Nettetal: Ein Abend der Besinnung
VON DIETER MAI - zuletzt aktualisiert: 23.03.2009Nettetal (RPO). Der "Abend der offenen Kirchen" bot interessante Einblicke in die Gemeindearbeit. Deutlich wurde aber auch das Grundproblem der katholischen Glaubensgemeinschaft: Nachwuchs ist rar.
Mit feierlicher und einladender Atmosphäre empfängt die historische Pfarrkirche in Leuth ihre Besucher. Kerzen bereiten eine behagliche Stimmung, in den Seitengängen zeugen prachtvolle historische Messgewänder von der langen Geschichte des Katholizismus im Grenzland. Es offenbart sich ein von vergangenen kirchengeschichtlichen Epochen zeugender immenser Reichtum an kunsthandwerklichen und liturgischen Schätzen, mit denen im Nettetal selbst die kleineren Kirchen ausgestattet sind.
Nur wenige halten inne
Der Eindruck fast verschwenderischer Pracht setzt sich in Kaldenkirchen fort. Hier in der Pfarrkirche St. Clemens sind es besonders die meisterlichen Holzschnitzereien am Altar und die kunstvollen Wand- und Deckenmalereien, die beeindrucken. Vor dieser Kulisse und verstärkt durch den gewaltigen Resonanzkörper des imposanten Innenraumes entfalten die Gesänge des Kirchenchores immense Wirkung, verführen zum andächtigen Innehalten. Wie an den anderen Stationen des Abends nutzen allerdings nur wenige Besucher die Gelegenheit zu Einkehr und Information. Wo Platz für Hunderte wäre, verlieren sich lediglich einige Dutzend Interessierte.
7 Gemeinden dabei
Ausrichter war die Gemeinschaft der Gemeinden Nettetal (GdG) unter der Leitung von Günter Puts.
Angeschlossen sind die Pfarrgemeinden St. Anna Schaag, St. Lambertus Breyell, St. Peter und Paul Leutherheide, St. Peter Hinsbeck, St. Sebastian Lobberich, St. Clemens Kaldenkirchen und St. Lambertus Leuth.
Im Vergleich zur opulenten Pracht zuvor erscheint der improvisierte Gebetsraum der Breyeller St.-Lambertus-Gemeinde geradezu spartanisch. Um so eindringlicher wirken hier in der schlichten Atmosphäre des "Regenbogensaals" die Kantaten von Dietrich Buxtehude, die der Pfarrcäcilienchor St. Anna aus Schaag vorträgt. Für die Zeit der Sanierungsarbeiten in der St. Lambertus Kirche nutzen die Breyeller den an das Jugendzendtrum Oase angrenzenden Saal als Gebetsraum. Leider fehlt ein entsprechender Hinweis am Kirchenportal, so dass zur Auffindung des kirchlichen Ausweichquartiers einiger Spürsinn notwendig ist.
Passend zum charakteristischen, halb zerstörten Zustand des Innenraums der Lobbericher "Alten Kirche" gibt es dort kein einstudiertes Chorkonzert. Es herrscht Workshop-Atmosphäre, da werden verschiedene Tonlagen abgestimmt, einzelne Lied-Passagen wiederholt und ausprobiert. Wie ein Sinnbild erscheint die über den Köpfen der Sängerinnen und Sänger auf eine Leinwand projizierte Filmsequenz einer Herde Pinguine, die auf einem scheinbar endlosen Weg durch die Eiswüste ziehen.
Angebote zur Besinnung und Meditation finden sich in dieser Nacht in allen teilnehmenden Gotteshäusern, so auch in St. Sebastian in Lobberich. Hier gibt es außerdem eine multimediale Präsentation zum Misereor-Hungertuch und eine kleine Ausstellung.
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