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Nettetal: Das Plöger-Mobil

VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 15.10.2009

Nettetal (RPO). Friedel Plögers Arbeitsplatz rollt: Der Nettetaler Streetworker geht ab sofort mit einem Wohnwagen

auf Tour durchs Stadtgebiet. Er soll Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche werden, die draußen abhängen.
Streetworker Friedel Plöger (links) ist mit diesem Wohnwagen in Nettetal unterwegs. Erster Beigeordneter Armin Schönfelder besuchte ihn vorab im Wagen, den an beiden Seiten ein knallroter Schriftzug ziert.   Foto: RPO
Streetworker Friedel Plöger (links) ist mit diesem Wohnwagen in Nettetal unterwegs. Erster Beigeordneter Armin Schönfelder besuchte ihn vorab im Wagen, den an beiden Seiten ein knallroter Schriftzug ziert. Foto: RPO

Er verströmt den Charme der 1960-er Jahre, ist cremefarben und ziemlich viel rumgekommen. Aufkleber an der Scheibe verraten, wo er überall schon war: am Nordkap, am Titisee, in Greetsiel und auch in Kopenhagen. "Er ist mehrfach um den Erdball gekreist", sagt Streetworker Friedel Plöger nicht ohne Stolz über seinen neuen mobilen Arbeitsplatz. Jetzt soll der Wohnwagen Jugendlichen, die selbst viel rumkommen, zur Anlaufstelle werden. Friedel Plöger rollt ab sofort mit seinem Oldtimer durch Nettetal.

"Streetwork on tour"

"Streetwork on tour" steht an drei Seiten in knallroter Schrift auf dem Gefährt. Mit ihm wird Plöger künftig nicht nur Jugendliche an ihren Treffpunkten aufsuchen, sondern ihnen selbst einen Treffpunkt und damit die Möglichkeit zum Gespräch bieten. Ganz informell, ganz locker. "Bislang war ich immer Gast bei den Jugendlichen", so Plöger. "Jetzt bin ich auch mal der Gastgeber." Das sei wichtig, um den jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr problematisches Leben für den Moment mal zu vergessen. Einen "punktuellen Ausstieg" nennt Plöger das. Wer zu ihm in den Wohnwagen kommt, ist willkommen, muss sich aber an Regeln halten. Die formuliert der Streetworker so: "keine Drogen, keine Zigaretten, kein Alkohol."

Info

Der Wohnwagen

Vorgeschichte Friedel Plöger hatte sich den mobilen Arbeitsplatz gewünscht. Drei bis vier Monate dauerte es, bis der Wohnwagen einsatzbereit war. Beim Aufmöbeln halfen unter anderem Jugendliche.

Daten Der Wohnwagen ist Baujahr 1966 und wiegt 645 Kilogramm.

Gemütlich Platz für vier bietet das Gefährt. Der kleine Raum soll Vertrauen schaffen und zum Reden einladen. Deshalb hat Friedel Plöger einen kleinen Kühlschank an Bord und auch die Kochstelle möchte er gelegentlich nutzen, "um etwas zu brutzeln". Weil es sich um seinen Arbeitsplatz handelt, wurde der Wohnwagen technisch aufgerüstet: Plöger hat dort Internet- und auch Telefonanschluss. Finanziert wurde der Anhänger aus Spenden, die von der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde Kaldenkirchens sowie von der Stadt kamen.

Die 3000 Euro sind gut angelegt – davon sind alle überzeugt, die die Anschaffung möglich gemacht haben. Dem Charme des Vehikels erlagen längst nicht nur Bürgermeister Christian Wagner und Erster Beigeordneter Armin Schönfelder, als sie den Wagen bei der offiziellen Übergabe zu Gesicht bekamen. Auch die Jugendlichen, die ihn vorab sahen, seien begeistert. "Da saßen locker schon 20 bis 30 Leute drin", erzählt der Streetworker.

Der Wohnwagen fällt auf. Das ist beabsichtigt. So kommt Plöger leichter in Kontakt mit all den Jugendlichen, die jeden Tag durch die Gegend fahren, sich mal hier, mal da treffen, massive Lebensprobleme und meist irgendeine Sucht haben.

Er wird gebraucht. Sein Klientel wird jünger. "Mittlerweile haben wir auch viele Kinder, die sich im öffentlichen Raum aufhalten", so der Streetworker. Sie fliehen vor der Tristesse daheim, sind den ganzen Tag draußen oder bei älteren Jugendlichen. "Mit dem letzten Bus fahren sie nach Hause." Vielleicht werden sie künftig vorher in Plögers Wohnwagen eingekehrt sein.

FRAGE DES TAGES

Quelle: RP

 
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