Nettetal: Das große Vergessen
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 21.04.2009Nettetal (RPO). Mit einer individuellen Beratung möchte die Stadt Angehörige von Demenzkranken unterstützen und entlasten. Eine Expertin vom Demenz-Servicezentrum und Seniorenberater Christian Fortmann stehen heute bereit.
Wenn der Mensch sich verliert, sind seine Angehörigen oft ratlos. Demenz ist zur Volkskrankheit geworden. Die Alterskrankheit hat Auswirkungen auf die ganze Familie. Das große Vergessen verändert auch die Persönlichkeit des Kranken. Der vermeintlich vertraute Mensch verhält sich plötzlich ungewöhnlich. Ehepartner und erwachsene Kinder müssen einen Menschen betreuen und pflegen, der mitunter fremde Wesenszüge angenommen hat.
Es gibt keine Zahlen darüber, wie viele Menschen in Nettetal an Demenz leiden. Die aktuellsten Zahlen für den gesamten Kreis Viersen stammen aus dem Bericht der Kommunalen Pflegeplanung im Kreis Viersen aus dem Jahr 2005. Demnach lebten vor vier Jahren 3947 Demenzkranke im Kreis. Das entspricht 1,3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Tendenz: steigend.
Die Beratung
Wann: heute, 14 bis 20 Uhr
Wo: Malteser-Begegnungsstätte in den Doerkesstuben, An St. Sebastian 37, Lobberich
Beratung: gestern waren noch Termine frei
Anmeldung: ganz schnell bei Christian Fortmann, Tel. 02153 898-5026 oder Alfred Kröckert, Tel. 02153 898-5015
Der Ratlosigkeit begegnen
Der Ratlosigkeit begegnen möchte heute die Stadt Nettetal mit einer besonderen Demenzberatung. Sie richtet sich an Angehörige und soll auf den Einzelfall zugeschnittene Hilfsangebote vor Ort aufzeigen. "In unserer Gesellschaft steigt die Zahl der Hochaltrigen und damit auch die Zahl der demenziellen Erkrankungen", sagt Christian Fortmann, Seniorenberater der Stadt Nettetal. Gemeinsam mit Anja Killemann vom Demenz-Servicezentrum für die Region Niederrhein steht er heute den ratsuchenden Angehörigen in den Doerkesstuben in Lobberich für Anfragen zur Verfügung. Während die Fachfrau aus Wesel Antworten über die Krankheit und deren Erscheinungsbild selbst gibt, zeigt Christian Fortmann die Hilfsangebot in Nettetal auf. Auch über die Finanzierungsmöglichkeiten wird bei Bedarf gesprochen. "Viele wissen nicht, dass es inzwischen Möglichkeiten über die Pflegeversicherung gibt, auch ohne Pflegestufe", sagt der Seniorenberater.
Angehörige entlasten
"Unser Ziel ist es, Angehörige zu beraten und zu unterstützen", so Fortmann. Bereits vergangenes Jahr habe die Stadt eine solche Demenzberatung angeboten. Diese sei auf sehr große Resonanz gestoßen. "Es geht vor allem darum, Angehörigen Freiräume zu schaffen", sagt er. Die Betreuung von Demenzkranken ist zeitintensiv, mitunter ein 24-Stunden-Job. "Eigene Friseur- oder Arztbesuche sind für Angehörige kaum möglich", nennt Fortmann Beispiele. In der Beratung möchten er und Anja Killemann zeigen, dass es Hilfen gibt. Beispielsweise die beiden Demenzcafés in Schaag und Lobberich, die Kranke für einige Stunden am Nach mittag besuchen können oder auch die Tagespflege in Breyell. "Es entlastet Angehörige enorm, wenn sie den Erkrankten zumindest einmal pro Woche dort versorgt wissen", so Christian Fortman.
Früher war es oft ein Tabu-Thema, wenn Opa, Oma oder der Ehepartner "wunderlich" wurden. Das habe sich gewandelt, sagt Christian Fortmann. "Das Krankheitsbild Demenz wird immer bekannter, und immer mehr Menschen sind betroffen." FRAGE DES TAGES
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


