Venlo: Canon übernimmt Océ: Jobs in Venlo bleiben
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 17.11.2009Venlo (RPO). Der niederländische Kopierer- und Druckerhersteller Océ mit Sitz in Venlo wird von Canon übernommen. Das teilte Canon, von der Wirtschaftskrise hart getroffener japanischer Elektronikkonzern, gestern mit.
Canon bietet für alle Océ-Anteilsscheine insgesamt 730 Millionen Euro, für jede Aktie sollen 8,60 Euro gezahlt werden. Océ hatte dem Angebot bereits zugestimmt. Durch den Zusammenschluss sollen Canon und Océ zum Weltmarktführer in der Print-Industrie aufsteigen.
Übernahme sorgt für Unsicherheit
"Die Übernahme von Océ hing schon länger in der Luft", teilte Venlos Bürgermeister, Hubert Bruls, gestern mit. Solch eine Entscheidung rufe natürlich Emotionen hervor, "nach mehr als 130 Jahren wird ein Venloer Betrieb durch ein Unternehmen aus dem Ausland übernommen". Damit habe die Globalisierung ganz konkrete Folgen für eine Stadt wie Venlo. Bruls: "Das bringt Unsicherheit mit sich."
Der Venloer Druckerhersteller Océ beschäftigte im vergangenen Jahr etwa 22 000 Mitarbeiter weltweit (nach Angaben der Stadt 2000 davon in Venlo) und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Euro. Entlassungen soll es laut Canon nicht geben, für die Océ-Mitarbeiter werde die Übernahme keine negativen Folgen haben. Die Océ-Hauptniederlassung mit den Bereichen Forschung und Entwicklung soll in Venlo bleiben.
Für die Stadt hätten die Arbeitsplätze derzeit höchste Priorität, so Beigeordneter Mark Verheijen. "Zunächst einmal bin ich froh, dass keine Jobs verloren gehen und dass Océ als eigenständiger Geschäftsbereich in Venlo bleibt. Auch der Name Océ bleibt." Er erwarte von der Übernahme "Ruhe und Kontinuität" für das Unternehmen. Mittel- und langfristig müsse man sehen, wie sich Arbeitsplätze und Know-How in Venlo halten ließen und welche Chancen die Übernahme biete. Die Stadt Venlo wolle das Gespräch mit dem Traditionsunternehmen und dem Wirtschaftsministerium suchen. Mit der Übernahme habe man einen "Weltspieler von Format" in Venlo.
Mit dem Zusammenschluss baut Canon seine Spitzenstellung auf dem Markt weiter aus. Canon glaube, "dass wir durch die Fusion von Canon und Océ deutliche Zugewinne, nicht nur im Bereich Forschung und Entwicklung, sondern auch bei Produktbreite und Marketing, erzielen werden", so Canon-Vorstand Tsuneji Uchida. Mit einem Abschluss der Transaktion rechnen die beiden Unternehmen im Frühjahr 2010, im Laufe der kommenden drei Jahre soll Océ dann ganz zu einem Tochterunternehmen Canons werden.
Das Venloer Unternehmen wurde 1877 von einem Apotheker Lodewijk van der Grinten gegründet, der sich anfangs auf Butterfarbe (zum Einfärben von Margarine) spezialisierte. Beim Färben blieb es auch nach dem ersten Weltkrieg: Van der Grintens Nachfahren stiegen auf Blaudruckpapier und Kopiertechniken um. Heute ist Océ in 90 Ländern tätig, größte Konkurrenten sind Xerox Corp. und Konica Minolta.
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