Nettetal: Ein handgepflückter Jonathan
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 07.10.2009Nettetal (RPO). Die Apfelernte auf den Streuobstwiesen fällt in diesem Jahr kleiner aus als sonst. Die
meist alten Sorten sind beliebt und selbst für Allergiker genießbar. Ein Besuch auf der Wiese an Haus Bocholt.Jonathan muss runter vom Baum. Rotbackig und gut gewachsen hängt er in den Zweigen – ein Anblick zum Reinbeißen. Die Männer vom Nabu Bezirksverband Krefeld-Viersen, die die leckeren Äpfel hier von der Bäumen auf der Streuobst von Haus Bocholt pflücken, sind für die Ernte gut ausgerüstet. Klaus Wagner steckt auf der Leiter tief im Baum. Günter Huppertz hantiert vom Boden aus geschickt mit dem Apfelkescher. Und Günter Wessels sortiert das gepflückte Obst in die Kisten und schleppt es zum Auto. Alles, was sie heute pflücken, geht zum Nabu-Naturschutzhof im Sassenfeld. Dort verkaufen die Naturschützer all das Obst, das sie von den von ihnen betreuten Streuobstwiesen ernten.
Apfel und Wiese
Alte Apfelsorten Boskoop, der Schöne von Boskoop, roter Boskoop, Kaiser Wilhelm, Reinischer Winterrambour, Schafsnase, Rheinischer Bohnapfel, Winterglockenapfel, Rabau, Sternreinette, Cox Orange.
Streuobstwiesen Je ländlicher und je näher der Grenze, desto mehr Streuobstwiesen gibt es. Nettetal dürfte damit über eine hohe Dichte verfügen. Zahlen fehlen aber.
Ab 100 Jahre ist eine Sorte alt
Alte Apfelsorten, die es garantiert nicht im Supermarkt gibt, sind beliebt bei den Leuten, die dort kaufen. Wobei Jonathan, ein "Vorfahre" des heute oft gegessenen Jona Gold, mit knapp 100 Jahren noch nicht ganz zu diesen alten Sorten zählt, gibt Günter Wessels zu. "Aber es ist mein Lieblingsapfel."
Als alt gelten Sorten, die es mindestens seit 100 Jahren gibt. Sie führen meist eine Existenz jenseits der Plantagen, von denen das Gros der Äpfel im Handel stammt. "Plantagenbäume bleiben rund 15 Jahre stehen", erläutert Wessels. "Dann lässt die Kraft des Baumes nach, die Äpfel werden nicht mehr so dick." Für die Anbauer stelle sich die Frage, ob sie die Sorte behalten oder etwas Neues ausprobieren. Mit neuen Sorten lasse sich auch mehr Geld verdienen. An den Bäumen liegt es nicht: Streuobstbäume stehen jahrzehntelang in der Landschaft.
Die Naturschützer, die sich in der Region weit über den Kreis Viersen hinaus um Streuobstwiesen kümmern, wollen so die Artenvielfalt erhalten – auch in der Tierwelt. Denn Streuobstwiesen bieten vielen Tieren einen Lebensraum. Gleichzeitig sichert das Engagement der Naturschützer das Überleben der alten Apfelsorten. Insgesamt 3000 Bäume im Kreis Viersen, in Krefeld, Mönchengladbach und seit kurzem auch im Kreis Heinsberg habe der Nabu in seiner Obhut.
"Auf Wunsch der Besitzer kümmern wir uns um den Bestand. Manche wissen nicht, welche Apfelbäume sie auf ihrem Grund stehen haben", erklärt Wessels. Ein Teil der Ernte geht an die Eigentümer, den Rest verkauft der Nabu den gesamten Herbst über auf dem Naturschutzhof. Manche Kunden, erzählt Wessels, decken sich dort für den ganzen Winter ein. Sie kaufen 20 bis 50 Kilogramm auf einmal.
Nicht so perfekt, aber lecker
Die Äpfel sind nicht so perfekt wie die im Supermarkt. Sie haben mitunter Narben, sind unförmig und unterschiedlich groß. Dafür sind sie äußerst schmackhaft, handgepflückt, ungespritzt, länger lagerfähig und können auch von Menschen verzehrt werden, die sonst auf Äpfel allergisch reagieren. "Alte Sorten haben mehr Säure", erklärt Klaus Wagner. "Deshalb sind sie für Allergiker besser geeignet."
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