Nettetal: Die Füße im Wackelpeter
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 06.10.2009Nettetal (RPO). Naturwissenschaftliche Erlebnisse standen beim ersten Experimentiertag am Werner-Jaeger-Gymnasium für Viertklässler auf dem Programm. Beim Forschen hatten die Kinder viel Spaß.
Die Schuhe hat Valerio schon ausgezogen. Die Hosenbeine sind hochgekrempelt. Jetzt bekommt der Neunjährige von Biolehrerin Susanne Theuring noch mit einem Schal die Augen verbunden. Hinter der Holztür verbirgt sich ein Fühlpfad. Valerio darf ihn als erster ausprobieren. Die anderen Kinder seine Gruppe sehen, wie sich die Tür hinter ihm schließt.
In diesen eineinhalb Stunden weht durch die naturwissenschaftlichen Räumen des Werner-Jaeger-Gymnasiums ein besonderer Forschergeist. 60 Viertklässler aus Nettetaler Grundschulen, aber auch aus der Umgebung – Brüggen, Boisheim, Bracht etwa – probieren sich an seltsamen Phänomenen. Physik, Chemie, Biologie und Geografie abseits vom Lehrbuch stehen auf dem Programm. Die Kinder basteln Vulkane, lassen Raketen steigen, erfahren, dass in einer 0,7 Liter Sprudelflasche ein Liter Gas steckt, basteln Magneten und lassen es ordentlich knallen.
Der Nachmittag
Die Fächer Biologie, Physik, Geografie, Chemie
Die Lehrer Susanne Theuring, Nicole Siemes (Bio), Michael Bröse, Stephan Rees (Physik), Katrin Wagner, Alphonso Izquierdo von Paller (Geografie)
Der Ablauf Die 60 Kinder waren in vier Gruppen eingeteilt. In zwei Fächern zu experimentieren, war pro Kind möglich.
Wiederholung Einen zweiten Experimentiertag gibt's am 27. Oktober
Lernen ohne Zwang
Der "Experimentiertag für Viertklässler" findet zum ersten Mal am Gymnasium statt. Er soll den Grundschülern die Angst vor der ihnen unbekannten Schule nehmen und auch für sie werben. Vor allem aber soll er eins: Spaß machen. "Die Kinder können sich ausprobieren. Sie können etwas lernen – ganz ohne Zwang", sagt Lehrerin Barbara Prümen, die den Nachmittag organisiert hat.
Ganz ohne Zwang, aber etwas zögernd begibt sich derweil Valerio barfuß auf den Fühlpfad. "Nicht gucken", ermahnt ihn Susanne Theuring. Ermutigend fügt sie hinzu: "Das kann ein bisschen rutschig werden, das kann ein bisschen pieken. Aber es tut nicht weh." Valerio schreitet über verschiedenen Untergrund: Sand und Stroh erkennt er auf Anhieb. Bei den Federn ist er unsicher. "Wo hast Du sowas schon mal gefühlt?", gibt Biolehrerin Theuring ihm Hilfestellung. "Weiß nicht." "Dann gucken wir später, was das ist." Die Erbsen identifiziert Valerio als "irgendwelche Kügelchen". Der Reis gibt ihm Rätsel auf. Da weiß er noch nicht, dass die größte Herausforderung noch vor ihm steht. In einer Wanne.
Ein paar Türen weiter schüttet Ann-Kathrin aus einem Ballon Backpulver in Essig. Als das Pulver sich in der Flüssigkeit auflöst, bläht sich der Luftballon. Ann-Kathrin hat sich auf den Experimentierparcours der Chemie begeben. In Zweiergrüppchen wird hier ausprobiert und dokumentiert. An der Tafel sind keine langen Formeln, sondern die Selbstporträts der beiden betreuenden Lehrer samt Namen zu sehen: Herr Schüller und Herr Witter steht da. Die helfen, wenn es mal nicht so klappt. Bei Ann-Kathrin klappt alles. "Ich bin hier, weil es mich interessiert", sagt sie mit einem ernsten Blick durch die Schutzbrille.
"Ich will's nicht wissen"
Mit Interesse wackelt Valerio mit den Zehen. Er steht inzwischen in der Wanne und soll sagen, in welcher Masse er da blind seine Füße gesteckt hat. "Eine Ölmasse?", rät er. "Irgendwie will ich es gar nicht wissen." Susanne Theuring lacht, dann nimmt sie Valerio den Schal von den Augen. "Es ist Wackelpudding." Valerio beschreibt beim Abtrocknen der Füße, wie es sich anfühlt im Wackelpeter zu stehen: "Es war kalt und am Boden ein schleimiges Gefühl." Dieses Erlebnis bleibt erstmal sein Geheimnis. Bevor er zu seinen Experimentierkollegen zurückkehrt, wird er auf Diskretion eingeschworen. "Nichts verraten." Schließlich soll's für alle eine einmalige Erfahrung werden.
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