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Kreis Viersen: Das Geld liegt auf dem Müll

VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 27.11.2009

Kreis Viersen (RPO). Bis Ende 2014 fallen wichtige Entscheidungen im Kreis und bei den Städten und Gemeinden über die Entsorgung. Der Vertrag des Kreises mit EGN endet, auch könnte ein neuer Partner für die Müllverbrennung gefunden werden.

In der Krefelder Müllverbrennungsanlage wird der Restabfall aus dem Kreis Viersen verbrannt. Die verbleibende Asche wird auf der Deponie Brüggen II eingelagert. Ob alles so bleibt, ist offen.  Foto: RPO
In der Krefelder Müllverbrennungsanlage wird der Restabfall aus dem Kreis Viersen verbrannt. Die verbleibende Asche wird auf der Deponie Brüggen II eingelagert. Ob alles so bleibt, ist offen. Foto: RPO

So ändern sich die Zeiten. 1994 grassierte die Furcht vor dem Müllinfarkt. Auf Kreisebene wurde der Betrieb einer eigenen Müllverbrennungsanlage diskutiert. "Wir können froh sein, dass anders entschieden wurde", stellte Reinhard Wernitz, Leiter des Abfallbetriebs Kreis Viersen, jetzt im Betriebsausschuss fest.

Der Kreis ist heute in einer komfortablen Position. Die Verträge mit der Müllverbrennungsanlage (MVA) in Krefeld laufen aus. Das schafft Spielraum für Verhandlungen mit anderen Anbietern und eröffnet die Chance für interessante kommunale Partnerschaften.

Renditen blieben aus

Info

Gebühren-Karussell

Kreisgebühren Der Kreis erhöht ab Januar Gebühren, die die Gemeinden zahlen (die das Geld bei den Bürgern einsammeln). Grund; Kesselaustausch in der MVA.

Restentsorgung mit Schadstoffen aus Haushalten 221,10 ­/t.

Kompostierung Pflanzenabfälle 100 ­/t; Ast-/Strauchwerk, Rasenschnitt, Bioabfälle 60,60­/t.

Altpapier/Pappe 85 ­/t, stark verunreinigt 221,10­/t.

Vor knapp 15 Jahren versprachen das Geschäft mit der Müllverbrennung noch fetten Renditen. Im Kreis gab es 1987 noch 184 000 Tonnen gewerblichen Restabfall. Das werde immer mehr, so damals die düstere Prognose. Das krasse Gegenteil trat ein. Der Recycling-Zwang provozierten den lukrativeren Weg der Vermeidung und Wiederverwertung, Der Abfallbetrieb erwartet für 2010 nur noch 12 000 Jahrestonnen gewerblichen Restmülls. Die Folge: MVA sind nicht ausgelastet, einige stehen vor dem Kollaps. In den Niederlanden schließen zwei Anlagen, weil der Nachschub fehlt.

Der Kooperationsvertrag des Kreises mit Krefeld kann 2012/13 gekündigt werden. Im Kreishaus wird man auf eine Reaktion der Nachbarstadt warten. "Bleibt sie aus, dann schreiben wir notfalls neu aus", kündigte Wernitz an. Er favorisiert eine interkommunale Zusammenarbeit der Kreise Viersen und Neuss mit Krefeld und Mönchengladbach. Sie soll die zentrale Frage beantworten, die sich in nächster zeit ergibt: "Man muss wissen, wohin man mit dem Restabfall will", so Wernitz.

Spannend ist vor dieser Kulisse auch, dass der Restmüll-Entsorgungsvertrag des Kreises mit der EGN am 31. Dezember 2014 ausläuft. Bis dahin enden auch Verträge von sieben Städten und Gemeinden mit Unternehmen für die Abfalleinsammlung. Die Verwertung und Entsorgung hat der Kreis zu regeln. Der hofft weiterhin darauf, dass sich mehr Kommunen für eine Harmonisierung entscheiden und dem Kreis ihre Aufgabe übertragen. Der Abfallbetrieb ist überzeugt, dass sich das finanziell bei jedem Bürger bemerkbar machen wird.

Zuversichtlich schaut Wernitz auf die Neuausschreibung von Papier, Pappe und Karton (PPK). Der Kreis hatte zuletzt fürstliche Ergebnisse erzielt und 2009 einen saftigen Anteil zur Abwehr privater PPK-Sammler an die Kommunen gezahlt. Lagen die Preise für PPK vor einem Jahr im Keller, so erholen sie sich. Aktuell werden etwa 75 Euro/Tonne erzielt. FRAGE DES TAGES

Quelle: RP

 
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