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Nettetal: Der Mut(h)macher-Preis

VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 05.10.2009

Nettetal (RPO). Die Gesamtschule Nettetal hat für ihr beispielhaftes Engagement bei der Einbeziehung behinderter Kinder in den Schulalltag eine Anerkennung des Jakob-Muth-Preises ausgesprochen bekommen. Nächstes Ziel: inklusive Schule.

Wenn einem Kind die Schule über den Kopf wächst, können Experten der Regionalen Schulberatungsstelle helfen. Sie hatten es 2008/2009 im Kreis Wesel mit 455 Einzelfällen zu tun,­ darunter 265 Neuanmeldungen.  Foto: RPO
Wenn einem Kind die Schule über den Kopf wächst, können Experten der Regionalen Schulberatungsstelle helfen. Sie hatten es 2008/2009 im Kreis Wesel mit 455 Einzelfällen zu tun,­ darunter 265 Neuanmeldungen. Foto: RPO

Na klar freuen sie sich. Hannelore Kleinikel, Uwe Mitzkeit und Monika Wirtz halten seit einigen Tagen eine Urkunde in der Hand, die das Notwendige und Wertvolle ihre Arbeit bestätigt. Die Sonderpädagogen an der Gesamtschule Nettetal kümmern sich dort gemeinsam mit den Klassenlehrern und Integrationshelfern um die besonderen Bedürfnisse behinderter Kinder. So machen sie den geistig oder körperlich beeinträchtigten Jungen und Mädchen den Besuch der Gesamtschule überhaupt möglich. Jetzt gab es eine ausdrückliche Anerkennung und auch Dank von den Institutionen, die den Jakob-Muth-Preis ausloben.

Der Name ist Aufforderung und könnte nicht passender sein. Der Jakob-Muth-Preis, den die Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen und der Unesco verleiht, zeichnet herausragende inklusive Schulen aus. Gleichzeitig soll er Einrichtugen, die noch nicht so weit sind, Mut machen, ihren Weg zur inklusiven Schule weiterzugehen. Außerdem sollen Schulen, die sich noch nicht mit dem Thema des gemeinsamen Unterrichtens von Behinderten und Nicht-Behinderten beschäftigt haben, ermutigt werden, diesen Weg ebenfalls einzuschlagen.

Info

Der Preis

Jakob Muth (1927-93) Er war Pädagogikprofessor und setzte sich sich intensiv für die gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern ein. Dabei vertraute er auf die Kraft von Vorbildern.

Bewerber 144 Schulen bewarben sich um den Preis. Den drei Siegerschulen bescheinigte die Jury, "herausragende Beispiele für eine gelingende inklusive Schule" zu sein.

Dieser sei äußerst lohnenswert, sagen die Sonderpädagogen. "Wir können es nicht belegen, haben aber beobachtet, dass Kinder aus integrativen Klassen eine höhere Sozialkompetenz besitzen", sagt Hannelore Kleinikel. "Ich bin davon überzeugt, dass Kinder zusammen viel besser lernen, weil sie voneinander lernen", so Uwe Mitzkeit. "Alle Kinder profitieren", fügt Monika Wirtz hinzu. Dass ein gemeinsamer Unterricht machbar ist, beweist die Gesamtschule seit dem Schuljahr 2000/2001. Damals begann der integrative Unterricht mit der Aufnahme von fünf geistig behinderten Kindern. Inzwischen besuchen 23 behinderte Schüler die Gesamtschule. "All diese Kinder wären sonst in der Förderschule", erklärt Mitzkeit.

Die integrativen Klassen, die anfangs die Ausnahme bildeten, sind inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden. Ab dem kommenden Schuljahr werde es in jeder Jahrgangsstufe gemischte Klassen geben, sagen die Sonderpädagogen. "Ich erwarte mir dann noch mehr Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Thema", sagt Hannelore Kleinikel. Dies sei ein weiterer entscheidender Schritt hin zur inklusiven Schule, die die Gesamtschule zu werden anstrebt.

Integration ist heute. Der Schritt hin zur integrativen Schule ist das nächst Ziel. Hinter dem Terminus verbirgt sich mehr als reine Semantik. "Integration bedeutet: Da sind Menschen, die einbezogen werden müssen, aber nicht von vornherein zu uns gehören", erläutert Wirtz den Unterschied. Inklusion heiße: Behinderte sind selbstverständlich Teil der Gruppe. "Wir meinen damit auch Kinder, die bislang automatisch aussortiert wurden", fügt Wirtz hinzu. "Wir bieten ihnen an, was sie brauchen, um in der Gesamtschule zurechtzukommen."

Hinter der Idee zur inklusiven Schule steckt eine Überzeugung, die schon jetzt an der Gesamtschule gelebt wird: "Es kommt auf die Person an, nicht auf die Art der Behinderung", formulierte es Kleinikel. FRAGE DES TAGES

Quelle: RP

 
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