Nettetal: Die Stiftung der alten Dame
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 25.11.2010Nettetal (RPO). Lobberichs neuer Kindergarten an der Mühlenstraße geht auf das Vermächtnis von Maria Agnes Bongartz zurück, die ihr Vermögen in ihrem Testament für ein Waisenhaus zur Verfügung stellte.
Beruhigt schloss am 11. November 1906 Maria Agnes Bongartz für immer die Augen. Die alleinstehende alte Dame hatte schon zeitig damit begonnen, die Verwendung ihres Nachlasses zu regeln. So fuhr sie am 1. Oktober 1896 zum Königlich Preußischen Notar Heinrich Georg Werner-Güntzer in Kempen, um die Gemeinde Lobberich als ihre Universalerbin einzusetzen.
In erster Linie kam es ihr darauf an, dass in dem von ihr bewohnten Haus an der Hochstraße 29 ein Waisen- und Erziehungshaus für katholische Mädchen eingerichtet werde. Zu Testamentsvollstreckern bestimmte sie den Bierbrauereibesitzer Jacob Huenges und den Goldarbeiter Wilhelm Wustmann.
Neuer Kindergarten
Umzug Mit dem Neubau hat der Kindergarten Bongartzstift den Ortskern verlassen und ist an die Mühlenstraße gezogen.
Offene Tür Nach der Eröffnungsfeier am Samstag, 27. November, steht der Kindergarten ab 12 Uhr zur Besichtigung offen.
Neues Konzept Neben drei Gruppen für Drei- bis Sechsjährige gibt es nun auch eine U3-Gruppe.
Die Gemeinde trat das Erbe an und errichtete die Stiftung. Darüber hinaus erfolgten Zahlungen an die katholische Pfarre St. Sebastian, für ein jährliches ein Seelenamt für die Familie Bongartz. Für sich selbst wünschte sie sich ebenfalls jährlich ein feierliches Hochamt an ihrem Todestage.
Den letzten Willen erfüllen
Das Waisenhaus ist im Jahre 1909 in der Hochstraße 29 eröffnet worden. 30 Jahre wurden hier Mädchen von Ordensschwestern betreut, dann beschlagnahmte der Staat das Haus und brachte die Frauen des Reicharbeitsdienstes unter. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im November 1945 eine Nähschule eingerichtet. Das Heim eröffnete erst wieder 1951/52, allerdings nun als Säuglingsheim. Als die Belegungszahlen immer weniger wurden, beschloss der Stadtrat 1973, einen Kindergarten einzurichten.
Der Wille der Stifterin war wörtlich nicht mehr zu erfüllen, wohl aber sinngemäß mit der Betreuung von Kindern. Die Bongartzstiftung finanziert sich aus den Erträgen des Haus- und Grundvermögens. Dazu gehört vor allem der Bongartzhof im Sassenfeld (gegenüber der Gaststätte "Jägerhof"), auf dem Maria Agnes Bongartz mit fünf Geschwistern aufgewachsen war.
Bereits 1688 ist dort ein Bongartz nachzuweisen. 1903 hat Maria Agnes Bongartz noch selbst den Hof an Heinrich Schmitz verpachtet, heute führt ihn in der dritten Generation Heinz Schmitz. Von ursprünglichen elf Morgen Grünland und 54 Morgen Ackerland des Urgroßvaters, werden heute 130 Morgen Land bewirtschaftet.
Maria Agnes Bongartz verfügte darüber hinaus in ihrem Testament, dass eine angekaufte Doppelgrabstätte (zwischen Kriegerehrenmal 70/71 und Priestergruft) stets kostenfrei reserviert bleibe. Die Gemeinde habe "diese Grabstätte zu bepflanzen und stets sorgfältig instand zu halten". Hier steht heute ein Grabstein aus Granit mit der Inschrift "Zum Andenken für Geschwister Johann Heinrich Maria Gertrud und Maria Agnes Bongartz".
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


