Nettetal: Drogendealer ist geständig
VON HENDRIKE SPAAR - zuletzt aktualisiert: 06.01.2012Nettetal (RP). Zwei Nettetaler müssen sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Krefeld verantworten. Sie sollen einen schwunghaften Handel mit Betäubungsmitteln betrieben haben. Vier weitere stehen wegen Kurierfahrten vor Gericht.
Rund 20 Minuten dauerte es gestern Morgen im Landgericht Krefeld, bis die Staatsanwältin zum Prozessbeginn die mehrseitige Anklageschrift komplett verlesen hatte. Darin werden sechs Angeklagten aus Nettetal im Alter zwischen 15 und 24 Jahren rund 50 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz zur Last gelegt.
So sollen die beiden volljährigen Angeklagten – die sich seit Juni in Haft befinden – bereits seit Jahren jeder für sich einen schwunghaften Handel mit Amphetaminen und Ecstasy-Pillen betrieben und sich im Herbst 2010 zusammengeschlossen haben, um gemeinsam ein straff organisiertes Bezugs-, Lagerungs- und Absatzsystem aufzubauen. Den anderen vier Angeklagten, von denen drei ebenfalls in Untersuchungshaft sitzen, wird vorgeworfen, sich bei der Mehrzahl der angeklagten 50 Taten als Kuriere betätigt zu haben.
So geht es weiter
Prozessauftakt Am Donnerstag hatten die Angeklagten Gelegenheit, sich zur Anklageschrift zu äußern. Weiter geht es am Dienstag, 17. Januar, um 9 Uhr, im Landgericht Krefeld. Dann sollen auch erste Zeugen gehört werden.
Weitere Termine sind Donnerstag, 19. Januar, Mittwoch, 25. Januar und Donnerstag 2. Februar jeweils ab 9 Uhr.
Alles über den Kopf gewachsen
Während einige der Angeklagten darauf verzichteten, sich zu der Anklageschrift zu äußern, räumte einer der volljährigen Beschuldigten ein, "dass alles so stimmt, wie es gerade vorgelesen wurde". In seiner mehr als einstündigen Befragung schilderte der 21 Jahre alte Nettetaler, dass er mit 15 Jahren von zu Hause weggegangen und dann auch erstmals mit Drogen in Kontakt gekommen sei. "Mir ist im Laufe der Zeit alles über den Kopf gewachsen", erklärte der 21-Jährige. Im Alter von 19 Jahren begann er nach eigenen Angaben zu dealen. So sei er es auch gewesen, der die Kontakte zu zwei niederländischen Dealern mit in die Geschäftsbeziehung eingebracht habe, während sich sein Kollege schwerpunktmäßig um Transportmöglichkeiten, die Beschaffung der Fahrzeuge und um die Kontakte zu Kurieren gekümmert habe.
Nach Angaben des Angeklagten sind die Kurierfahrten fast immer nach dem gleichen Schema abgelaufen. Per Handy wurde ein Treffpunkt mit den Dealern in den Niederlanden vereinbart. Dort wurden die Drogen abgeholt und bezahlt. Um das Risiko einer Kontrolle zu verringern, waren bei den Kurierfahrten immer zwei Autos unterwegs – wobei es zu den Aufgaben des vorausfahrenden Fahrzeuges gehörte, das Fahrzeug mit dem eigentlichen Kurier vor Polizei- und Zollkontrollen zu warnen.
Der geständige Angeklagte ist zuletzt nicht mehr selber gefahren, sondern zahlte einem der Mitangeklagten je 200 Euro für zwei Kurierfahrten. Dabei sollten beim ersten Mal fünf Kilogramm Amphetamine und beim zweiten Mal 1000 Ecstasy-Pillen nach Nettetal gebracht werden – die kamen nicht an, weil die Polizei den Wagen an der Grenze stoppte.
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