Nettetal: Die Eindrücke der Reisenden
zuletzt aktualisiert: 20.06.2009Nettetal (RPO). Nettetal/Langwasser (el) Dieter "Erik" Hoffmann (52) hatte 18 000 Kilometer von Australien nach Kaldenkirchen zurückgelegt, um mit seiner Mutter Edeltraud Sabrowski deren Geburtshaus in Langwasser zu besuchen. Der 52-Jährige war erstmals in Schlesien und hörte aufmerksam den Erzählungen über Flucht und Vertreibung zu. Er lebt seit 30 Jahren in Australien, hat drei Töchter und versprach: "In meiner neuen Heimat werde ich viel über diese Reise zu erzählen."
Seine Mutter war als 17-Jährige mit ihrer Schwester Anfang 1945 vor der Roten Armee in den Westen geflüchtet. Erst 1946 sah Edeltraud Sabrowski ihre Eltern in einem Mehrfamilienhaus an der Clemensstraße in Kaldenkirchen wieder. Sie lebt heute in Solingen, verbrachte aber vor und nach der Reise einige Tage mit Dieter bei ihrer Schwester Hilde Brückner in Kaldenkirchen. Dort erinnert das Schild "Langwasser Straße" daran, dass vor 64 Jahren viele Heimatvertriebene aus Langwasser nach Nettetal kamen und hier eine neue Heimat fanden.
Die Schaagerin Roswitha Winkels, geb. Ulbich, erlebte als Vierjährige die Vertreibung und suchte jetzt mit ihrem Mann ihr Elternhaus. Sie fand es nicht. Das Haus war nach längerem Leerstand eingefallen und die Überreste abgerissen worden.
Ein 60-jähriger Krefelder, der seinen Namen nicht in der Zeitung gedruckt haben möchte, besuchte ebenfalls erstmals die Heimat seiner Mutter. Der am Niederrhein Geborene hatte – , wie sein rheinischer Vater – der Mutter nicht geglaubt, wenn sie vom großen Haus, Obstgarten und grüner Wiese schwärmte. "Wir haben Mutter Unrecht getan. Alles was sie erzählte, fand ich hier vor", sagte er. Zu spät. Die Mutter ist bereits verstorben. Die Reise unternahm er mit seiner Lebensgefährtin, die ihm half, die Emotionen zu verarbeiten.
Am Abreisetag gab es die größte Überraschung: Mit kriminalistischem Gespür und sehr viel Mühe hatte eine polnischem Standesbeamtin schließlich doch noch den Geburtseintrag von Christa Voormans in den Archiven gefunden. Sie ist das letzten im deutschen Niederschlesien geborenen Kind und besaß keine Original-Geburtsurkunde. Bisher waren deutsche und auch die polnischen Behörden davon ausgegangen, dass die Geburt von Christel Voormans, geb. Menzel, während der Vertreibung überhaupt nicht beurkundet worden sein konnte.
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