Nettetal: Dynamik trotzt Langeweile
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 16.02.2010Nettetal (RPO). Bürgermeister Christian Wagner hat die Diskussion um das "Leitziel 2015+" angestoßen. Die Stadt soll ihre Zukunft aus eigener Kraft gestalten. Studenten der Fontys-Hochschule sammelten über Befragungen Grundlagen.
Die Natur ist das Pfund, mit dem Nettetal gegenüber den Bürgern ebenso wuchern kann wie gegenüber Touristen, möglichen Neubürgern und ansiedlungswilligen Unternehmen. Nettetal strahlt Ruhe und Sicherheit aus, die Stadt hat Solidität. Andererseits hat Nettetal keine ausgeprägte Dynamik. Die Gefahr, von der Ruhe in die Langeweile abzugleiten, ist vorhanden. "Diesen Eigenschaften müssen wir uns stellen, wenn wir die Zukunft gestalten wollen", erklärt der Leiter der Nette-Zentrale, Dietmar Sagel.
40 Jahre nach Gründung der Stadt kurbelt Bürgermeister Christian Wagner die "Leitziel-Diskussion 2015+" an. Sie ist nicht auf eine mittelfristig begrenzte Zukunftsplanung gerichtet. Erste Grundlagen lieferte eine Befragung der Bürger im vergangenen Jahr. Studenten der Venloer Fontys-Hochschule schrieben Firmen und Vereine mit der Bitte an, Fragen über Nettetal zu beantworten. Eine andere Gruppe befragte auf den Straßen aller Stadtteile Bürger nach ihrer Meinung über die Stadt. Zwar wurde in der Art der Befragung deutlich, dass hier Marketing-Studenten am Werk waren, aber die Ergebnisse dürften die weitere Diskussion fördern, meint Sagel.
Fontys fragte
Befragung I Die Fontys-Studenten befragten in den Straßen etwa 200 Bürger. Dazu war ein Schlüssel nach Stadtteilen, Alter und Geschlecht ausgearbeitet worden.
Befragung II Einen anderen Charakter hatte die schriftliche Befragung von Firmen und Vereinen. Die Antwortquote bezeichnet die Stadt als hoch und im Ergebnis als aufschlussreich.
Positiver Zugang
"Die Nettetaler haben einen überwiegend positiven Zugang zu ihrer Stadt. Sie betrachten Nettetal nicht als eine Einheit aus einem Guss, sondern als Mosaik unterschiedlicher und eigenständiger Teile, die sich zu einem überzeugenden Ganzen zusammenfügen", erklärt Sagel. Die Bezeichnung "Stadt" stehe keineswegs im Widerspruch zur ländlichen Struktur, zu der sich die Bürger vorbehaltlos bekennen. Diese Gegensätze können nach Sagels Auffassung sogar die fehlende Dynamik in Gang setzen.
Ruhe sollte nicht durch Aufgeregtheit ersetzt werden, Dynamik müsse gezielt dort entwickelt werden, wo die Stadt sie dringend benötige. Für innere Dynamik sorgen die zahlreichen Vereine. Sie beeinflussen und gestalten das Leben in der Stadt maßgeblich, gehören aber eher in das Raster "Ruhe und Leben" in Nettetal.
Auf dynamische Prozesse uneingeschränkt angewiesen sind die Bereiche Wirtschaft und Bildung. "Dynamik benötigt jeder Bereich für sich. Uns ist aber auch wichtig, das Zusammenspiel beider zu fördern und in einen dynamischen Prozess zu bringen. Nur so kann Nettetal die Zukunft vor der Kulisse sich verändernder Bevölkerungsstrukturen und konjunkturellen Entwicklungen selbst beeinflussen", unterstreicht Sagel.
"Wir wollen uns auf wesentliche Kernaussagen der gesamtstädtischen Entwicklung beschränken und ein konkretes Zukunftsziel entwickeln", erklärt er weiter. In den kommenden Monaten solle mit dem Rat ein konkreter Prozess vereinbart werden, in den die Bürger direkt eingebunden werden. "Unsere Zieldiskussion kommt aber erst später, wenn die Strukturen klarer und die Grundlagen geschaffen sind."
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