Nettetal: Die Kuh ist schwarz-rot-gold
VON ROBERT RIST - zuletzt aktualisiert: 03.10.2009Nettetal (RPO). Einer Gruppe von Lobbericher Milchbäuerinnen reicht das reine Protestieren nicht mehr. In der Fußgängerzone verschenkten sie Milch und sammelten Unterschriften für einen fairen Milchpreis.
Streit der Verbände
Zwist Zwischen dem Deutschen Bauernverband und der dem Bund Deutscher Milchvieherzeuger (BDM) herrscht Uneinigkeit. Der BDM ist für eine EU-weite Reduktion der Milchproduktionsmenge. Der Bauernverband fordert mehr Geld aus Brüssel.
Übereinstimmung Einig sind sie sich darin, dass jeder Bauer mindestens 35 Cent pro Liter Milch Einnahmen zum Überleben braucht.
Eine schwarz-rot-goldenene Kuh ist mit Protestzetteln beklebt. Ein kleiner Junge bleibt mit seiner Mutter stehen und zieht an der Glocke am Hals der Kuh. Viele Passanten bleiben auch stehen. Sie diskutieren mit Milchbäuerinnen. Es ist Protestzeit. Fünf Lobbericher Milchbäuerinnen, die seit der vergangenen Woche aktiv gegen den Milchpreis demonstrieren, haben sich Verstärkung geholt. Und sie haben beim Protestieren einiges dazugelernt: "Die Leute haben uns schon vergangene Woche gefragt, wo sie unterschreiben sollen. Aber damit hatten wir gar nicht gerechnet", erklärt Andrea Erkens.
Andrang auf Milch
Die geänderte Strategie bewährt sich. In Lobberich an der Hochstraße verschenken die Bäuerinnen 200 Liter Frischmilch. Sie war nach anderthalb Stunden ausgeschenkt. Passanten stehen danach noch bei ungemütlichen Temperaturen an, um sich in der Unterschriftenliste einzutragen. "Über 300 Unterschriften haben wir auf diesem Weg erhalten", berichtet Annette Siemes, "mit so einem Andrang hatten wir nicht gerechnet, wir haben zu wenige Listen kopiert." Sie sollen dem Bund Deutscher Milchvieherhalter (BDM) übergeben und an politisch Verantwortliche weitergeleitet werden.
Die Forderung der Milchbäuerinnen ist unmissverständlich: "40 Cent pro Liter Milch müssten wir Milchbauern einnehmen, ansonsten zahlen wir drauf", erklärt Marianne Knoblich. Zu schaffen sei das dadurch, dass die Produktionsmenge von Milch flexibler gesteuert wird – das sei eine Aufgabe für die Politik. Vom Regierungswechsel erhoffen sich die protestierenden Bauern "Schritte in die richtige Richtung". Zur Unterstützung ihrer Forderung haben die Männer der Milchbäuerinnen gestern zeitgleich vor der Landwirtschaftskammer in Viersen demonstriert.
Sie sind überzeugt, dass Deutschland als Europas größter Milcherzeuger den Weg ebnen müsse. Eine Lösung des Problems sei aber nur international zu erreichen. Wie schwierig die Lösung des Problems ist, zeigt auch die Reaktion der Passanten. Sie zeigen sich einerseits solidarisch: "Wir unterschreiben, weil wir den Protest gut finden", erklärt ein Ehepaar. Andererseits räumt eine Rentnerin offen ein, sie kaufe "die billige Milch bei Aldi". Für mehr reiche ihre geringe Rente nicht. So entscheiden individuelle finanzielle Möglichkeiten über den Grad an Solidarität.
Dass die Bäuerinnen auch im Konflikt auf die Hilfe des Staates hoffen, zeigt Marianne Knoblichs T-Shirt. Darauf steht schwarz auf weiß: "Opel, Opel – und wer hilft uns?" Es wird nicht der letzte Protest gewesen sein. FRAGE DES TAGES
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