Nettetal: Der Tod als Teil des Lebens
VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 20.11.2010Nettetal (RPO). Die Familie Helgers organisiert in der vierten Generation Beerdigungen.Was früher eine Familienangelegenheit war, regeln heute viele Kunden schon lange, bevor sie sterben.
Der Tod ist ein Teil ihres Lebens. Denn die Angehörigen eines Verstorbenen in ihrer Trauer zu begleiten und zu unterstützen ist ihr Beruf. "Obwohl das unser Alltag ist, wird es nie zur Routine. Wir versuchen individuell auf die Leute einzugehen und ein Gespür für ihre Situation zu entwickeln", sagt Hanno Helgers. Er führt das familieneigene Bestattungsunternehmen in der vierten Generation.
"In den Betrieb bin ich wie mein Vater hineingewachsen. Mein Sohn ist fünf Jahre alt und krabbelt auch schon im Laden herum. Ein Sarg ist für ihn etwas ganz Normales", berichtet der 34-Jährige. Seinem Vater in das Geschäft zu folgen, war für ihn kein Muss, sondern Wunsch. "Das klingt vielleicht komisch, aber ich habe meinen Traumberuf gefunden. Menschen zu helfen, macht mir Freude, und es ist für mich das größte Lob, wenn die Kunden einige Wochen nach der Beerdigung kommen und sich für die Unterstützung bedanken."
Die Nettetal-Serie
Weißt du noch? Anlässlich des 40. Geburtstags der Stadt Nettetal spürt die Rheinische Post in einer Artikelserie den Akteuren dieses Neubeginns nach. Wir stellen Inhaber geführte Geschäfte vor, die es schon 1970 gab und die 2010 noch immer das Geschäftsleben in Nettetal prägen.
Särge selbst gefertigt
Wie sein Vater hat Hanno Helgers Schreiner gelernt. Bis vor wenigen Jahren hat er in der hauseigenen Werkstatt selbst Särge angefertigt. "Inzwischen schaffe ich das zeitlich nicht mehr. Wir könnten aus eigener Produktion auch nicht die Modellvielfalt bieten, die sich Kunden wünschen."
Särge in verschiedenen Farben und aus unterschiedlichen Materialien stehen im Verkaufsraum. Sogar ein Modell aus Rattan ist darunter. Lieferbar ist alles vom grünen Sarg für den Jäger bis zum blauen nach der Lieblingsfarbe der Mutter. "Früher gab es nur dunkle, erdrückende Särge. Heute haben wir auch helle und sogar farbige Produkte. Die Kundenwünsche sind individueller geworden", sagt Werner Helgers. Der 59-Jährige unterstützt seinen Sohn. Er hatte den Betrieb 1976 von seinem Vater übernommen. Damals war die Beerdigung eine Familienangelegenheit. Die Angehörigen waren nach ihrem Tod zu Hause aufgebahrt, die Hinterbliebenen besprachen im engen Kreis Einzelheiten der Beerdigung. In den 1950er-Jahren kamen die Helgers mit dem Pferdefuhrwerk und später mit einem Opel Kapitän, um Verstorbene zu Hause abzuholen und für die Bestattung vorzubereiten. Inzwischen bieten die Helgers die Aufbahrung ebenso an wie Trauerfeiern in der hauseigenen Kapelle.
Inzwischen kommen immer mehr Kunden bereits zu Lebzeiten, um ihre Beerdigung zu regeln und zu bezahlen. "Spätestens, wenn die Kinder aus dem Haus sind, machen viele einen Termin, um die Einzelheiten zu besprechen. Die meisten haben schon Geld zurückgelegt", berichtet Hanno Helgers. Er hat die Erfahrung gemacht, dass sich immer mehr Menschen aus finanziellen Gründen für die Einäscherung entscheiden. "Seit die gesetzlichen Krankenkassen kein Sterbegeld mehr zahlen, haben viele Angst, finanziell nicht zurecht zu kommen. Wenn der Verstorbene nicht vorgesorgt hat, müssen nächste Verwandte für die Kosten aufkommen", sagt Werner Helgers. Pflegefreie Urnengräber sind eine gerne genutzte Alternative "Da haben die Angehörigen einen Anlaufpunkt, um Abschied zu nehmen, müssen sich aber nicht ständig kümmern." Denn für viele ist der Tod eben nicht Teil ihres Lebens.
In diesen Tagen endet allerdings ein Stück Geschäftsgeschichte. Das vom Großvater immer noch betriebene Geschäft mit Werkzeug und Zubehör schließt. "Wir erweitern unseren Betrieb und benötigen den Platz", erklärt Hanno Helgers. Im Augenblick wird das noch vorhandene Sortiment ausverkauft.
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