Nettetal: Der Schock an der Zapfsäule
VON ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 26.05.2008Nettetal (RPO). Die steigenden Spritkosten ärgern die Autofahrer. Besonders betroffen von den satten Preissprüngen sind Fahrschulen, Taxiunternehmer und Spediteure. Manch einer denkt schon ans Umrüsten auf Erdgas.
Wer Michael Scheulen erzählen hört, könnte meinen, der Mann leide an diversen körperlichen Gebrechen. Der Fahrlehrer meint aber vielmehr den Blick auf die Preise an den Tankstellen, wenn er sagt: „Das sind Schmerzen.“ Schmerzen, die der 39-Jährige jeden zweiten Tag aushalten muss. Dann ist der Diesel-Tank im Fahrschulauto wieder leer. „Vor ein paar Wochen habe ich für einen vollen Tank rund 53 Euro bezahlt“, erinnert Scheulen sich. „Inzwischen sind es fast 70 Euro.“
Scheulen ist Inhaber einer Fahrschule mit Filialen in Lobberich, Kaldenkirchen und Breyell. Vier Autos unterhält er, allesamt Diesel-Fahrzeuge. „Das lohnt sich gar nicht mehr“, befindet er beim Blick auf inzwischen nahezu identische Preise für Diesel und Benzin. Scheulen rechnet angesichts der hohen Spritpreise mit Mehrkosten von jährlich mindestens 5000 Euro. „Das ist Wahnsinn.“
Knut Lappen muss mit ganz anderen Summen rechnen. „Wir brauchen alle acht Arbeitstage 30 000 Liter“, erklärt der Geschäftsführer der Spedition Sauels in Kaldenkirchen. „Da kann man sich ausrechnen, was 10 Cent mehr pro Liter ausmachen.“ Mit den meisten Kunden hat die Spedition feste Verträge über ein Jahr abgeschlossen. Da gilt der Dieselpreis, der damals festgelegt wurde und bei weitem nicht das derzeitige Niveau hat.
Lappen bleibt nichts übrig, als mit diesen Kunden über mögliche Zuschläge zu sprechen. Nicht alle Kunden haben dafür Verständnis. Der Konkurrenzkampf unter den Speditionen zwingt Lappen dann zu Zugeständnissen. Ein schwacher Trost: „Mit knapp 30 Prozent der Kunden haben wir einen variablen Dieselzuschlag vereinbart“, erklärt Lappen. In diesen Fällen gehen die Mehrkosten für den Sprit direkt an die Kunden weiter.
Die Taxiunternehmer würden ihre Tarife auch gerne erhöhen und die Spritkosten so an die Fahrgäste weitergeben. Das geht aber nicht ohne ein umständliches Genehmigungsverfahren und die Zustimmung des Kreises. Und der hat erst Ende vergangenen Jahres einer Tariferhöhung zugestimmt. Seitdem kosten Fahrten im Kreis Viersen 10 Cent pro Kilometer mehr, auch die Anfahrt ist 10 Cent teurer. Das deckt die Mehrkosten der Unternehmer bei weitem nicht. Eine neuerliche Tariferhöhung ist frühestens nächstes Jahr denkbar. „Bis dahin müssen wir die hohen Preise schlucken“, sagt der Breyeller Taxiunternehmer Thomas Höpfner.
Er ist stellvertretender Verbandsdelegierter der Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein. IDort werden die Spritpreise seit langem diskutiert. Eine Lösung könnte der Umstieg auf Erdgas-Fahrzeuge sein. Höpfner hat vier Autos im Taxi-Betrieb. „Wenn eine Neuanschaffung ansteht, wird es wohl ein Erdgas-Fahrzeug sein“, sagt er. Auch Fahrlehrer Michael Scheulen denkt längst über diese Antriebs-Alternative nach. „Zumindest“, sagt er, „werde ich bei künftigen Fahrzeugen ganz genau auf den Verbrauch achten.“ Kommentar
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