Nettetal: Die Angst vor dem Angeklagten
VON ESTHER MAI - zuletzt aktualisiert: 15.05.2007Nettetal (RPO). Bei dem Gedanken an das Zusammentreffen mit Hans-Peter B. muss sich Martina S. auch heute noch schütteln. „Ich habe ihn als sehr unangenehm empfunden“, so die Nettetalerin. Die 52-Jährige sagte gestern im Prozess gegen Hans-Peter B. aus, der sich vor sieben Jahren im Kreis Viersen als Arzt ausgegeben haben soll. Martina S. zweifelte aufgrund seines Auftretens sofort an der medizinischen Kompetenz des Angeklagten, konnte ihre Nachbarn in Nettetal jedoch nicht von einer Behandlung abhalten.
Methoden schienen zu wirken
„Seine Methoden schienen ja auch zu wirken“, sagte die Nettetalerin. Hannelore A., die unter Rheuma und Artrose litt, konnte plötzlich wieder ihre Finger bewegen. Dem Mann von Hannelore A. habe Hans-Peter B. durch die Anordnung einer Herz–Operation das Leben gerettet. Und die Blutwerte von Martin E., der an Leukämie litt, seien nach der Behandlung von Hans-Peter B. so gut gewesen, dass sogar die Krankenhausärzte staunten.
Doch die Freude über die Heilungserfolge sei später in Angst vor dem Angeklagten umgeschlagen. „Es sprach Unheil über unser Wohngebiet aus“, sagte Martina S.. Unmittelbar danach seien dort mindestens zwei mysteriöse Unfälle passiert: Ein Wohnhaus ging in Flammen auf. Nur durch das beherzte Eingreifen eines Nachbarn seien die Bewohner nicht zu Schaden gekommen. Außerdem verunfallten die Tiere der Zeugin. Das habe den Bewohnern des Ortsteils Angst gemacht.
Zusätzlich habe er die Menschen, die seinen Rat suchten, bedroht. „Er sagte zu Martin E., dass keine weitere Heilung erfolgen könne, weil er Gott nicht dafür danke“, so die Nettetalerin. Hans–Peter B. stellte sich als Vermittler zwischen Gott und den Menschen dar. Er habe den Menschen selbst gesegnete Kerzen gegeben und habe jeden verflucht, der ihm nicht traute. Wie beispielsweise die Zeugin Resi L., die er auch nach einem Umzug ins Sauerland nicht in Ruhe gelassen haben soll.
Auch sie war gestern als Zeugin geladen. Sie bestritt, nähere Angaben machen zu können. „Für mich besteht hier der Eindruck, dass ihnen mehr von den Behandlungen von Herrn B. bekannt ist, als sie hier zugeben“, sagte der Vorsitzende Richter Herbert Luczak. Zuvor hatten Zeugen immer wieder ausgesagt, dass Resi L. bei den Behandlungen dabei war und die Menschen beschwor, sie nicht abzubrechen. Auch habe sie Kontakte zwischen dem Angeklagten und den Geschädigten hergestellt. Ihr ehemaliger Chef, ein Viersener Arzt, der Hans–Peter B. als Kollegen bezeichnete, erschien nicht, um seine Aussage zu machen. Er wird am nächsten Verhandlungstag vorgeführt.
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