Nettetal: Damit der Steinkauz überlebt
VON EBERHARD LANGE - zuletzt aktualisiert: 17.01.2009Nettetal (RPO). Die Vogelschützer machen Hausputz. Nicht für sich, sondern für die Steinkäuze und Schleiereulen. Sie säubern 250 Röhren, die für die Vögel Rückzugsmöglichkeiten bieten, von Gewölle, Ästen, Heu und Kot.
Steinkauz-Röhren
Auslastung: Im Jahr 2008 waren etwa 70 Prozent aller 250 Röhren belegt.
Beliebt: 68 Steinkauzröhren allein in Nettetal zählte Markus Heines in dieser Reinigungssaison. Mit 600 Hektar Grünfläche ist Nettetal ein ideales Steinkauz-Biotop.
Steinkauz und Schleiereule brauchen Platz in ihren Höhlen, aber von Hausputz halten sie nichts. Die Röhren sind nach spätestens zwei Jahren mit Gewölle, Ästen, Heu und Kot gefüllt und unbewohnbar. Ein Fall für die Saubermänner von der Nabu-Ortsgruppe. "Die Arbeit wird von Jahr zu Jahr mehr", sagt Heinz Tüffers. Etwa 250 Steinkauz- und Schleiereulen-Röhren müssen bis Ende Januar kontrolliert und gesäubert werden. "Wenn wir das nicht machten, wären die Röhren bald zugemüllt", sagt Markus Heines.
In den Röhren finden die Helfer viele tote Tiere: Ratten, Mäuse, geschlagene Spatzen. Oft auch den Dung von Mardern, die ebenfalls in dern Röhren leben. Die Naturschützer entfernen den Schmutz und "möblieren" die saubere Röhre mit Holzwolle und Sägemehl.
1980 baute Heinz Tüffers aus einer alten Holzrollade die erste Steinkauz-Röhre. Damals waren die Vögel am linken Niederrhein fast ausgestorben. Inzwischen gelten die Kreise Viersen und Kleve als Region mit der größten Steinkauz-Population Europas. Einige Röhren hingen die Vogelschützer unter Ästen auf, damit kein Marder an die Eier und Brut kann. Aber das hatte Nachteile. Sobald ein junger Steinkauz aus der Röhre fällt, wird er von seinen Eltern nicht mehr gefüttert. Deshalb bauen die Vogelschützer die Röhren auf Ästen, damit die Jungen erste Gehversuche auf dem Ast machen und zurück können.
Das Aufhängen und Kontrollieren von Nistgelegenheiten ist oft gefährlich. Kurz vor Weihnachten fiel Markus Heines vor Schreck fast von der Leiter, als ihm ein fauchender Marder ins Gesicht sprang. Vor einigen Jahren wäre Heinz Tüffers fast aus dem Schaager Kirchturm gefallen. "Ich wollte ein Einflugloch für den Turmfalken schaffen", erinnert er sich. Die Turmluke klemmte und gab plötzlich nach. "Plötzlich hing ich mit dem Oberkörper draußen." Deshalb gehen die Vogelschützer mindestens zu zweit zum Röhrenputzen.
Der gute Service der Nabu-Ortsgruppen im Westkreis hat sich unter den Steinkäuzen herumgesprochen. Immer öfter treffen die Vogelschützer vom Naturschutzbund auf Steinkäuze, die in Belgien, den Niederlanden und sogar Luxemburg beringt wurden.
Manchmal teilen sich kleinere Tiere mit Steinkauz oder Schleiereule die Röhre. Oft gibt es nach dem Aufzucht Nachmieter. So fanden die Vogelschützer Hinweise auf Hohltauben, Stare, Eichhörnchen, Marder und Hornissen.
Die Raffinesse der Vögel lässt die Naturschützer immer wieder staunen. So entdeckten sie eine Brutröhre, die ein Kleiber besetzt hatte. Das große Einflugloch hatte er auf seine Mini-Größe zugespachtelt, so dass der ursprüngliche Bewohner Steinkauz sich eine neue Bleibe suchen musste.
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