Nettetal: Die Reißleine gezogen
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 13.06.2008Nettetal (RPO). Wie es zur Insolvenz der Polfers Backwaren GmbH in Lobberich und Hinsbeck kam. Was aus den Geschäftslokalen wird, ist noch ungewiss. Das Stammunternehmen in Walbeck ist nicht betroffen.
Guten Mutes ist Heinz-Dieter Polfers im Frühjahr 2007 daran gegangen, sein kleines Bäckereireich zu erweitern. Der Bäckermeister aus Geldern-Walbeck greift zu, als er von seinem Lobbericher Kollegen Hans-Leo Driehsen das Angebot erhält, dessen Backbetrieb mit vier Verkaufsstellen zu übernehmen. Heute weiß der 42-Jährige: „Das hat sich als Fehleinschätzung herausgestellt.“
Bisher hat er die Bäckerei in Walbeck mit gutem Erfolg geführt. Zum Stammhaus im „Spargeldorf“ kamen sechs Verkaufsstellen im Raum Geldern hinzu. Alle laufen gut. Er kauft den Driehsen-Firmenmantel, mietet die Verkaufsräume mit Backstube, übernimmt das Personal und gründet die Polfers Backwaren GmbH, in der das Nettetaler Geschäft zusammengefasst wird, das ab 1. August unter Polfers läuft.
Bäckerei Polfers
Einzelfima Die Bäckerei Heinz-Dieter Polfers ist ein Handwerksbetrieb und juristisch eine Einzelfirma. Sie hat sechs Filialen und beschäftigt 26 Mitarbeiter/innen.
GmbH Für die Übernahme der Bäckerei Driehsen gründet Polfers die „Polfers Backwaren GmbH“ als Kapitalgesellschaft. Er ist dort auch Geschäftsführer, zahlt sich aber kein Gehalt aus.
Den ersten Strich durch die Kalkulation macht das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Kreises Viersen. Nach einer eingehenden Kontrolle der Backstube spricht es in einer Verfügung vom 20. August 2007 ein Betriebsverbot für die Backstube aus. Da die Auflagen so schnell nicht zu erfüllen sind, kauft die GmbH die Waren bei der Einzelfirma Polfers ein – und steht dort heute mit 100 000 Euro in der Kreide, da neben Produkt- auch hohe Transportkosten anfallen. „Die wird man wohl abschreiben müssen“, meint im Gespräch mit der RP Rechtsanwalt Hans Kohler. Der Gelderner Fachanwalt für Arbeitsrecht bemüht sich nun darum, dass die Einzelfirma nicht in den Strudel hineingerissen wird.
Es gehört zur persönlichen Tragik von Polfers, dass er ab dem zweiten Halbjahr 2007 oft durch Krankheit ausfällt und kein gutes Händchen bei der Auswahl eines kaufmännischen GmbH-Verwalters hat. „Eigentlich hätte man viel früher handeln müssen“, sagt Anwalt Kohler nach dem Aktenstudium. Als die Bank die Kreditlinie nicht ausweiten will, „habe ich empfohlen, die Reißleine zu ziehen“. Auf Antrag vom 5. Juni hin eröffnete das Amtsgericht Kleve das Insolvenzverfahren am 9. Juni. Kohler: „Bis Ende April sind alle Mieten, Löhne und Sozialabgaben gezahlt worden. Den 14 Mitarbeiterinnen wurde offiziell gekündigt worden. Die haben einen Insolvenzgeldanspruch.“
Herrin des Verfahrens ist die vom Amtsgericht als vorläufige Insolvenzverwalterin eingesetzte Krefelder Rechtsanwältin Claudia Heidersdorf. Sie hat Kontakt aufgenommen mit der Steuerberaterin und dem Rechtsanwaltsbüro Boyxen, das der aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gegangenen Hans-Leo Driehsen (59) vertritt. Ihm gehören drei der vier Häuser mit Polfers-Verkaufsstellen. „Wir versuchen, aus den Pachtverträgen einvernehmlich herauszukommen und möglichst schnell Nachfolger zu finden“, erläutert er.
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