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Nettetal: Ein Beruf mit Biss

VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 03.09.2010

Nettetal (RPO). Seit mehr als 60 Jahren fertigt Hermann-Josef Müller Zahnprothesen, Brücken und Kronen.

Sein Labor in Lobberich hat er längst seinen Söhnen übergeben, den Kittel aber nie ganz ausgezogen.
Die Gebührenordnung für Zahnärzte wird derzeit überarbeitet.  Foto: AP, AP
Die Gebührenordnung für Zahnärzte wird derzeit überarbeitet. Foto: AP, AP

Hermann-Josef Müller hat Biss. Seit 1957 führt er sein Unternehmen und steht bis heute im weißen Kittel im Labor. Obwohl seine beiden Söhne längst für Keramikkronen und Kunststoffprothesen verantwortlich sind, kann sich der Firmengründer mit dem Gedanken an den Ruhestand nicht richtig anfreunden. "Ich muss etwas zu tun haben. Nur an der Ecke sitzen und Kaffee trinken, das kann ich nicht", sagt der Zahntechniker.

Gold ist nicht gefragt

Seit 60 Jahren arbeitet er inzwischen in seinem Beruf und kümmert sich noch immer mit Leidenschaft um die Dritten seiner Kunden. Dabei hatte er ursprünglich Radio- und Fernsehtechniker werden wollen, doch die Ausbildungsplätze waren damals rar. "Ein Jahr habe ich beim Bauern gearbeitet, bevor mein damaliger Chef mich genommen hat. Sein Lehrling hatte die Luft im Labor und die Säuren nicht vertragen", erinnert sich Hermann-Josef Müller. Damals musste er noch das Pedal treten, wenn der Meister den Bohrer brauchte. "Das kann sich heute keiner mehr vorstellen. Da liegen Welten dazwischen." Inzwischen wolle auch keiner mehr Gold in seinem Mund blitzen sehen.

"In den 70er Jahren haben wir 500 bis 600 Gramm jeden Monat verarbeitet. Wenn es heute zehn Gramm sind, ist das schon viel." Das Edelmetall ist inzwischen für viele Patienten zu teuer. Das Gramm kostet satte 40 Euro. Stahl ist daher das Material der Wahl. "Es ist bruchsicher und haltbar. Damit das Metall nicht zu sehen ist, verblenden wir die Zahnköpfe mit Keramik oder Kunststoff", sagt Hermann-Josef Müller. Ihn begeistern die zahlreichen Möglichkeiten des modernen Zahnersatzes immer wieder.

Die unterschiedlichen Materialien lassen sich problemlos kombinieren und der Patient kann sich das Passende oder Günstigste aussuchen. "Früher hatten wir nur Kautschukplatten, die wir in einem Druckkessel bei 180 Grad Celsius vulkanisiert haben, um sie auszuhärten. Das Verfahren dauerte Stunden. Heute kann ich Kunststoff ganz einfach im Einkochkessel erhitzen", berichtet der 78-Jährige.

Die Zukunft sieht er in computergefrästen Keramikprothesen, die aus einem Block und maßgenau für den Patienten entstehen. Diese Technik und die Billigimporte aus dem Ausland treiben dem Zahnmeister aus Leidenschaft die Sorgenfalten auf die Stirn. "Einen Lehrling würde ich nicht mehr ausbilden und ich würde auch meinen Söhnen heute raten, etwas anderes zu machen." Sowohl Michael als auch Stefan Müller haben den Beruf des Vater erlernt und sind seit 1999 mit im Geschäft.

"Sicher bin ich stolz auf meine Söhne, denn ich habe mir gewünscht, dass sie mein Werk weiter führen, doch die Perspektiven sich schlecht, dass in zehn Jahren die kleinen Labore noch überleben können." Doch Hermann-Josef Müller hat sich schon durch zahlreiche Gesundheitsreformen durchgebissen und wirkt, als wolle er der Konkurrenz auch weiterhin die Zähne zeigen.

Quelle: RP

 
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