Nettetal: Cool bis in die Haarspitzen
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 13.07.2010Nettetal (RPO). Der 12-jährige Jan-Christian Schröder aus Limburg wird zum Liebling des Schachturniers in Lobberich.
Er nötigt sogar dem Großmeister Anton Kovalyov die längste Partie ab.Die Fachleute sind sich einig: "Der macht seinen Weg." Gemeint ist Jan-Christian Schröder, ein Schach-Talent aus Limburg. Mit seinen zwölf Jahren hält er schon ausgezeichnet mit den Großen der Zunft mit. Wenn er sich mit seinem Kopf über das Brett beugt und nachdenkt, kann sein Gegenüber ihm nicht mehr in die Augen schauen: Die Haare sind davor. Wenn er dann noch beide Hände vor der Stirn zusammenführt, berühren die Haarspitzen fast die Figuren auf dem Brett. "Er spielt absolut cool", sagen kundige Beobachter. Diese Coolness hat auch Anton Kovalyov zu spüren bekommen, denn gegen ihn spielte der spätere Turniersieger gleich in der zweiten Runde seine längste Partie. Am Ende blieb der 18 Jahre alte Argentinier mit ukrainischen Wurzeln und Wohnort Kanada Sieger, aber das Spiel des "little boy" nötigte ihm Respekt ab. Da musste auch Christian Wassermann staunen; der ebenfalls 12 Jahre alte Nachwuchsspieler der Schachgemeinschaft (Sgm) Nettetal mit der drittniedrigsten Elo-Zahl (Ranglistenbewertung) schlug sich tapfer, erreichte gegen den aktuellen Vereinsmeister Heinz Toubartz ein Remis und in den neun Spielen insgesamt drei Punkte und den 60. Rang der Gesamtwertung – bei 70 Teilnehmern. Mit dem 65. Rang war Dr. Reiner van der Valk (51) sehr zufrieden. Der in Kaldenkirchen wohnende Neurologe, Arzt an einer psychiatrischen Klinik des Landschaftsverbandes in Mönchengladbach, durfte gleich in der ersten Runde gegen den Großmeister Oleg Romanishin spielen. "Der hat mich zwar nach 17 Zügen vom Brett gefegt", berichtet er und ist gar nicht betrübt, denn "wann hat man mal die Chance, gegen einen Großmeister zu spielen?"
Schachgemeinschaft
Turnier Ein offenes Turnier hatte die Schachgemeinschaft Nettetal erstmals zu ihrem 75-jährigen Bestehen im Jahre 2004 veranstaltet. Teilnehmer Die Platzierungen: Niklas van der Valk (14), Poet Boonen (16), Karl Groß (24), Wolfgang Thieme (33), Malte Thodam (39), Johann Glasunov (44), Jonas Kurzweg (45), Phil Henkel (50), Bernd Schäfers (51), Boris Glasunov (57), HeinzToubartz (58), Christian Wassermann (60), Reiner van der Valk (659).
Infos www.nettetal-open.de
Darauf wartet Sohn Niklas (17) noch. Er wurde im Gesamtklassement 14. und war damit bester Teilnehmer der Schachgemeinschaft, knapp vor dem Niederländer Piet Boonen, der auch für die Nettetaler spielt. In seiner ersten Partie hat er auf ein schnelles Remis gespielt, weil er das Fußballspiel der deutschen Mannschaft gegen Argentinien nicht verpassen wollte. "Er hat nur das erste deutsche Tor verpasst", weiß Großvater Claus Mertens. "Wenn man lernen will, kann man in meinem Alter mit der Jugend nicht mehr mithalten", gibt Reiner van der Valk zu.
Die Schachgemeinschaft Nettetal erntete Lob für die Organisation der "2. Internationalen Nettetaler Open", die von der Sparkasse Krefeld finanziell unterstützt wurde. "Ich habe bis jetzt noch kein Turnier erlebt, bei dem man mit so freundlich begegnet ist", sagte der Deutsche Bindenschachmeister Dieter Bischof. Das hörten die Organisatoren Jochen Post und Jürgen Daniel gern. Sie konnten sich dabei auf zahlreiche Mitstreiter der Schachgemeinschaft verlassen, die am Ende die während des Turniers auf 21 Grad abgekühlte Aula des Werner-Jaeger-Gymnasiums wieder in ein Theater verwandelten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


