Nettetal: Der Wähler mag's bequem
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 16.09.2009Nettetal (RPO). Hingehen, weil Wahl ist, war gestern. Immer mehr Bürger geben ihre Stimme vorab per Brief oder im Bürgerbüro ab. Das ist aufwändig und produziert Kosten. Die Städte stellen eigens Personal zur Verfügung.
Nettetal/Viersen Es ist bequem. Es ist einfach. Und immer mehr tun's. Die Briefwahl, so scheint es, ersetzt immer häufiger den Gang zum Wahllokal. Was vor Jahren noch als Familienereignis zelebriert wurde – Vater, Mutter, Kinder spazieren gemeinsam zur Stimmabgabe – scheint passé. Der Antrag auf einen Wahlschein kann inzwischen auch im Internet gestellt werden. Gründe, warum lieber vorab gewählt wird, braucht niemand mehr vorzubringen. Früher war das sehr viel restriktiver: Krankheit, Urlaub, Sonntagsarbeit zählten, aber nicht sehr viel mehr.
Lieber Raum für Freizeit lassen
Heute ist das anders: "Die Leute wollen sich vorab nicht festlegen, was sie an dem Wahlsonntag machen", hat Monika Evers von der Wahldienststelle der Stadt Viersen beobachtet. "Vielleicht ist ja das Wetter schön." Und so warten viele den Wahltag erst gar nicht ab. Bei der Kommunalwahl am 30. August schnellte die Zahl der Briefwähler im Kreis Viersen von zehn auf 15 Prozent hoch. Wahrscheinlich wird das bei der Bundestagswahl am 27. September ähnlich sein.
Briefwahl
Voraussetzungen Um vorab im Bürgerbüro zu wählen, müssen Personalausweis und Wahlbenachrichtigung mitgebracht werden.
Kosten Das Zuschicken der Wahlunterlagen zur Bundestagswahl kostet die Stadt 1,45 Euro pro Wähler. Für die Briefwähler ist die Rücksendung des Stimmzettels kostenlos. Ihr Porto bezahlt der Bundeswahlleiter. Die Städte erhalten für die Organisation der Wahl vom Bund eine Pauschale. Pro Wahlberechtigtem sind das 37 Cent in Nettetal, 45 Cent in Viersen.
"Der Trend ist da", sagt Viersens Pressesprecher Peter Abrahams. Bis gestern hatten 5562 von 57 314 Wahlberechtigten in Viersen Briefwahl beantragt. Bei der Bundestagswahl 2004 wurden 8904 Anträge gestellt. 8524 Wahlscheine erhielt die Stadt zurück. In Nettetal lagen gestern 2980 Anträge vor (31 223 Wahlberechtigte). 4600 Anträge waren es bei der Bundestagswahl 2004 (31 072 Wahlberechtigte). 4435 gaben letztlich tatsächlich ihre Stimme per Brief ab. "Nicht alle schicken die Unterlagen zurück", so Nettetals Pressesprecher Christoph Kamps.
Wie viele Briefwähler es letztlich in eineinhalb Wochen tatsächlich sein werden, dazu wagt niemand eine Prognose abzugeben. Noch ist alles im Fluss. Anträge für einen Wahlschein können per Internet bis Freitag, 25. September, 18 Uhr, abgegeben werden. Spätestens wenn die Wahllokale am 27. September, um 18 Uhr schließen, muss der Briefwahlzettel im Rathaus vorliegen.
Die Wähler nutzen diesen Weg gern. "Das Beantragen des Wahlscheins übers Internet hat zugenommen", sagen Monika Evers und Christoph Kamps übereinstimmend. Ebenfalls attraktiv ist für viele die Möglichkeit, den Wahltermin individuell zu bestimmen: Sie wählen vorab im Bürgerbüro. "Wie viele das sind, wissen wir nicht", so Kamps. Die Zahl werde innerhalb der Rubrik der Briefwähler nicht gesondert erfasst.
Hilfe bei der Stimmabgabe
Damit die Stimme richtig abgegeben wird, braucht es Assistenz: Im Nettetaler Rathaus ist ein Mitarbeiter extra dafür abgestellt. In Viersen sind damit Azubis beschäftigt, deren Arbeitsaufwand dem von vier Vollzeitkräften entspricht. "Es ist wesentlich zeitaufwändiger, wenn die Leute vor Ort abstimmen", sagt Evers. Auch die Wahlvorstände, die am Wahlabend die Briefwahlstimmen auszählen, hätten mehr zu tun als die Kollegen in den Wahllokalen, so Kamps.
Kostendeckend ist das für die Kommunen nicht. Dennoch sagt Kamps: "Es ist mehr Aufwand, aber es rechnet sich." Denn: "Wir sind froh um jeden, der zur Wahl geht." FRAGE DES TAGES
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