Nettetal: Die Stadt mit anderen Augen
zuletzt aktualisiert: 05.08.2009Nettetal (RPO). Interview mit Helma Josten über den Nettetal-Film, den die CDU zunächst nur für ihren Wahlkampf in Auftrag gab
Reißenden Absatz bei den Bürgern findet eine DVD, die die CDU ursprünglich nur für ihren Kommunalwahlkampf hatte anfertigen lassen. Der Film über Nettetal ist mehr als pure politische Propaganda und soll auch später zur Verfügung stehen. Im Laufe ihrer Arbeit entdeckten die Macher eine ganz andere Perspektive der Stadt. Das Konzept entwickelte Helma Josten, die in Lobberich mit Jürgen Barz eine Werbeagentur betreibt.
Warum macht man einen Film über Nettetal?
Josten Erstens, weil die vorhandenen Filme in die Jahre gekommen sind. Zweitens, weil die CDU einmal einen anderen Weg gehen wollte, um für sich zu werben. Harald Post hatte die Idee, die anderen waren Feuer und Flamme.
Videoproduktionen
Jansen AV-Produktionen Stephan Jansen machte den Film über Nettetal. Er arbeitet für Firmen, Kommunen und andere Institutionen, bildet aber auch im Medium Videofilm aus. www.auvikom.de
HelMAC Die Agenturen click! und HelMAC befinden sich in Lobberich, Am Treppchen (an der Alten Kirche). www.amtreppchen.de
Warum haben Sie mit dem Tönisvorster Filmemacher Stephan Jansen zusammengearbeitet?
Josten Wir haben uns einige seiner Arbeiten angesehen. Wir fanden vor allem seinen Film über Krefeld sehr gut. Das war die Basis.
Sind Sie mit ihm losgezogen, um hier und da ein paar Sequenzen aufzunehmen, die man dann zu einem Film zusammenbaut?
Josten (lacht) Das wäre vollkommen unmöglich. Wir haben im Winterhalbjahr erst einmal mit einigen Leuten zusammengesessen und Brainstorming gemacht: Was kann, soll und muss man für einen Film über Nettetal aufnehmen? Dann habe ich eine Konzeption entwickelt. Das ist eine über viele Tage und Wochen laufende Arbeit, die immer wieder abgeändert und umgekrempelt wurde.
Sehen Sie Nettetal heute mit anderen Augen als vor Beginn dieser Arbeit?
Josten Auf jeden Fall. Ich bin ganz begeistert von unserer Stadt. Mir war nie wirklich bewusst, wie schön und vor allem wie grün sie ist.
Glauben Sie, dass sich unsere Sehgewohnheiten durch Fernsehen und Computer so verändert haben, dass wir eher dort Bilder unserer Stadt aufnehmen als die Wirklichkeit?
Josten Da ist etwas dran. Wir alle haben unsere alltäglichen Begegnungen mit dieser Stadt. Ich reite gerne und habe vom Rücken des Pferdes aus meinen Blick auf Nettetal. Ich glaube auch, dass die vielen Wanderer zu Fuß und auf den Fahrrädern in Bereiche vordringen, die mir und anderen verborgen bleiben. Aber ich denke, dass der Film tatsächlich für viele eine ganz neue Perspektive auf Nettetal öffnet.
Hat sich Ihre Perspektive verändert?
Josten Ja. Das betrifft nicht nur die Begegnung mit der Natur und das tiefere Kennenlernen anderer Stadtteile. Ich bin Lobbericherin und kannte weder den Altenhof in Kaldenkirchen noch das Weiher Kastell in Breyell. Man hört davon und hakt es ab. Die Besuche dort haben eine sehr eindrücklichen Wirkung auf mich gehabt.
Haben Sie auch ungewöhnliche Perspektiven verwandt?
Josten Wir haben weniger experimentiert. Eine ganz andere Perspektiven bieten die Luftbilder. Wir sind anderthalb Stunden über Nettetal geflogen, überwiegend in Schieflage. Ich fand's nicht sehr angenehm. Aber von da oben kann man die riesigen Wald- und Heideflächen sowie die Seen und die Nette erst richtig sehen.
Was ist besonders haften geblieben?
Josten Das lässt sich spontan kaum aufzählen. Ich habe bewusst erstmals festgestellt, wie viele Schulen es in der Stadt gibt. Das gilt auch für die Sportanlagen. Einige Schulbauten finde ich ganz toll, das gilt auch für Sportanlagen. Beeindruckend ist die industrielle Prägung Kaldenkirchens, wo wirtschaftlich das Herz der Stadt schlägt. In Breyell ist es ähnlich. Die kulturelle Vielfalt wird ebenfalls in der filmischen Zusammenstellung deutlich. Ich habe parallel mit meiner Kamera fotografiert und so ein digitales Bildarchiv aufgebaut, das jetzt wohl eines der umfangreichsten seiner Art über Nettetal ist.
Menschen waren Ihnen auch sehr wichtig, wie der Film zeigt.
Josten Ja, natürlich, es geht um die Stadt und ihre Menschen in dem Film. Wir haben uns Termine von Veranstaltungen gesucht, um sie zu filmen. Ich war tief beeindruckt von der Atmosphäre bei der Gefallenenehrung im Schaager Kreuzgarten. Das war düster, aber entsprach dem Anlass. Uraltes Brauchtum ist in großen Teilen der Bevölkerung sehr tief verwurzelt. Das spürt man dann. Im atmosphärischen Kontrast dazu stehen Aufnahmen vom Kaldenkirchener Frühlingsfest oder vom Lobbericher Feuerwehrfest.
Haben Sie mit Komparsen gearbeitet?
Josten Das war manchmal ganz amüsant. Wir haben beispielsweise Fahrradgruppen organisiert. Es nutzt nichts, tolle Wanderwege ohne Menschen zu zeigen.
Welche Lehren ziehen Sie aus der Arbeit an dem Film?
Josten Ich weiß jetzt, dass ich von Nettetal nicht viel wusste. Ich glaube, das ergeht vielen Bürgern so, weil jeder eben seine ganz persönliche Perspektive entwickelt. Der Film kann vielleicht dazu beitragen, dass man sich erst dort, dann in Wirklichkeit gegenseitig besucht.
Die Fragen stellte Ludger Peters
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