Nettetal: Der gute Geist des Hauses
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 29.12.2009Nettetal (RPO). Nur wenn die Seele Frieden hat, kann auch der Körper gesund werden. Deshalb gibt es Schwester Patricia. Die Krankenhausseelsorgerin gibt Kranken, Angehörigen und dem Personal Zeit und Raum, über Nöte zu sprechen.
Sie kommt, wenn sie gerufen wird, und manches Gespräch ergibt sich auch einfach so. Wenn Schwester Patricia einen Patienten irgendwo im Krankenhaus aufsucht, plagen diesen Probleme, Kummer, mitunter Todesängste. Doch nur, wenn die Seele Frieden hat, kann auch der Körper gesunden. Und nur, wessen Seele gefestigt ist, kann seine Arbeit gut machen. Beispielsweise die Ärzte und Krankenschwestern, für die Schwester Patricia ebenfalls da ist. Deshalb gibt es sie, die Krankenhausseelsorgerin. Und deshalb ist ihre Arbeit als gute Seele des Hauses so wichtig.
"Ich komme. Ich bringe nichts. Aber ich gebe den Patienten meine Zeit", sagt die Ordensfrau der Salvatorianerinnen schlicht und lächelt dieses Lächeln, das Herzen öffnet. "Im Mittelpunkt steht für mich der Mensch, so wie er mir begegnet", sagt sie. Seit 2001 ist die Diplom-Religionslehrerin am Nettetaler Krankenhaus als Seelsorgerin tätig. In den Gesprächen nimmt sie sich bewusst zurück. Sie gibt den Bedrückten Zeit und Raum, sich zu öffnen.
Die Aufgaben
Angebot Zu Schwester Patricias Angebot gehören die religiöse Begleitung, die Begleitung trauernder Angehöriger, Sterbebegleitung, Trauerkreise, Stationsbesuche, Einzelgespräche, Meditationsgruppen, Exerzitien im Alltag, Gottesdienst und Andachten.
Im Mittelpunkt der Mensch
Und eben weil der Mensch im Mittelpunkt steht mit all seinen Nöten, bedeuten diese Gespräche nicht nur Probleme anzuhören, sondern auch sie aushalten zu können, die Ratsuchenden reden und auch weinen zu lassen. "Hier ist ein Ort, an dem sie darauf vertrauen können, dass nichts weitergetragen wird."
Zu Schwester Patricia kommen Menschen jeglicher Herkunft und Konfession. Auch Menschen, die weder glauben noch einer Kirche angehören. Mission und Bekehrung sind nicht ihre Aufgaben. "Ich besuche keine Religion, ich besuche Patienten", sagt sie. Der christliche Aspekt bleibt für sie trotzdem nicht außen vor. "Ich mache meine Arbeit als Ordensschwester", beschreibt Schwester Patricia ihr Selbstverständnis.
Ganz gleich, worum es geht: Der erste Schritt auf einen Fremden zu erfolgt stets mit viel Achtsamkeit und Einfühlungsvermögen. Nicht immer bleibt es bei einem einzigen Gespräch. Es gibt Kranke, die begleitet Schwester Patricia zeitlich sehr lange. Die einen in die Genesung und über oft auch den Krankenhausaufenthalt hinaus. Die anderen bis zum Tod. "Begleiten und loslassen können" nennt die Seelsorgerin als ihre persönlichen Aufgaben.
Sterbebegleitung macht einen großen Teil ihrer Arbeit im Nettetaler Krankenhaus aus. Es sind nicht ausschließlich Menschen ohne Angehörige, die Schwester Patricia an ihrem Sterbebett wünschen. Auch manche Familienmitglieder bitten um ihre Unterstützung für sich selbst. "Angehörige gehen unterschiedlich mit dem Sterben um", sagt sie. "Da gibt es eine große Bandbreite." Schwester Patricia akzeptiert das. Für sie selbst ist die Begleitung Sterbender ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. "Sterbebegleitung gibt mir sehr viel", sagt sie. "Sehr viel Kraft."
Nöte anhören
Ihr Arbeitstag beginnt gegen 8.15 Uhr. Wie lange er dauert, ist jeden Tag aufs Neue ungewiss. "Es kann auch sein, dass ich nachts gerufen werde, wenn jemand im Sterben liegt." Die Ordensfrau sagt, es belaste sie nicht, sich täglich die seelischen Nöte vieler Menschen anzuhören und sie somit zu teilen. Wenn sie doch einmal einen Ausgleich braucht, findet sie ihn im Krankenhaus. "Wir haben hier eine wunderschöne Kapelle."
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