Nettetal: Drei Projekte im Lobbericher Herbst
zuletzt aktualisiert: 22.10.2008Nettetal (RPO). Mit dem Reformationstag am Freitag, 31. Oktober, beginnt in der evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck eine bemerkenswerte Reihe von Herbst-Veranstaltungen. Die Gemeinde stellte im vergangenen Jahr erstmals die Frage „Warum bin ich Protestant?“ Beantworten wird sie in diesem Jahr um 19 Uhr im Gemeindehaus an der Steegerstraße der Lobbericher Buchhändler Hans K. Matussek. Seine Thesen dienen als Grundlage einer Diskussion.
Parallel beginnt im Gemeindehaus an diesem Tag eine kleine Ausstellung mit Fotos vom Weltjugendtag in Australien. Walter Schierkes, Gemeindereferent der katholischen Pfarre St. Sebastian, war mit Jugendlichen dort. Die evangelische Gemeinde hat ihn und die teilnehmenden Jugendlichen eingeladen, die Fotos auszustellen und zu erläutern.
Am 9. November, jenem geschichtsträchtigen Tag des Deutschlands im 20. Jahrhundert, setzt die Gemeinde das im vergangenen Jahr begonnene Projekt Katzenelson fort. Jitzchak Katzenselson war im Warschauer Ghetto von der jüdischen Gemeinschaft auserkoren, gerettet zu werden und das Judentum zu sichern. Er geriet jedoch in eine heimtückische Falle der Gestapo und kam nach einem Zwischenaufenthalt in einem Elsässer Lager in Auschwitz um. Katzenselson hinterließ jedoch ein umfangreiches Epos mit 15 Gesängen und jeweils 15 Strophen, das er in dieser Zeit verfasste.
Im vergangenen Jahr verlas Pfarrer Dr. Matthias Engelke die erste Strophe. Der Eintritt kostete 5 Euro, das Geld fließt an die jüdische Gemeinde in Krefeld und soll den Kauf eines kostbaren Toraschreins unterstützen. Das Projekt wird jeweils am 9. November des folgenden Jahres mit der nächsten Strophe fortgesetzt, dabei erhöht sich stufenweise der Eintrittspreis (diesmal 7 Euro). Wer einmal eine Karte erworben hat, hat mit ihr Zugang für alle weiteren Vorträge des Epos.
Engelke sieht darin einen Beitrag, jüdisches Kulturleben wieder an den Niederrhein zu bringen. „Es hat den Niederrhein über Jahrhunderte geprägt. Diese Lücke sollte wieder gefüllt werden“, sagte er gestern. Vielleicht habe sich in Nettetal ja nach dem Ende der letzten Strophe in 13 Jahren wieder eine jüdische Gemeinde entwickelt. Mit seiner Frau Beate hat der Pfarrer einen Teil der Strecke Breyell-Auschwitz mit der Bahn zurückgelegt. Die erste Etappe ging bis Rommerskirchen, die zweite bis Koblenz. Standbilder, die minütlich aus dem fahrenden Zug aufgenommen wurden, werden am 9. November gezeigt.
Schließlich plant die Gemeinde außerdem einen ökumenischen Freiluftgottesdienst im Innenhof des Rathauses am Buß- und Bettag, Mittwoch, 19. November, um 19 Uhr. Sein Thema „Teilen“. Engelke: „Früher hieß das mal Solidarität.“
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