Nettetal: Die Nette braucht mehr Platz
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 06.12.2010 - 18:00Nettetal (RPO). Für den kleinen Fluss gibt es eine Verordnung, die seine Überschwemmungsgebiete festschreibt. Die Behörden wachen streng darüber, dass dort der Abfluss von Wasser behindert wird. Ausnahmen gibt es nur ganz selten.
Nettetal/Viersen Die heftigen Regenfälle an einem Wochenende im November haben vielen Menschen ins Bewusstsein gerufen, wie stark die Natur auch bei uns sein kann. Graben- und Abflusssysteme waren streckenweise überfordert, viele Keller liefen voll. Die Wasserschäden waren beträchtlich. Der sorgenvolle Blick zum Himmel ist sinnlos: Unsere Gewässer müssen ausreichenden Raum erhalten, um große Regenmengen aufnehmen zu können.
Für die Nette sind daher jetzt Überschwemmungsgebiete festgelegt worden. Die darin aufgenommenen Flächen sind tabu. "Der Verordnungstext schreibt vor, dass in den erfassten Flächen nichts zugelassen wird, was den Abfluss von Überschwemmungswasser behindern könnte", erklärte Dieter Kumstel, Leiter des Amtes für Technischen Umweltschutz und Kreisstraßen. Die auf EU-Regeln basierende Verordnung ist da recht kleinlich. Nicht nur Gebäude oder Erdwälle, sondern auch Anpflanzungen dürfen diese Vorgabe nicht beeinträchtigen.
Die Nette
Der Fluss Der Fluss entspringt bei Dülken und mündet nach fast 29 Kilometern in Wachtendonk in die Niers. Bei Leuth erhielt sie einst ein anderes Bett, um Krickenbecks Schlossgraben zu speisen.
Die Seen Zwölf Seen haben Menschen vor mehr als 200 Jahren durch Austorfungen geschaffen.
Es gibt Ausnahmen
Es gibt keine Regel ohne Ausnahme: Der Kreis kann im Einzelfall Maßnahmen genehmigen, die gegen die Verordnung verstoßen. Allerdings muss dann in unmittelbarer Nähe ein Ausgleich geschaffen werden. Für den Außenstehenden gibt es verwirrende Zuständigkeiten, die von der Landesregierung und ihren Untergliederungen über die Bezirksregierung zu den Kreisen, Städten und Gemeinden sowie Wasser- und Bodenverbänden reichen. Aufsicht führt die Regierungspräsidentin. Das Konzept des Hochwassermanagements richtet sich hauptsächlich an die Planungsbehörden, aber auch direkt an die Bürger und an beispielsweise Architekten. Ein grafisches Informationssystem ist für die Kommunen freigeschaltet. Daraus können Altlasten, Wasserschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete und künftig Überschwemmungsflächen abgelesen werden.
Auf Karten wirken die ausgewiesenen Überschwemmungsflächen gewaltig groß. Sie wurden nicht willkürlich angelegt, sondern nach sorgsamen Berechnungen. Maßstab sind "Regenereignisse" in einer Intensität, die alle hundert Jahre einmal vorkommen. Dann kann das Wasser sich auf den ausgewiesenen Flächen ausbreiten und dort allmählich im Erdreich versickern oder in die Nette abfließen. Behördenvertreter wie Kumstel setzen nicht nur auf die Verordnung, sondern vor allem auf Einsicht. Die Flüsse und Bäche benötigen ausreichend Freiraum, um bei außergewöhnlichen Niederschlägen das anfallende Wasser verkraften zu können. Je beengter diese Räume werden, desto schwieriger wird es, große Wassermassen zu beherrschen. Die Nette hat einen von Menschenhand gescha ffenen unschätzbaren Vorteil: Ihre Seen funktionieren hervorragend als Auffangbecken – die Kapazitäten des kleinen Flusses sind dennoch begrenzt.
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