Nettetal: Die Krise ist noch nicht angekommen
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 26.05.2009Nettetal (RPO). Manchmal ist Nettetal eine seltsame Stadt. Zum Beispiel bei den Finanzen. Schlecht geht es Nettetal immer. Das unterscheidet die Stadt nicht von anderen. Merkwürdig ist allerdings, dass in Nettetal der Aufschwung stets später ankommt. Jetzt scheint es so, als komme auch der Abschwung später.
Vor einem Jahr tagten die Steuerschätzer auf Schloss Krickenbeck. Das waren schöne Zeiten, es gab etwas zu verteilen. Die Konjunktur brummte noch, und die Steuerquellen sprudelten. Ein Jahr später hat der Katzenjammer die Experten ergriffen. Der Deutsche Städtetag rechnet damit, dass bis zu vier Milliarden Euro demnächst bei den Einnahmen fehlen. Vor einem Jahr war ein Überschuss in Höhe von 7,8 Mrd. Euro errechnet worden.
"Noch hat uns die Krise nicht erfasst", beteuert Kämmerer Norbert Müller. Die Stadt habe noch keinen Einbruch bei der Gewerbesteuer zu verkraften, obwohl es den Unternehmen schlecht geht. "Die meisten sind noch im Jahr 2007. Wer 2008 jetzt macht, wird möglicherweise mit Blick auf die Entwicklung das Finanzamt um Entlastung bitten", sagt er. Viele Firmen reduzieren nämlich die Vorauszahlungen, weil ihnen die Umsätze und Gewinne wegbrechen.
Die Lage der Gemeinden wird sich dadurch verschärfen, dass auch die Einkommensteuer-Anteile sinken, wenn die Entlassungswelle über das Land rollt. Das Instrument Kurzarbeit hat das bisher noch verhindert. Doch natürlich beobachtet Müller sehr genau die Entwicklung in der Stadt. Longlife wird in wenigen Wochen die Produktion einstellen. Hertie hat die Insolvenz nicht überstanden und steht vor dem Ausverkauf. Maschinenbauer und Automobilzulieferer gibt es auch in Nettetal. "Wie es ihnen geht, wissen wir nicht, aber man muss heute auf alles gefasst sein", sagt der Kämmerer. Er weiß schon, dass in Nettetal die Arbeitslosenzahlen steigen.
Trübsinn bläst er dennoch nicht. "Im Augenblick läuft es bei uns noch ganz gut." Zwar hat er den Haushalt aufgrund von längst überholten Zahlen aufgestellt. Aber das Jahressoll werde er wohl erreichen. Darüber wird Müller Ende Mai eher beiläufig den politischen Finanzkontrlleuren berichten. Die Sitzung steht in dieser Woche an.
Das Konjunkturpaket II des Bundes hat keinen Einfluss auf die Entwicklung. Wie Müller berichtet, sind die damit verbundenen Aufträge noch nicht einmal ausgeschrieben worden. "Die eigenen Maßnahmen werden zurzeit vorbereitet. Mit den Trägern wie beispielsweise Kirchen- und Pfarrgemeinden haben wir Informationsveranstaltungen gehabt."
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