Nettetal: Das kleine Markt-Theater
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 23.10.2009Nettetal (RPO). Mit seinem Puppenspiel und Kasperle kommt Adolf Junker aus Mönchengladbach am Sonntag zum Lobbericher Markt- und Brunnenfest. Vor 60 Jahren war er schon einmal hier.
Eigentlich waren Kasperle und Seppel, die böse Fee und der rote Teufel, der König der Geister und die Oma schon für den Winterschlaf im Koffer mit der goldenen Decke eingepackt, doch für das Markt- und Brunnenfest in Lobberich holt Adolf Junker die Spielfiguren noch einmal heraus.
Es schwingt etwas Nostalgie dabei mit, denn als kleiner Junge war der heute 65-Jährige schon einmal auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. "Herr Backes hat mich überzeugt, dass ich unbedingt kommen müsse."
Mit Oma auf Tour
Der Vorsitzende des Lobbericher Werberinges hatte den Mönchengladbacher Schausteller mit seiner Puppenbühne beim Cityfest der Vitusstadt entdeckt und für die Eröffnung des nun neu gestalteten alten Marktes gewinnen wollen. "Lobberich" war dabei das Zauberwort, denn Junker, längst im Ruhestand, erinnerte sich, dass er dort vor 60 Jahren schon einmal war – mit seiner Großmutter Katharina Hendricks, die auf dem Platz vor dem Rathaus mit den "Sensationen des Orients" gastierte.
Der Auftritt
Kasperletheater Sonntag, 25. Oktober, ab etwa 14 Uhr; geplant sind ein Dutzend Vorstellungen von 15 bis 20 Minuten Länge.
Eintritt Kostenlos, da das Engagement gesponsert wird.
"Meine Mutter war mit meiner kleinen Schwester im Krankenhaus, da hat mich Oma eben mit auf Tour genommen", weiß er noch.
Und er hat dieses Wochenende in Lobberich deshalb so gut im Gedächtnis, weil es mit Blitz und Donner endete. Als sie nämlich auf der Heimfahrt waren, wollte in dem Unwetter die Zugmaschine am Süchtelner Berg nicht mehr.
"Meine Oma hat einen Lkw angehalten, der hat den Wohnwagen mit nach Gladbach geschleppt", erzählt Junker, der dann am anderen Tag ganz große Augen machte. Als sie nämlich den zurückgelassenen Gerätewagen mit den orientalischen Merkwürdigkeiten abholten, sahen sie, dass ein Blitz in einen Baum neben dem Wagen eingeschlagen war und diesen gefällt hatte.
Adolf Junker stammt aus einer alten Schaustellerfamilie, die schon 1913 mit einem Puppentheater unterwegs gewesen ist. Er ist nach einer kaufmännischen Lehre zwischen 1965 und 1984 mit Schießbude, Kinderkarussell, Kasperletheater und dem Pfeilwurf auf Ballons ("Den habe ich erfunden") unterwegs gewesen, hat dann aber bis zur Rente in einem Handelsunternehmen gearbeitet.
Vor zehn Jahren kam der mittlerweile 30-jährige Sohn Andreas, der wohl bestallter Bäcker und Konditor ist, auf die Idee, wieder ein Kasperletheaster zu bauen: "In dem steckt eben noch das reisende Blut drin." Die Familientradition geht weiter.
So treten Vater und Sohn acht- oder neunmal im Jahr mit ihren 73 Figuren bei Pfarr-, Stadt- und Wohltätigkeitsfesten auf. Sie haben 17 selbst geschriebene Stücke im Programm, aber "es kommt auf die Stimmung bei den Kindern an und dann ist vieles Improvisation", weiß Adolf Junker. Vielleicht spielen in Lobberich auch Blitz und Donner mit.
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