EU fördert die Monokultur. Früher hatten Bauern auf ihrem Hof eine Artenvielfalt. Damals gab es keine Probleme mit Seuchen wie der Schweinepest.
Was fordern Sie als Naturschützer?
Tüffers Die Landwirte sollten mehr für den Umweltschutz tun. Damit wir wieder blühende Äcker und damit in der Natur eine Artenvielfalt bekommen, sollten sie wieder Ackerrandstreifen anlegen. Zudem wäre es sehr gut, wenn sie auf das Düngen und Spitzen verzichteten. Das Gift dringt in die Nahrungskette ein und richtet hier Schäden an.
Was sind die Folgen?
Tüffers All das ist schuld daran, dass wir am Niederrhein keine Kiebitze, Feldlerchen, Grau- und Goldammern mehr haben. Die intensive Bearbeitung des Feldes macht das unmöglich. Bevor die Vögel ihre Nester bauen können, werden sie zerstört. Auch Rebhühner, Fasane, Hasen und Kaninchen kommen nicht mehr dazu, ihren Nachwuchs aufzuziehen. Sie finden einfach keine Ruhe dazu.
Und davon die Auswirkungen?
Tüffers Es gibt immer weniger Leben in der Natur. Deshalb sind mehr Hecken und Sträucher notwendig, damit beispielsweise Igel, Hasen und Kaninchen in ihnen Deckung finden. Außerdem nehmen Hecken positiv Einfluss auf das Klima.
Kann die Landwirtschaft aufs Düngen und Spritzen verzichten?
Tüffers Auf dem Naturschutzhof haben wir noch nie gespritzt oder gedüngt. Im Laufe der Zeit ist ein ökologisches Gleichgewicht entstanden. Die Nützlinge stellen sich von selbst ein.
Was raten Sie Gartenbesitzern?
Tüffers Auch sie sollten sich darauf besinnen, dass es in der Natur ein ökologisches Gleichgewicht gibt – wenn man es zulässt. Außerdem sollten sie erlauben, dass Wildkräuter in ihrem Garten wachsen dürfen. . .
Sie meinen damit Unkraut?
Tüffers Unkraut gibt es nicht. Es sind Wildkräuter. Wer die akzeptiert, hat noch lange keinen verwilderten, sondern einen Naturgarten. Das wiederum fördert die Artenvielfalt der Pflanzen. Je mehr Arten es wiederum im Garten gibt, desto mehr Tiere stellen sich ein. Beides bedingt sich und lebt voneinander.
Was können Gartenbesitzer noch tun?
Tüffers Sie können kleine Biotope schaffen und ihre Dächer begrünen. Das ist in kleinen Gärten kein Problem. Mein eigener Garten umfasst 250 Quadratmeter. Darin finden sich Biotope, ein Heide- und ein Steingarten, Moor und vieles mehr.
Wie ist das möglich?
Tüffers Das alles braucht nur wenig Fläche, und das menschliche Auge freut sich daran. In meinem Garten gibt es übrigens nur sechs Quadratmeter Rasen.
Sie sprachen Dachbegrünungen an.
Tüffers Es ist nicht schwierig, das Dach eines Schuppens oder auch des Hauses zu begrünen. Man braucht dafür lediglich eine Folie, vier bis fünf Zentimeter Erde und gutes Saatgut. In kurzer Zeit haben sich die Pflanzen verwurzelt. Dachbegrünungen sind ein wunderbarer Ausgleich für gepflasterte Flächen.
Was sonst kann die Artenvielfalt in der Natur fördern?
Tüffers Das Anlegen von Blumenwiesen. Ich versuche seit Jahren, die Menschen zu begeistern. Während die Stadt inzwischen die Wichtigkeit der Wiesen erkannt hat und mir Flächen zur Aussaat zur Verfügung stellt, ist die Resonanz von Privatleuten leider bislang sehr dürftig. Dabei sollte eigentlich jeder, der einen lebendigen Garten haben möchte, dafür aufgeschlossen sein. Denn auf einem monotonen Rasen finden Vögel keine Nahrung.
Wir haben bislang über verbesserungswürdige Zustände gesprochen. Welche positiven Auswirkungen von Umweltschutzprojekten gibt es bereits?
Tüffers Wir bemühen uns, bedrohte Vogelarten zu retten. Dazu zählen beispielsweise der Steinkauz, die Schleiereule, Turm- und Wanderfalke. Inzwischen haben wir dank unserer Nisthilfen hier im Kreis Viersen, aber auch in den Kreisen Wesel und Kleve die größte Steinkauzpopulation Westeuropas. Darauf sind wir Naturschützer stolz. Dank Nisthilfen für Störche gibt es an der Clörather Mühle inzwischen wieder Störche. Experten sagen, dass der Storch in fünf bis sechs Jahren auch hier in Nettetal wieder heimisch wird.
Warum engagieren Sie sich seit Jahrzehnten für den Umweltschutz?
Tüffers Ich möchte die Menschen für die Natur begeistern. Eine intakte Natur ist auch gut für den Tourismus. Die Stadt Nettetal hat inzwischen erkannt, dass Naturschutz auch Geld bringt.
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