Nettetal: Die Siegeshymne fiel aus
VON SANDRA BROUWERS (TEXT) UND FRANZ-HEINRICH BUSCH (FOTOS) - zuletzt aktualisiert: 01.07.2008Nettetal (RPO). Es hat nicht sollen sein: Auch beim Public Viewing in der „Hattrick Hall“ gab es nach der Finalniederlage gegen Spanien lange Gesichter. Doch die Hoffnung starb zuletzt – und etwas gefeiert wurde trotzdem.
Schwarz, Rot, Gold und Weiß. Andere Farben suchte man am Sonntagabend vergeblich an der „Hattrick Hall“ in Lobberich. Dorthin waren mehrere hundert Menschen gekommen, um das Finale der Fußball-Europameisterschaft gemeinsam zu genießen. Draußen auf dem Hof der ehemaligen Tennishalle war eine große Bühne mit Leinwand aufgebaut.
Die meisten Fans blickten bereits während der umfangreichen Vorberichterstattung gebannt auf die Leinwand. Um die Stimmung anzuheizen, spielten die Veranstalter Partylieder, angefangen bei „So sehen Sieger aus“ bis zu den aktuellen EM-Hits, so zum Beispiel „Feel the Rush“ von Shaggy. Zeitgleich wurden kleine Zettel an die Zuschauer verteilt, auf denen der Liedtext einer Siegeshymne aufgedruckt war, die nach dem Spiel von allen gesungen werden sollte.
Die nächste EM
Termin 9. Juni bis 1. Juli 2012
Gastgeber Polen und die Ukraine hatten sich mit ihrer gemeinsamen Bewerbung bei der letzten Abstimmung gegen Italien durchgesetzt.
Probleme Weil die Vorbereitungen in beiden Ländern schleppend verlaufen, hat Uefa-Präsident Michel Platini bereits mit dem Entzug der EM gedroht.
Dann war es soweit: Die Nationalhymne wurde gespielt. An der Hattrick Hall wurde es leiser und auch diejenigen, die bereits Platz auf den vereinzelten Bänken gefunden hatten, standen auf und blickten stolz zur Leinwand. Anpfiff. Die Fans verfolgten jedes Detail beim Spiel und kommentierten das Geschehen mit Schlachtgesängen und vielen „Ohh“- und „Ahh“-Rufen. „Los, aufstehen“, wird Ballack nach seinem Sturz zugerufen. „Schneller nach vorne“, tönt es von der anderen Seite. Bei jedem Ball, den Lehmann hält, gibt es anerkennenden Applaus. Wenn ein deutscher Stürmer auch nur in die Nähe des spanischen Tors geriet, waren sofort Jubelschreie unter den Fans zu hören.
Doch dann das 1:0 für Spanien – gedrückte Stimmung bei den Fans. In der Halbzeitpause doch noch große Hoffnung: „Das wird schon wieder. Gleich hängen sich die Jungs richtig rein, und wir schaffen den Ausgleich“, hoffte der Fan Peter Meisen. Er schwenkte seine Deutschlandfahne zur Bekräftigung.
Zweite Halbzeit. Wer jetzt vor der Bühne, also vor der Leinwand vorbei musste, zog den Kopf ein und rannte schnell rüber. Denn niemand wollte den anderen Gästen die Sicht verdecken. Bei jeder weiteren Torchance der Spanier zuckten die Fans zusammen. Dann die Einwechslung des Spielers Kuranyi: „Nein“ – die Fans waren eindeutig gegen diese Personalentscheidung.
Dann ging es langsam auf das Ende zu. Die Hoffnung war immer noch da. Banges Mitfiebern und dann der Schlusspfiff. Schweigen machte sich auf dem Platz breit. Kaum einer konnte die Niederlage der deutschen Mannschaft glauben. Die Fans blickten weiterhin auf die Leinwand. Nach einigen Minuten lösten sich dann langsam die Fangemeinschaften auf und strömten zu ihren Fahrzeugen. Viele hatten ihre Autos extra für den Autokorso dekoriert.
Doch der Siegeszug blieb aus – und auch das geplante Singen der Siegeshymne fiel ins Wasser. Dennoch fanden sich einige Fans in der Innenstadt Lobberichs, die feierten: „Hey, wir sind immerhin Vize-Europameister. Das ist doch toll“, freute sich Barbara Menten und drückte euphorisch auf die Hupe ihres Wagens.
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