Nettetal: Die Eltern mobilisieren
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 30.04.2009Nettetal (RPO). Eine Initiative von Müttern und Vätern will erreichen, dass in Nettetal künftig ausreichend Gesamtschul-Plätze angeboten werden. Ihre Kinder wurden bereits abgewiesen. Das soll sich nicht länger wiederholen.
Eine ausreichende Anzahl an Gesamtschulplätzen schon mit Beginn des Schuljahres 2010/11 fordert eine neu gegründete Elterninitiative in Nettetal. "Wir haben den dringenden Wunsch, endlich von der Politik wahr- und vor allem ernst genommen zu werden", erklärte eine der Initiatorinnen, Manuela Schmülling, in einer Informationsveranstaltung in der Kaldenkirchener Gaststätte "Tach!". In der Stadt werde seit weit über zehn Jahren der überwiegende Wunsch von Eltern, ihr Kind eine Gesamtschule besuchen zu lassen, ignoriert und behindert.
Allein in diesem Jahr verwehrte die Gesamtschule 109 Kindern die Aufnahme. Vor nahezu 20 Jahren zwangen Eltern die widerstrebende Mehrheit des Stadtrates, eine Gesamtschule einzurichten. Damals begrenzte der Rat die Schule auf vier Züge à 30 Schüler pro Jahrgang. So dürfen nur 120 Kinder aufgenommen werden, obwohl Eltern durchweg die doppelte Zahl von Kindern anmelden.
Was noch wichtig ist
Kontakt Informationen und Unterschriftenlisten gibt es bei Angelika Rohne, Tel. 02157 3779, Kreuzmönchstraße 26, Kaldenkirchen. Mitstreiter sind jederzeit willkommen.
Ziel Die Initiative fordert keine zweite Gesamtschule, sondern ausreichend Plätze. Wie dieses Ziel erreicht werden kann, müsse die Politik erarbeiten.
Zeit Die Initiative will Unterschriften vor der Entscheidung über den Schulentwicklungsplan am 16. Juni im Rat abliefern und im Juni mit den im Rat vertretenen Parteien reden.
Ziel: andere aufrütteln
Die Initiative geht von Müttern aus, deren Kinder abgelehnt wurden. "Wir müssen Eltern aufrütteln, deren Kinder nächstes und übernächstes Jahr vor dem Wechsel in eine weiterführende Schule stehen. Es darf nicht sein, dass auch sie vor willkürlich verschlossenen Schultüren stehen", erklärte Angelika Rohne, deren Kind ebenfalls abgewiesen wurde. Sie habe lange vollkommen unterschätzt "wie politisch" alles sei, was in der Stadt mit Kindergarten und Schule zu tun habe. Eltern dürften nicht länger untätig zuschauen, wie Politik Bildungswege diktiere und sich über den Elternwillen hinwegsetze.
Empört reagierten die Mütter und Väter aus fast allen Stadtteilen (nur aus Schaag war niemand da) auf den Hinweis der SPD-Vorsitzenden Claudia Schürmann, die Stadt leite ihre Prognosen von den Zahlen der Kinder ab, die an Schulen aufgenommen werden. "Das ergibt ein völlig unrealistisches Bild, weil Jahr für Jahr mehr als hundert Kinder zwangsweise die Haupt- und Realschulen besuchen", schimpfte eine Mutter aufgebracht. Sie sei von auswärts zugezogen und von der Stadt sehr enttäuscht: "Ich musste um den Kindergartenplatz und um den Platz in meiner Wunsch-Grundschule bangen. Jetzt muss ich fürchten, dass mein Kind in dieser Stadt nicht die Schule besuchen darf, in die es gerne ginge."
Den Bildungspolitikern voraus
Politisch unterstützen wollen auch die Grünen die Initiative, die politischen Parteien allerdings Grenzen setzt: Sie will sich nicht vereinnahmen lassen. Grüne-Fraktionschef Guido Gahlings ermunterte die Eltern: "Melden Sie sich zu Wort, es geht um Ihre Kinder." Er erläuterte Teile des Schulentwicklungsplans. Fazit: Nettetals Schullandschaft entspreche nicht dem Elternwillen. "Die Eltern sind den Bildungspolitikern weit voraus", so Gahlings. Die Initiative wird jetzt Unterschriften in der gesamten Stadt sammeln und sie am 29. Mai Bürgermeister Christian Wagner überreichen. Am 28. Mai soll ein Experte auf einer weiteren Veranstaltung informieren. KOMMENTAR/FRAGE DES TAGES
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